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23. September 2011, 15:15 Uhr

Gefährlicher Schulweg

Kinder durchschwimmen reißenden Fluss

Klitschnass in der ersten Stunde: 30 vietnamesische Dorfkinder müssen zur Schule schwimmen - weil ihr Bezirk kein Geld für eine Brücke hat. Ein Video zeigt, wie die Knirpse mit ihren Lernsachen durch einen metertiefen Strom paddeln. Immer wieder reißt der Fluss Menschen fort.

Schulkinder, die jeden Tag durch einen reißenden Fluss zur Schule schwimmen müssen - diese Aufnahmen sorgen in Vietnam für Empörung. Ein entsprechendes Video ist vor kurzem im vietnamesischen Staatsfernsehen gelaufen: Es zeigt Kinder im Grundschulalter, die sich - geklammert an Plastikbeutel mit ihren Habseligkeiten - vom Wasser fortreißen und ans andere Ufer treiben lassen.

"Die Kinder setzen ihr Leben aufs Spiel", schreibt nun ein Leser in der Zeitung "Dan Tri". "Wir bewundern zwar den Mut der Kinder, aber wir sind empört über die Lokalbehörden", erklärt ein anderer Leser.

Rund 30 Kinder müssen den Fluss jeden Tag überqueren, um zur Schule zu kommen. Je nach Wetterlage ist das Wasser mehr als drei Meter tief. Auch rund 100 Erwachsene müssen schwimmen, um das Dorf und die Straße auf der anderen Seite zu erreichen.

Das gehe seit zehn Jahren so, berichtete eine Frau im Fernsehen. Es seien schon viele Menschen fortgespült worden. Sie seien aber immer gerettet worden.

Der Minh-Hoa-Bezirk in der Provinz Quang Binh in Zentralvietnam hat nach eigenen Angaben kein Geld für eine Brücke. Dorfbewohner versuchten vergangenes Jahr, den Fluss mit einem Boot zu überqueren, doch das wurde bei Hochwasser fortgerissen.

An Kabeln über den Fluss

Auch in anderen Provinzen in dem asiatischen Land haben Kinder es schwer, zur Schule zu kommen. Im Mai 2010 hatte "Dan Tri" von Schulkindern in der südlicheren Provinz Kon Tum berichtet, die auf ihrem Schulweg mit einer Seilbahn über einen Fluss düsen .

Das Kabel sei etwa 150 Meter lang und verlaufe 20 Meter über dem Fluss. Auch Erwachsene müssten diesen Weg täglich nehmen, um zum Beispiel zum Markt zu kommen.

Auch an anderen Stellen gelangten Menschen auf diese Weise über den Fluss Ko Po, berichtet die Zeitung auf ihrer Online-Seite. Der Strom sei in den vergangenen Jahren stark angeschwollen und lasse sich nicht mehr mit Fähren überqueren.

Es habe schon mehrere Verletzte gegeben, als das Kabel gerissen sei oder jemand versehentlich losgelassen habe und in den Fluss gestürzt sei. Nach einem Aufruf in der Zeitung spendeten schließlich genug Leser Geld, um eine Brücke zu errichten. Sie wurde im November 2010 eröffnet.

son/dpa

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