Greta Thunberg an den US-Kongress "Ihr tut nicht genug. Sorry"

Mit deutlichen Worten hat sich Klimaaktivistin Greta Thunberg an US-Spitzenpolitiker gewandt: Diese sollten sich ihr Lob doch bitte sparen - und stattdessen lieber auf die Warnungen der Wissenschaftler hören.
Greta Thunberg In Washington: "Wir wollen nicht gehört werden. Wir wollen, dass die Wissenschaft gehört wird"

Greta Thunberg In Washington: "Wir wollen nicht gehört werden. Wir wollen, dass die Wissenschaft gehört wird"

Foto: Mark Wilson/ AFP

Greta Thunberg hat den Atlantik mit dem Segelboot überquert, vor dem Weißen Haus demonstriert und einen Preis von Amnesty International erhalten. Nun ist die junge Schwedin zusammen mit anderen Klimakämpfern im US-Senat eingeladen gewesen. In dem Treffen mit dem Klimaausschuss des Hauses blieb sie laut einem Bericht des "Guardian"  höflich im Ton - wurde in ihren Formulierungen jedoch eindeutig.

Nachdem einige Abgeordnete von den weltweiten Erfolgen der "Fridays for Future"-Bewegung schwärmten, entgegnete Thunberg demnach: "Bitte behalten Sie Ihr Lob für sich. Wir wollen es nicht." Es ergebe keinen Sinn, junge Menschen einzuladen und ihnen zu sagen, wie inspirierend sie doch seien. Stattdessen hatte sie mit Blick auf die Klimakrise einen anderen Tipp für die Berufspolitiker parat.

"Wenn Sie einen Rat wollen: Laden Sie Wissenschaftler ein und fragen Sie die nach ihrer Einschätzung. Wir wollen nicht gehört werden. Wir wollen, dass die Wissenschaft gehört wird", so Thunberg.

In einer Bemerkung, die ausdrücklich nicht nur an den Senat, sondern an den kompletten US-Kongress gerichtet sein sollte, sagte die 16-Jährige weiter: "Ich weiß, dass ihr es versucht. Aber ihr tut nicht genug. Sorry."

Demo vor dem Weißen Haus - und dann der globale Klimastreik

Thunberg selbst war am Vortag stellvertretend für "Fridays for Future" von Amnesty International ausgezeichnet worden. Mit dem sogenannten Ambassador of Conscience Award ("Botschafter des Gewissens"- Preis), ehrt Amnesty Künstler und andere Persönlichkeiten, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte einsetzen. Der Preis wird seit 2003 vergeben.

Im Video: Wichtiger Preis für Aktivistin aus Schweden

SPIEGEL ONLINE

Thunberg hat ihren Protest in alle Welt getragen und ist vor etwas mehr als zwei Wochen in den USA angekommen. Ihre Reise trat sie so umweltfreundlich wie medientauglich per Hochseejacht an.

Am vergangenen Freitag forderte sie vor dem Weißen Haus mit mehreren Hundert Kindern und Jugendlichen mehr Klimaschutz. Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump, der sich nicht unbedingt als Klimakämpfer hervortut, hatte die Schwedin bereits im Vorfeld ausgeschlossen. Am Freitag will sie in New York am globalen Klimastreik der Bewegung "Fridays for Future" teilnehmen.

jok