Eine Million Dollar Preisgeld Der beste Lehrer der Welt kommt aus Kenia

Eine Million Dollar für super Unterricht: Peter Tabichi, Lehrer in Kenia, gewinnt den "Global Teacher Award". Er unterrichtet neben Mathe und Physik auch Selbstbewusstsein und Frieden.

Sieger Peter Tabichi, Mitte, mit dem Schauspieler Hugh Jackman und Dubais Kronprinz Scheich Hamdan bin Mohammed Al Maktoum
Jon Gambrell / AP

Sieger Peter Tabichi, Mitte, mit dem Schauspieler Hugh Jackman und Dubais Kronprinz Scheich Hamdan bin Mohammed Al Maktoum

Aus Dubai berichtet


Peter Tabichi ist der beste Lehrer der Welt. Der kenianische Lehrer für Mathematik und Physik wurde am Sonntagabend in Dubai mit dem "Global Teacher Award 2019" ausgezeichnet. Der Preis ist mit einer Million Dollar dotiert.

Tabichi arbeitet an der Keriko Mixed Day Secondary School im Dorf Pwani. Ein Drittel seiner Schüler sind Waisen oder Halbwaisen, 95 Prozent kommen aus ärmsten Verhältnissen. "Drogen, Teenager-Schwangerschaften, Kinderheiraten - alles das kann dazu führen, dass Schüler nicht mehr in die Schule kommen", sagt Tabichi.

Er hält dagegen: mit einem Club für Naturwissenschaften und der Teilnahme an internationalen Wettbewerben, mit Unterricht über nachhaltige Landwirtschaft und manchmal auch mit einem Frühstück. "Für viele Schüler ist es schwierig, morgens zuhause etwas zu essen zu bekommen", sagt der kenianische Lehrer, "sie können sich dann in der Schule nicht konzentrieren, weil sie Hunger haben."

Ein Computer mit rudimentärer Internetverbindung

Als bester Lehrer kann ausgezeichnet werden, wer seine Schüler am besten fördert und ein Vorbild für seine Kollegen ist, heißt es in der Ausschreibung zum Weltlehrerpreis. Dass Peter Tabichi knapp 60 Schüler unterrichtet und dafür nur einen einzigen Computer mit rudimentärer Internetverbindung zur Verfügung hat, beeindruckte die Jury ebenso wie die Tatsache, dass der Kenianer auch noch einen Großteil seines Gehalts an lokale Hilfsprojekte spendet.

Tabichi setzte sich unter anderem gegen Kollegen aus Indien, Australien, Argentinien, Brasilien, Japan und den Niederlanden durch. Die Finalrunde des Wettbewerbs fand im Rahmen der weltweit größten Fachtagung für Schule und Bildung in Dubai statt. Am "Global Education & Skills Forum" (GESF) nahmen am Wochenende rund 2000 Lehrkräfte, Schulforscher und Bildungspolitiker teil.

Initiator des GESF und Stifter des millionenschweren Lehrerpreises ist der aus Indien stammende Unternehmer Sunny Varkey. Sein Geld verdiente er unter anderem mit Immobiliengeschäften, als Betreiber von mehr als 130 Schulen in mehreren Ländern ist seine Unternehmensgruppe aber auch im Geschäft mit der Bildung aktiv.

"Was Lehrer jeden Tag leisten, ist unbeschreiblich", sagt Varkey. Preis und Kongress sollen dazu beitragen, dass jedes Kind weltweit - gerade auch in schwierigen sozialen Verhältnissen - Zugang zu guter Schulbildung erhält. "Lehrer und Schüler zusammen können die Welt verändern", sagt Varkey. Lehrer haben für ihn "den wichtigsten Beruf in der Gesellschaft".

Es gebe einen starken Zusammenhang zwischen dem Status des Lehrerberufs in einer Gesellschaft und der Leistung der Schüler. "Den Lehrer zu respektieren, ist nicht nur eine wichtige moralische Pflicht - es ist auch entscheidend für den Bildungserfolg eines Landes", so der Unternehmer.

Eine Klasse mit 155 Kindern

Andrews Nchessie gehörte nicht zu den Finalisten des Lehrerwettbewerbs. Verdient hätte er den Preis trotzdem: Der Pädagoge aus Malawi unterrichtet aktuell eine Klasse mit 155 Schülern - allein. "Manche Kinder sitzen direkt vor meinen Füßen auf dem Boden", erzählt Nchessie am Rande des Kongresses in Dubai.

Andrews Nchessie unterrichtet eine Klasse mit 155 Schülern - allein

Andrews Nchessie unterrichtet eine Klasse mit 155 Schülern - allein

Laptops oder Tablets für alle? In vielen Workshops wird hier über den Einsatz digitaler Medien im Unterricht diskutiert, individuell angepasster Unterricht mit Computerunterstützung gilt als Schlüssel zu möglichst nachhaltigem Lernerfolg. Andrews Nchessie sieht das theoretisch genauso. Aber er kennt auch die Realität bei ihm zuhause: "Wenn ich 20 Geräte für meine 155 Schüler habe, dann bin ich schon sehr gut ausgestattet."

Seine Tafel ist ein Brett, richtige Wände hat das Klassenzimmer an der Kasungu Demonstration School nicht. Trotzdem empfängt Nchessie immer wieder Besuch von anderen Lehrern, zeigt ihnen seinen Unterricht, erstellt Material für Kollegen in Malawi und Uganda oder tritt bei Fortbildungen auf. Seit er 1994 seine erste Grundschulklasse übernahm, hat Nchessie immer wieder experimentiert und neue Lernformen ausprobiert.

Wie schafft er es, jedem Schüler gegenüber aufmerksam zu sein und möglichst allen Kindern Naturwissenschaften oder Englisch beizubringen? Nchessie lacht. Merken kann er sich die Namen nicht, gibt er zu, aber seine Schüler haben Namensschilder auf der Brust, so dass er sie direkt ansprechen kann.

Und sein Unterricht, der sei eben ein bisschen anders. Biologie kann da schon mal unter einem Baum vor der Schule stattfinden, "da sitzen dann alle im Kreis und sprechen über das aktuelle Thema". Klar sei außerdem, dass er die Klasse immer wieder in kleinere Gruppen teile und dass Schüler sich auch gegenseitig etwas zeigen und beibringen.

Lehrer für alles

"Die Schüler müssen beteiligt werden und selbst möglichst aktiv sein", sagt Nchessie. Und sie sollen sehen, dass ihre Aktivitäten etwas bewirken, da ist er sich mit Peter Tabichi einig. So haben seine Schüler, um Grundkenntnisse in der Meteorologie zu bekommen, eine Wetterstation gebaut und, bei der Beschäftigung mit dem weltweiten Klimawandel, Bäume gepflanzt. Gesunde Ernährung ist in der Schule in Kasungu ebenso ein Thema wie die HIV-Prävention.

Außerdem werde viel gesungen, das fördere das Lernen, so der Pädagoge. "Bei uns in der Klasse geht es eben um das richtige Leben", sagt Nchessie. Denn das ist möglicherweise die entscheidende Botschaft dieser Konferenz: dass sich guter Unterricht auch da verwirklichen lässt, wo die Situation der Schüler und Lehrer auf den ersten Blick fast unzumutbar erscheint. Ein einheitliches, für alle Schüler der Welt passendes Konzept für erfolgreichen und guten Unterricht gibt es nicht, darüber sind sich die Experten einig.

Umso wichtiger sei es, das Lernen in aktiver Zusammenarbeit mit den Schülern zu gestalten. Und dazu gehöre auch, sagt Preisträger Tabichi, das Leben der Schüler außerhalb des Klassenzimmers. In seinem Fall bedeutet das: In der Gegend, in der der Mathe- und Physiklehrer unterrichtet, hatte es 2007 nach der kenianischen Präsidentenwahl schwere Unruhen zwischen verschiedenen Stämmen gegeben. Die Gewalt von damals wirkt bis heute nach. Tabichi hat deshalb eine Friedensgruppe an der Schule aufgebaut, die teilnehmenden Schüler stammen aus sieben verschiedenen Volksgruppen.

Er wolle die Schüler miteinander in Kontakt bringen, sagt Tabichi. Sie müssten reden, um sich zu verstehen. Und sie müssten - das vor allem -, lernen, an sich selbst und an ihre Kraft zu glauben.

Was für ihn einen guten Lehrer ausmacht? Kreativ müsse, man sein, sagt der Träger des Weltlehrerpreises 2019. Man dürfe außerdem keine Angst vor neuen Unterrichtsformen haben. Und dann ist da noch etwas, sagt Tabichi: "Du musst weniger reden und mehr handeln."

Die Berichterstattung aus Dubai wurde durch ein Stipendium der Jacobs Foundation ermöglicht.



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
menefregista 24.03.2019
1. Holt den Mann nach Deutschland
Wir haben doch hier Lehrermangel. Damit es für Deutschland mit den Pisa-Eregebnisse nicht weiter nach unten geht und wir in einer oder spätestens zwei Generationen auf dem Stand von Kenia landen, sollten wir uns schleunigst um die Einwanderung kompetenter Lehrer bemühen. Bis jetzt sind ja zu 75 % junge Analphabeten gekommen, für die man noch Zehntausende Lehrer braucht, um sie zu qualifizieren.
christoph.pflaum 24.03.2019
2. Wie wurde der Mann ein so guter Lehrer?
Wichtig ist doch zu fragen, was Herrn Peter Tabichi inspiriert hat ein so guter Lehrer zu werden und woher er eine so gute Ausbildung zum Lehrer bekommen hat? Wenn man seine Kleidung ansieht, dann erkennt man, dass Herr Peter Tabichi ein katholischer Franziskaner Mönch ist. Ich glaube es ist sehr wichtig dies hier zu erwähnen, da er sicher durch seine Ausbildung und sein Leben als Franziskaner Mönch sehr stark geprägt wurde. Es ist daher sicher, dass Herr Peter Tabichi den Idealen des heiligen Franziskus nachfolgt. Diese sind Leben in Einfachheit und Liebe zur Natur und Menschen. Diese wichtige Information sollte sicher nicht fehlen oder?
noalk 24.03.2019
3. Lasst ihn, wo er ist
Zitat von menefregistaWir haben doch hier Lehrermangel. Damit es für Deutschland mit den Pisa-Eregebnisse nicht weiter nach unten geht und wir in einer oder spätestens zwei Generationen auf dem Stand von Kenia landen, sollten wir uns schleunigst um die Einwanderung kompetenter Lehrer bemühen. Bis jetzt sind ja zu 75 % junge Analphabeten gekommen, für die man noch Zehntausende Lehrer braucht, um sie zu qualifizieren.
Hier würde er nur unglücklich. Schickt lieber die deutschen Lehrpläne in die Wüste. Und die Bürokraten, welche sie verfasst haben, gleich mit.
geotie1 24.03.2019
4.
Zitat von menefregistaWir haben doch hier Lehrermangel. Damit es für Deutschland mit den Pisa-Eregebnisse nicht weiter nach unten geht und wir in einer oder spätestens zwei Generationen auf dem Stand von Kenia landen, sollten wir uns schleunigst um die Einwanderung kompetenter Lehrer bemühen. Bis jetzt sind ja zu 75 % junge Analphabeten gekommen, für die man noch Zehntausende Lehrer braucht, um sie zu qualifizieren.
Dann sollten wir uns aber auch nicht wundern wenn die Leute dort keine Ausbildung als Schüler haben und dadurch vielleicht nach Deutschland flüchten! Ich bin offen für eine Änderung im deutschen Schulsystem, aber dadurch die guten Lehrer aus den armen Ländern wegzuholen, wäre den Menschen dort gegenüber gemein! Dazu ist dieser Mann aktiv für den Frieden, indem er die verschiedenen Kulturen zusammenbringt. Nein, dieser Lehrer gehört in sein Land und wir müssen unsere Probleme selbst lösen. Aber man kann von ihm lernen! (Schwierig für Leute aus der AfD)
TS_Alien 24.03.2019
5.
Solche Preise sollte man nicht ernst nehmen. Man sollte sie erst gar nicht ausloben. In Deutschland gab (gibt?) es ähnliche Preise. Das nimmt man eher belustigend zur Kenntnis bzw. zweifelt an der Selbsteinschätzung so mancher Kollegen. Stattdessen sollte man - in Deutschland - die Klassen kleiner machen und dafür sorgen, dass die Schüler frühzeitig auf der für sie richtigen Schule landen. Dann hätten Lehrer mehr Zeit für die wichtigen Dinge und müssten nicht die zu Stoßzeiten üblichen 60 Stunden und mehr in der Woche arbeiten. Das Märchen, dass den Politikern Bildung wichtig ist, glaubt keiner mehr.
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