Ermittlungen in Bayern Neuntklässler verbreiten rechtsextreme Hetze im Klassenchat

Hakenkreuze und antisemitische Sprüche sendeten Schüler in Bayern ihren Mitschülern - nun ermittelt die Polizei. Die Schulleitung zeigt sich entsetzt über den Vorfall in einer neunten Klasse.


Wegen des Verdachts auf Volksverhetzung in einem Klassenchat ermittelt die Polizei gegen Schüler eines Gymnasiums im bayerischen Grafing. In dem Chat einer neunten Klasse waren rassistische Äußerungen und Fotos von verfassungsfeindlichen Symbolen gepostet worden, wie ein Polizeisprecher sagte. "Wir müssen jetzt schauen, wer der Urheber dieser Mitteilung war und wer diese Mitteilung trotz erkennbarer Problematik weiterverbreitet hat."

Zwei Schüler hatten sich nach den Herbstferien an ihre Lehrerin gewandt, zudem informierte ein Vater die Polizei. Diese sicherte zunächst auf den zur Verfügung gestellten Handys den Chatverlauf. Darauf fanden sie nicht nur Hakenkreuzbilder und menschenverachtende Sprüche über Gaskammern, sondern auch den antisemitischen Text eines unter Rechtsextremen beliebten Liedes.

"Wir werden sehr energisch dagegen vorgehen"

Die Schule wandte sich in einem Brief mit deutlichen Worten an alle Eltern. "Wir halten das für einen sehr bedenklichen Inhalt und werden da auf jeden Fall sehr energisch gegen vorgehen", sagte der stellvertretende Direktor Markus Zimmermann. Es stünden aber nur wenige Schüler im Fokus der Ermittler - der größere Teil habe sich auch im Chat klar gegen die Äußerungen positioniert.

Zuletzt hatte ein Vorfall auf einer Klassenfahrt zur KZ-Gedenkstätte Buchenwald eine bundesweite Debatte über den Umgang mit menschenfeindlichen Äußerungen von Schülern ausgelöst. Mehrere Schüler sollen nach einem Besuch der Gedenkstätte nahe Weimar Buchenwald im Bus antisemitische Lieder abgespielt und den Text mitgesungen haben.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung forderte daraufhin eine Meldepflicht für Schulen bei solchen Vorfällen. Der Fall zeige, wie sich die Verrohung der Gesellschaft auf den Anstieg von Antisemitismus auswirken könne, sagte Felix Klein der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Klein begrüßte den Schritt der betroffenen Schule aus dem hessischen Grünberg, den Vorfall der Polizei zu melden. "Herabwürdigung und Beleidigung von Juden werden in Deutschland nicht geduldet - ich wünsche mir, dass die Jugendlichen diese Lektion aus der konsequenten Reaktion der Schule gelernt haben."

mxw/dpa

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