Angst vor Anschlägen Israelische Schulen sperren Handwerker aus

An vielen Schulen in Israel haben Handwerker und Reinigungskräfte Hausverbot, solange Kinder im Gebäude sind. Denn in diesen Jobs arbeiten meist Araber.


Die Angst vieler Israelis vor weiterer Gewalt berührt auch den Alltag von Schulkindern: In mehreren israelischen Städten dürfen Handwerker und Reinigungskräfte nicht mehr in Schulen arbeiten, solange dort Schüler anwesend sind.

Eine Pressesprecherin der Großstadt Tel Aviv sagte laut der Nachrichtenagentur AFP, dass "wegen der sensiblen Lage" Bau-, Reparatur- und Reinigungsarbeiten nicht mehr erledigt werden dürften, solange sich Schüler in den Bildungsstätten aufhielten. Dies gelte "für jüdische und arabische Beschäftigte gleichermaßen".

Im staatlichen Rundfunk hieß es dazu, in der Praxis seien aber meistens arabische Israelis betroffen. Sie machen knapp 20 Prozent der israelischen Bevölkerung aus und arbeiten oft als Hausmeister und Putzkräfte.

Ähnliche Verbote gibt es laut AFP in mindestens einem halben Dutzend weiterer israelischer Städte. Sie wurden zum Teil auf Verlangen verängstigter Eltern erlassen, die gefordert hatten, dass arabische Israelis nicht mehr an Schulen beschäftigt werden sollten.

Arabischer Politiker: "Quelle der Diskriminierung"

Seit Monatsbeginn wurden über dreißig Anschläge, vor allem mit Messern, gegen Uniformierte oder als Juden erkennbare Passanten verübt. Die Täter waren zumeist Palästinenser und in drei Fällen israelische Araber.

Arabische Politiker kritisierten das Arbeitsverbot an Schulen als diskriminierend. So schrieb der arabische Parlamentsabgeordnete Issawi Frej auf Facebook: "In Zeiten von Aufwiegelung und Hasstiraden müsste das Bildungssystem an der Spitze des Kampfes gegen Rassismus stehen und sich für das partnerschaftliche Zusammenleben einsetzen." Stattdessen würden die Schulen zu einer Quelle der Diskriminierung, kritisierte das Mitglied der linken Merez-Fraktion.

In der jüngsten Gewaltwelle in Jerusalem und im Westjordanland sind mehr als 40 Palästinenser und acht Israelis getötet worden. Ein Auslöser ist der Streit um die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem. Die Palästinenser werfen Israelis vor, die heilige Stätte immer stärker für sich zu vereinnahmen. Israel hat jedoch erklärt, man wolle den jetzigen Zustand beibehalten.

lov/AFP/Reuters



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