Gesucht und gefunden Die Schule und der Lehrer des Jahres

Was wäre das Bildungssystem ohne Rankings, und was wären Zeitschriften ohne Preisverleihungen? Diesmal haben der "Stern" und "Unicum" zugeschlagen: Sie kürten den "Lehrer des Jahres" und die "Schule des Jahres" - ganz schön treffsicher, bei rund 40.000 Schulen und über 600.000 Lehrern in Deutschland.

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Jubel in Oranienburg: Das Runge-Gymnasium ist "Schule des Jahres 2004"

Jubel in Oranienburg: Das Runge-Gymnasium ist "Schule des Jahres 2004"

Überforderte Lehrer, prügelnde Schüler, verdreckte Klassenzimmer: Glaubt man den Alarmmeldungen, versinkt ganz Schul-Deutschland in Frust und Resignation. Ganz Deutschland? Nein, ein wackerer Pädagoge im südbadischen Staufen und ein Gymnasium in Brandenburg halten ihre Fähnchen hoch - offenbar so hoch, dass sie sogar die Redaktionen von "Stern" und "Unicum" bemerkten. Die beiden Magazine kürten, fast zeitgleich und durchaus öffentlichkeitswirksam, den "Lehrer des Jahres 2004" und die "Schule des Jahres 2004".

Bei den Paukern machte der Mathe- und Physiklehrer Winfried Sturm das Rennen: Er wurde am letzten Sonntag zusammen mit den Siegern des Bundeswettbewerbs "Jugend forscht" in Saarbrücken geehrt. Sturm unterrichtet seit 1974 am Faust-Gymnasium im badischen Staufen und wurde von seinen Schülern für die Auszeichnung vorgeschlagen.

Lehrer des Jahres 2004: Winfried Sturm
obs/stern

Lehrer des Jahres 2004: Winfried Sturm

Das Schülermagazin "Unicum Abi" hatte bundesweit Schüler dazu aufgerufen, ihre Schulen zu benoten; knapp 12.000 Schüler folgten der Aufforderung, am 14. Mai wurden die Resultate präsentiert. Das beste Zeugnis bei dem Wettbewerb erhielt das Friedlieb Ferdinand Runge-Gymnasium im brandenburgischen Oranienburg.

Die Schule kam in gleich drei Kategorien auf Platz Eins: Computerausstattung, außerschulische Aktivitäten und Schulklima. So landeten die Brandenburger denn auch mit einer Endnote von 1,32 in der Gesamtwertung ganz vorne, gefolgt vom Fallstein-Gymnasium in Osterwieck (Sachsen-Anhalt) und dem St. Marien-Gymnasium in Regensburg (Bayern).

"Allen Abgesängen zum Trotz"

"Engagierte Lehrer, lernfreudige Schüler, ausgezeichnetes Schulklima und intensive Bildungsvorbereitung: Ja, das gibt's, allen bildungspolitischen Abgesängen zum Trotz", resümierte Oliver Baentsch, Chefredakteur von "Unicum Abi", die bahnbrechenden Erkenntnisse aus dem Schul-Ranking. Die Schulen standen in sechs Kategorien auf dem Prüfstand: Umfeld, Ausstattung, Computer-Equipment, außerschulische Aktivitäten, Berufsvorbereitung und Schulklima.

Während die "Unicum abi"-Redaktion den Schülern die Bewertung der laut Statistischem Bundesamt rund 40.000 Lehranstalten in Deutschland übergab, ließen die Kollegen vom "Stern" offenbar ihren Röntgenblick durch die Klassenzimmer der Republik schweifen - und fanden unter den 676.000 voll- und teilzeitbeschäftigten Paukern Winfried Sturm.

Sturm ist bei seinen Schülern für "Unterricht im Überschalltempo" bekannt und für seine teils skurrilen Tüfteleien und Experimente beliebt. Seine Hardware-AG gewann mit dem "Third Eye", einem Chip für Blinde, Preise bei Schülerwettbewerben. Andere von ihm geleitete AGs trugen Namen wie "Erst Kühlschrank, dann Sonnenkollektor" oder "Mofa-Frisieren leicht gemacht". Sturm setzt im Unterricht darauf, dass die Schüler Alltagsprobleme praktisch lösen sollen: "Warum sind denn die Naturwissenschaften bei Schülern so unbeliebt? Sie sind zu kopflastig!"



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