Gnadenerlass Saudi-arabische Lehrer entkommen der Auspeitschung

König Abdullah von Saudi-Arabien hat zwei Lehrer begnadigt, die zuvor zu Peitschenhieben und Gefängnisstrafen verurteilt worden waren. Die Vergehen der Pädagogen: Der eine hatte im Unterricht den Quaida-Terror verurteilt. Der andere hatte Schülern gesagt, Liebe sei etwas Großartiges.


Riad - Wie die Zeitung "Arab News" berichtet, war der Lehrer Mohammed al-Suheimi aus Riad von islamistischen Kollegen angezeigt worden. Er hatte seinen Schützlingen gegenüber gesagt, dass Liebe etwas Edles sei. Es sei besser zu lieben, als Gott zu fürchten. "Ich unterrichte Teenager, die in einer schwierigen Phase ihres Lebens Liebe und Zuneigung brauchen, und ich werde nicht alles in ihrem Leben in Angst und Schrecken verwandeln, vor allem nicht ihre Beziehung zu Gott", zitierte Arab News den Lehrer.

Die Liebe sei aber nicht das bestimmende Gefühl in einer traditionellen saudiarabischen Ehe, in der es eher um "Freundlichkeit und Mitgefühl" gehe. Die Folge dieser Äußerung: Ein Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Haft und 300 Peitschenhieben. Zur Begründung hieß es, Suheimi habe seine Schüler "zur Homosexualität und zu außerehelichem Sex ermutigt". Nur dank des königlichen Gnadenerlasses entkam der Pädagoge nun seiner Bestrafung.

Zuvor hatte auch Mohammed al-Harbi das Gefängnis verlassen dürfen. Auch er sieht sich als Opfer religiöser Fanatiker. Der Chemielehrer aus Ain al-Juwa in der ultrakonservativen Qassim-Provinz glaubt, dass seine radikalen Kollegen die Schüler gegen ihn aufgestachelt hätten, weil er die Terroranschläge der Qaida-Zellen in Saudi-Arabien öffentlich verurteilt hatte. Wegen angeblich respektloser Äußerungen über fromme bärtige Männer und Hexerei hatte ihn ein Gericht zu drei Jahren Haft und 750 Peitschenhieben verurteilt. Harbi habe sich über den Islam lustig gemacht und Juden- sowie Christentum propagiert, hatte es in der Urteilsbegründung geheißen.

Menschenrechtsorganisationen hatten gegen die Urteile protestiert. Die Lehrer sollten dafür bestraft werden, dass sie zu einer offenen Diskussion ermutigt hätten.



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