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05. Dezember 2012, 12:27 Uhr

Jüdische Gemeinde Berlin

Joffe beklagt Antisemitismus unter Schülern

Trauen sich Lehrer an manchen Schulen nicht mehr, Antisemitismus und Nahost-Konflikt im Unterricht anzusprechen? Davor warnt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Berlin, Gideon Joffe. Schon jetzt würden Schüler das Wort "Jude" als Beleidigung gebrauchen.

Die jüdische Gemeinde in Berlin ist besorgt: In Schulen mit hohem Migrationsanteil könnten Lehrer aus Angst vor Übergriffen Themen wie Antisemitismus oder den Nahost-Konflikt oftmals nicht mehr behandeln, warnte der Gemeinde-Vorsitzende, Gideon Joffe. "Lehrer werden von den Schülern teilweise physisch attackiert, wenn sie versuchen, diese Themen anzusprechen." Es sei verständlich, dass Lehrer solche Themen deswegen mieden. So seien Sprüche wie "Was machen denn die Juden hier?" keine Ausnahme mehr.

"Auf dem Schulhof werden Begriffe wie Jude als Schimpfwort benutzt", beklagte Joffe. Die Politik oder die Zivilgesellschaft müssten daher ein Programm entwickeln, das sich direkt an die Schulen richte. "Die Lehrer dürfen einfach nicht mehr alleine gelassen werden", forderte er und mahnte: "Was man heute nicht erledigt, wird sich in den nächsten Jahren noch in viel, viel stärkeren Aggressionen ausdrücken."

Joffe ist nicht der Erste, der vor Antisemitismus an Schulen warnt. Verschiedene Studien und Erzählungen von Lehrern offenbarten in den vergangenen Jahren, welche Vorurteile unter Jugendlichen grassieren. Dass "Jude" auf Schulhöfen als schlimmes Schimpfwort benutzt und empfunden wird, besonders dort, wo viele Kinder mit ausländischer Herkunft lernen, stand bereits in vielen Zeitungsberichten.

Eine Berliner Grundschul-Erzieherin etwa sagte dem "Tagesspiegel", sie höre von den Schülern häufiger Sätze wie: "Hitler war cool, weil er so viele Juden umgebracht hat." Laut der Studie "Deutsch-Türkische Lebens- und Wertewelten" meinen 18 Prozent der Deutschtürken, Juden seien minderwertige Menschen. Einer Historikerin vom Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung zufolge haben Befragungen von Jugendlichen gezeigt, "dass die heftigsten antisemitischen Sprüche von Russlanddeutschen kommen". Zudem äußern sich acht bis zehn Prozent der Deutschen in Umfragen offen antisemitisch, sie halten Juden etwa für andere, schlechtere Menschen.

Der Gemeinde-Vorsitzende Joffe sagte aber auch, zwar würden die Gemeindemitglieder in Berlin tagtäglich daran erinnert, dass sie jüdisch seien. Trotzdem wachten sie nicht jeden Tag auf und denken: "Wie kann ich nur in einer Stadt leben, in der die Judenvernichtung geplant wurde?" Im Gegenteil: "Die Menschen fühlen sich hier sehr, sehr wohl."

Aus Angst werde die Religion aber in der Regel nicht offen gezeigt. "Vorurteile dauern an, sie existieren schon seit Jahrtausenden. Es wird wahrscheinlich noch lange so bleiben." Trotz allem sollte versucht werden, dagegen anzukämpfen.

otr/dapd

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