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08. Juni 2005, 13:17 Uhr

Gewalt an Schulen

250 verletzte Schüler pro Tag

Gewalttätige Auseinandersetzungen unter Schülern werden an deutschen Schulen seltener. Laut einer Studie der Unfallkassen geht die Gewalt vor allem an Hauptschulen zurück - wobei diese Schulform nach wie vor das größte Problem mit aggressiven Jugendlichen hat.

Schulhof-Raufereien: 250 verletzte Schüler pro Tag
DPA

Schulhof-Raufereien: 250 verletzte Schüler pro Tag

Untersucht wurden vom Bundesverband der Unfallkassen alle Folgen von Gewalttaten an deutschen Gymnasien, an Grund-, Haupt-, Sonder- und Realschulen - also insgesamt unter 8,3 Millionen Schülern. Waren es im Jahr 1993 noch 15,5 Übergriffe mit Folgen pro 1000 Schüler, sank die Zahl der Gewalttaten im Jahr 2003 auf 11,3.

Am stärksten ist laut der Studie die körperliche Gewalt unter Hauptschülern zurückgegangen. Die Rate sank dort innerhalb von zehn Jahren von 48,6 auf 32,8 pro 1000 Schüler. Trotz des Rückgangs passieren an Hauptschulen weiterhin deutlich mehr Unfälle durch aggressives Verhalten als in anderen Schulformen. Die niedrigsten Raufunfallraten verzeichnen Grundschulen mit 4,9 und Gymnasien mit 5,7 Übergriffen pro 1000 Schüler.

Eine Zunahme der Brutalität bei Raufereien konnte nicht festgestellt werden. Als Maßstab für diese Bewertung wurde die Frakturquote untersucht. Die Anzahl der schweren Verletzungen hat sich in keinem Schultyp erhöht, sondern nahm sogar ab.

Mehr Gewalt in Berlin und Brandenburg

Insgesamt wurden 93.295 Raufunfälle im Jahr 2003 gemeldet, dabei wurden etwa 250 Schüler pro Tag verletzt. Die meisten Unfälle passieren während der Pause auf dem Schulhof, aber auch Zwischenfälle beim Schulsport wurden mit in die Studie einbezogen. Der höchste Anteil von Rangeleien mit Folgen ist bei 11- bis 15-jährigen Jungen auszumachen. Die Quote der gewalttätigen Jungen liegt mit 15,1 doppelt so hoch wie bei Mädchen (7,1).

Die Studie zeigt außerdem, dass der Anteil ausländischer Schüler an den Rangeleien auf dem Schulgelände gegenüber 1993 abgenommen hat.

Im Gegensatz zu den Ergebnissen der Studie beobachteten einige Bundesländer in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Gewalt an Schulen. So nahm in Brandenburg die Zahl der Gewalttaten von 2002 bis 2004 um 94 auf 838 polizeilich gemeldete Fälle zu. Auch in Berlin wurde von einer Erhöhung der Übergriffe von einem Drittel im vergangenen Jahr berichtet.

Von Christian Werner

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