Gemeinschaftsschulen Saar-Linke unterstützt Schulreform

Die Jamaika-Koalition im Saarland kann aufatmen: Obwohl die SPD-Fraktion die geplante Schulreform blockieren will, wird sie wohl vom Landtag beschlossen werden. Die Linke hat ihre Zustimmung zugesichert, mit deren Stimmen wäre die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht.

Linke-Chef Lafontaine: Weg frei für die Jamaika-Schulreform
dpa

Linke-Chef Lafontaine: Weg frei für die Jamaika-Schulreform


Mit Hilfe der Linken von Landtags-Fraktionschef Oskar Lafontaine kann die schwarz-gelb-grüne Regierung an der Saar ihre Schulreform umsetzen. Ministerpräsident Peter Müller (CDU) und Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) begrüßten am Donnerstag, dass die Oppositionspartei im Landtag einer Verfassungsänderung zustimmen will, die für die Einführung von Gemeinschaftschulen nötig ist.

Die Saar-Linken sind erstmals Zünglein an der Waage bei der Umsetzung eines zentralen Regierungsvorhabens im Land. Die SPD hatte angekündigt, nicht für die Reform zu stimmen. Die Regierungskoalition ist auf Stimmen der Opposition angewiesen, da der Landtag eine Verfassungsänderung nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit beschließen kann.

Lafontaine begründete die Zustimmung unter anderem damit, dass mit der Schulreform die Forderungen der Linken etwa nach einer Gemeinschaftsschule aus ihrem Wahlprogramm zwar nicht 100-prozentig, aber doch zu großen Teilen umgesetzt würden. Müller sagte dagegen, mit der Schulreform werde das CDU-Konzept eines "gegliederten Systems umgesetzt" und keine Einheitsschule eingeführt, wie sie die Linken gefordert hätten.

Entscheidend sei nicht, dass die Mehrheit durch die Linken zustande komme, sondern sich "die richtige Struktur im Interesse unserer Kinder" durchsetze. Kessler von den Grünen sieht ein "positives Signal, dass in diesem Land eine Verfassungsänderung mit den Linken möglich ist". Er bedauerte, dass "die SPD an dieser Stelle eine Blockadepolitik" betreibe.

Das Zwei-Säulen-Modell setzt sich mehr und mehr durch

Die SPD bleibt bei ihrem Nein. SPD-Landeschef Heiko Maas: "Uns geht es nicht um den kleinsten parteipolitischen Nenner, sondern um den größtmöglichen bildungspolitischen Fortschritt. Schulfrieden wird dadurch nicht erzielt."

Die Gemeinschaftsschule soll als gleichberechtigte Schulform neben dem Gymnasium verankert werden. Dort sollen Schüler nach 13 Jahren Abitur machen können, am Gymnasium weiter schon nach zwölf Jahren. Die Schulreform soll zum Schuljahr 2012/13 umgesetzt werden.

Dann wäre das saarländische Schulsystem auf das Zwei-Säulen-Modell umgestellt. Dieses Modell setzt sich gerade auch in anderen Ländern durch: In Hamburg gibt es seit diesem Schuljahr neben dem Gymnasium nur noch Stadtteilschulen, in Niedersachsen soll es mittelfristig nur noch Oberschulen als zweite Schulform geben.

Ursprünglich wollte die saarländische Regierung im Zuge der Schulreform die Grundschule um ein Jahr verlängern. Doch in dieser Frage waren selbst die Regierungfraktionen nicht einer Meinung, die FDP-Fraktion wollte dem nur aus Koalitionsräson zustimmen. Die SPD erklärte bereits im September 2010, dem fünften Grundschuljahr nicht zuzustimmen, auch die Linke stellte sich dagegen. Da auch hier eine Verfassungsänderung nötig gewesen wäre, ist dieser Teil der Reform vom Tisch.

insgesamt 5 Beiträge
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poldus 18.02.2011
1. Danke
ausgerechnet die Linken (sonst gar nicht mein Geschmack) geben mir die Hioffnung zurück, dass die Opposition nicht nur da ist, um die regierung zu blockieren. Das Schwarz-Rote Gerangel geht mir in dieser HInsicht ziemlich auf die Nerven. Und das allerschlimste ist, dass wenn der jeweils andere dann am Regieren ist, genau das gleiche aus genau den selben Sachzwängen umsetzt und dann als sein Wunderkonzept verkauft. Also, mehr auf die Inhalte achten und auch mal sinnvolles mitgestalten, liebe Opposition, egal welche. Feiern kann man das doch gemeinsam. Würde auch dem Pluralismus noch mehr entgegenkommen.
hfrbn 18.02.2011
2. Jeder weiss es, doch keiner traut sich
und nun kommen doch immer mehr Bundesländer auf den wie ich finde richtigen Weg, ein chaotisch-anachronistisches Bildungssystem, das keinem Bundesbürger mehr verständlich ist, hat keine Existenzberechtigung mehr. Eine Erkenntnis fehlt allerdings immer noch, Bildung ist keine regionale, sondern eine nationale Aufgabe, also MUT zum Abschied von 16 Systemen, 16 Ministern nebst Hofstaat und her mit einem klar strukturierten, landesweit einheitlichen, durchgängigen Schulsystem!!!
McBline 18.02.2011
3. Titel
Zitat von hfrbnund nun kommen doch immer mehr Bundesländer auf den wie ich finde richtigen Weg, ein chaotisch-anachronistisches Bildungssystem, das keinem Bundesbürger mehr verständlich ist, hat keine Existenzberechtigung mehr. Eine Erkenntnis fehlt allerdings immer noch, Bildung ist keine regionale, sondern eine nationale Aufgabe, also MUT zum Abschied von 16 Systemen, 16 Ministern nebst Hofstaat und her mit einem klar strukturierten, landesweit einheitlichen, durchgängigen Schulsystem!!!
Ja, und am Ende haben wir in Bayern ein schön-demokratisches Schulsystem, etwa auf dem Niveau von Bremen. Aber Hauptsache einheitlich, "modern" und - noch wichtiger - billig. Das sich dann einige Bundesländer nicht bei Vergleichen schämen müssen ist bloß ein netter Bonus. Was wir brauchen sind nicht so sehr gleiche Schulen - es sind gleiche Prüfungen. Dann kann man ja beurteilen welches Schulsystem besser ist und genau dieses einführen- "anachronistisch" oder nicht. Stattdessen übt man sich in immer neuen Reformen, Reförmchen und Statistiken, ermöglicht einer Horde von "Bildungsexperten" ein schönes Leben und versucht krampfhaft zu erklähren wieso Quantität besser als Qualität sein soll. Sonst lässt sich der Alditur leider schlecht verkaufen. Aber jeder letzendlich kann erkennen dass 40+ % Abiturienten ein tolles Zeichen ist - solange man sich nicht auf provokative Vorschläge wie gleiche Abiprüfungen für alle einlässt. Dann würden die Zahlen nähmlich nicht mehr so schön aussehen. Und was Gesammtschulen an tollen Leistungen bringen kann man ja in NRW beobachten - wenn einige "Abiturienten" gut anderthalb Jahre hinter eigen Kollegen aus dem gleichen Bundesland liegen. Gut diese "Abiturienten" haben die modernste Schulform überhaupt besuchen dürfen - man muss Verständnis für ihre "Leistungen" aufbringen können...
glaubdran 18.02.2011
4. Ein dummes Konzept setzt sich durch
Die schwachen und mittelmäßigen Schüler werden mit allen Mitteln zum Abitur gebracht - welches letzten Endes nichts mehr wert ist. Die Schwächsten und die Besten sind die Verlierer eines solchen Systems. Eine individuelle Förderung gibt es defacto nicht. Die sehr guten Schüler werden ruhig gestellt, die ganz schwachen auch. Prognose: Die Schüler mit Benachteiligungen werden - wie es ganz früher schon war - die Klassendeppen, verachtet und ins Abseits geschoben. Tatsache: Die Chance in einer für benachteiligte Schüler optimierten Umgebung (Förderschulen) im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu lernen, wird ihnen genommen. Die guten Schüler werden zum Mittelmaß verdammt. Denen, die es ins Gymnasium schaffen, geht es kaum besser. Bald (teilweise jetzt schon) wird ihnen mit Klippert die Chance auf Weiterentwicklung und Lernfortschritt genommen. Zur Belohnung und als Ausrede dafür müssen sie ihre Sozialkompetenz stärken. Lächerlich, denn die sehr guten Schüler sind fast immer auch die sozial kompetentesten. Das Abitur im Saarland spottet jetzt schon jeder Beschreibung. Einser-Durchschnitte im Ausverkauf. Ich kenne einige dieser Einser-Abiturienten persönlich. Früher nannte man das einen normalen Realschulabschluss. Es gibt ein durchlässige Schulsystem. Jeder kann bis zum Abitur kommen. Auch jetzt schon. Macht es nicht schlimmer. tom
leonardo-contra-pisa 18.02.2011
5. Perspektiven
Zitat von McBlineJa, und am Ende haben wir in Bayern ein schön-demokratisches Schulsystem, etwa auf dem Niveau von Bremen. Aber Hauptsache einheitlich, "modern" und - noch wichtiger - billig. Das sich dann einige Bundesländer nicht bei Vergleichen schämen müssen ist bloß ein netter Bonus. Was wir brauchen sind nicht so sehr gleiche Schulen - es sind gleiche Prüfungen. Dann kann man ja beurteilen welches Schulsystem besser ist und genau dieses einführen- "anachronistisch" oder nicht. Stattdessen übt man sich in immer neuen Reformen, Reförmchen und Statistiken, ermöglicht einer Horde von "Bildungsexperten" ein schönes Leben und versucht krampfhaft zu erklähren wieso Quantität besser als Qualität sein soll. Sonst lässt sich der Alditur leider schlecht verkaufen. Aber jeder letzendlich kann erkennen dass 40+ % Abiturienten ein tolles Zeichen ist - solange man sich nicht auf provokative Vorschläge wie gleiche Abiprüfungen für alle einlässt. Dann würden die Zahlen nähmlich nicht mehr so schön aussehen. Und was Gesammtschulen an tollen Leistungen bringen kann man ja in NRW beobachten - wenn einige "Abiturienten" gut anderthalb Jahre hinter eigen Kollegen aus dem gleichen Bundesland liegen. Gut diese "Abiturienten" haben die modernste Schulform überhaupt besuchen dürfen - man muss Verständnis für ihre "Leistungen" aufbringen können...
Nein, das haben sie nicht ;-) Sehen Sie sich doch einmal an, was Frau Löhrmann in NRW mit Hilfe der Genossen als "zukunftsgerechte" Schule installieren will. http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Presse/Meldungen/Pressemitteilungen/pm_21_01_2011.html Das Seltsame ist: Hier in NRW wehrt sich die CDU gegen die von den Grünen und der SPD kreierte Gemeinschaftsschule. Im Saarland verhilft sie ihr mit den Grünen gegen die SPD zur Entstehung. Das versteht man wohl nur, wenn man darüber eine Dissertation verfassen lässt. :-) Das in NRW auch - schon lange !!! Doch, das werden sie versuchen. Egal ob schwarz, rot oder grün. Es ist einfach krank.
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