Gentechnik II Editorial


Gentechnik betrifft uns alle: als Verbraucher, Patienten, Freunde oder Verwandte von Personen mit Erbkrankheiten, zukünftige Eltern, umweltbewusste, verantwortungsvolle Gesellschaftsmitglieder sowie als politische und ethische Individuen. In oftmals leidenschaftlichen Debatten beschwören die einen unermüdlich den Nutzen der Gentechnik für die Menschheit, während die anderen ein düsteres Bild von Gefahren und nicht mehr umzukehrenden Fehlentwicklungen zeichnen. Dabei ist ein differenziertes Urteil je nach Anwendungsgebiet und Abwägung zwischen Nutz- und Risikofaktoren notwendig und wünschenswert. Angst vor Missbrauch, Forschungsfälschungen und Fehlentwicklungen sind genauso ernst zu nehmen wie Fortschritte und Erfolge der Gentechnik. Bei den emotionalen Debatten wird oft vergessen, dass es sich bei der Gentechnik häufig noch um Grundlagenforschung handelt. Neue Erkenntnisse werden in den Medien schnell hochgejubelt und lassen den Eindruck entstehen, dass Krankheiten wie Krebs bald heilbar sein werden. Es gilt daher, Machbares von Zukünftigem zu unterscheiden.

Das erste Kapitel führt in die Gentechnik ein, veranschaulicht wichtige Schritte auf dem Weg in die Gegenwart und konfrontiert uns mit den wichtigen Fragen für die Zukunft (I). Im Bereich der Grünen Gentechnik stehen vor allem die ökologischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Vor- und Nachteile in der Diskussion, die Erfahrungen, die weltweit mit ihr gemacht wurden, und das Bemühen um gesetzliche Regelungen (II). Eine deutlich breitere gesellschaftliche Akzeptanz erfährt die Gentechnik in der Pharmazeutik. Sie ist Teil der Roten Gentechnik, stellt aber durch den neuen Bereich des Pharming auch einen Berührungspunkt von Grüner und Roter Gentechnik dar (III). Das abschließende Kapitel behandelt die Hoffnungen und Entwicklungen im Bereich der Gendiagnostik und -therapie und die damit verbundenen gesellschaftlichen Debatten um genetische Diskriminierung und moderne Eugenik (IV).

Gentechnik berührt viele Bereiche unseres Alltags. Umso wichtiger ist es, dass Schüler sich Hintergrundwissen zum Thema aneignen, das Grundvokabular lernen, um sich in der Thematik zurechtzufinden, vereinfachende und emotional zugespitzte Meinungen erkennen, sachlich argumentieren, sich bei Diskussionen positionieren sowie vorurteilsfrei und mündig urteilen können. Daher werden die Schüler mit dem breiten Feld der Gentechnik, den grundlegenden Kenntnissen und Fragen vertraut gemacht. Sie lernen die Anwendungsgebiete und Methoden kennen, erfahren, welchen Nutzen und welches Risiko die Gentechnik birgt, welche gesetzlichen Regelungen getroffen wurden und welche ethischen Debatten und offenen Fragen die Gentechnik nach sich zieht.



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