Gerichtsurteil Stuttgarter Lehrerin darf Kopftuch tragen

Das Land Baden-Württemberg hat in einem weiteren Kopftuchstreit eine schwere Schlappe erlitten: Nach einem Gerichtsurteil darf eine muslimische Lehrerin in einer Stuttgarter Schule weiterhin mit Kopftuch unterrichten.


Stuttgart - Das Verwaltungsgericht Stuttgart gab heute der Klage einer Lehrerin gegen eine Anweisung des Landes statt, ihr Kopftuch im Schuldienst abzulegen. Die Anweisung sei rechtswidrig, weil sie gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes und gegen die europäische Menschenrechtskonvention verstoße, betonte der Vorsitzende Richter Michael Schaber.

Klage gewonnen: Die Stuttgarter Lehrerin darf ihr Kopftuch weiter im Unterricht tragen
DPA

Klage gewonnen: Die Stuttgarter Lehrerin darf ihr Kopftuch weiter im Unterricht tragen

Bei der Klägerin handelt es sich um eine Lehrerin, die seit 1973 an einer Grund- und Hauptschule in Stuttgart unterrichtet. 1984 trat die Deutsche zum Islam über. Seit 1985 trägt sie auch im Unterricht ein Kopftuch, das im Piratenlook gebunden ist und die Schultern nicht bedeckt.

Grundsätzlich erklärte das Gericht das in Baden-Württemberg seit 2004 gesetzlich verankerte Kopftuchverbot für rechtsmäßig. Im vorliegenden Fall der Lehrerin bestehe aber nur eine "abstrakte" Gefährdung für den Schulfrieden, weshalb der Gleichheitsgrundsatz strikt beachtet werden müsse. Dies sei aber nicht der Fall, weil in Baden-Württemberg Ordensschwestern in Nonnentracht an staatlichen Schulen allgemeinbildende Fächer unterrichten. Für die Klägerin sei dies eine Benachteiligung.

ler/ddp



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