Gemeinschaftsschulen in Berlin Alle unter einem Dach

In zwei Jahren sollen Berliner Schulen selbst entscheiden dürfen, ob sie zu Gemeinschaftsschulen werden. Dort lernen Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam - ein Modell, von dem sich die Berliner Regierung mehr Chancengleichheit verspricht.


Berlin - Es wurde schon über mögliche Verwerfungen gemutmaßt, so lange dauerte die gestrige Runde der Koalitionsgespräche zu Bildungsfragen zwischen der SPD und Linkspartei in Berlin. Aber als am späten Abend nach zwölf Stunden die Türen aufgingen, konnten doch wichtige Vereinbarungen bekannt gegeben werden: Künftig soll es in Berlin Gemeinschaftsschulen geben.

Berliner Grundschülerin: Demnächst mit den Großen in einer Schule?
DDP

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Die ersten sollen im Schuljahr 2008/2009 an den Start gehen. 22 Millionen Euro will der rot-rote Senat in der kommenden Legislaturperiode für den Aufbau dieser Schulform ausgeben - "sowohl für pädagogische Konzepte als auch für bauliche Maßnahmen", sagt der Sprecher der Berliner SPD, Hannes Hönemann zu SPIEGEL ONLINE. Die Entscheidung für Gemeinschaftsschulen erfolge also auf freiwilliger Basis.

Der Unterschied zu den bisherigen Schulformen - Gymnasium, Haupt-, Real- und Gesamtschulen - sei die Betonung des längeren gemeinsamen Lernens in den Gemeinschaftsschulen. So sollen alle Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse zusammen unterrichtet werden. "Gemeinsames Lernen von Schülern unterschiedlicher Leistungsstärke ist eine wesentliche Voraussetzung für optimale Chancen auf Bildung", sagt Hönemann. Vor genau einem Monat hatte Schleswig-Holstein als erstes Land die Gemeinschaftsschule als neue Schulform verankert.

Die aus Lehrern, Schülern und Elternvertretern zusammengesetzten Schulkonferenzen an den Schulen müssen im Gemeinschaftsmodell über das Profil ihrer Einrichtung abstimmen - auch darüber, ob sie in Zukunft zu einer Gemeinschaftsschule werden soll. Der Beschluss werde dann bei der Senatsverwaltung eingereicht. "Wenn das Konzept überzeugend ist, bekommt die Schule die Mittel dafür."

Es können demnach nur so lange neue Gemeinschaftsschulen eingerichtet werden, wie die dafür veranschlagten 22 Millionen Euro reichen, sagt SPD-Sprecher Hönemann. Wie genau der altersübergreifende Unterrichtsalltag aussehe, sei noch nicht klar. "Sicher ist aber: Alles, was aussiebt, hat schlechte Chancen."

Der Einstieg in die Gemeinschaftsschule in der kommenden Legislaturperiode war eine der drei Kernforderungen der Linkspartei. Zuletzt war ein Vorschlag der Linken, nicht nur Haupt- und Realschulen zu vereinen, sondern auch Gymnasien mit Grundschulen zusammenzulegen, auf Zustimmung in der SPD getroffen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte während des Wahlkampfes betont, dass die Gemeinschaftsschule nur auf freiwilliger Basis kommen dürfe. Von einem Kulturkampf gegen die Gymnasien halte er nichts. Wowereits Herausforderer Friedbert Pflüger (CDU) hatte die neue Schulform stets abgelehnt. Die CDU sei für schulische Vielfalt. Gymnasien würden leistungsfähige Schüler besser stärken, hatte Pflüger erklärt.

anr

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