Greta Thunberg "Anders zu sein, ist eine Superkraft"

Die junge Schwedin Greta Thunberg hat Menschen weltweit für den Klimaschutz mobilisiert. Nun wird sie verehrt - und gehasst. Auf Facebook postete sie eine Botschaft an die, die sie anfeinden.

Greta Thunberg an Bord der "Malizia II" auf dem Atlantik
GRETA THUNBERG MEDIA HANDOUT/ EPA-EFE/ REX

Greta Thunberg an Bord der "Malizia II" auf dem Atlantik


Greta Thunberg geht recht offen damit um, dass sie das Asperger-Syndrom hat, eine milde Form des Autismus. In einem Interview mit dem SPIEGEL sagte sie, dass sie ohne diese Diagnose ihren Streik für mehr Klimaschutz vielleicht nie angefangen hätte. Inzwischen steht sie an der Spitze einer weltweiten Bewegung.

Doch die öffentliche Aufmerksamkeit hat auch dazu geführt, dass die 16-Jährige - häufig im Internet - beschimpft wird. Brandenburgs AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz etwa hatte sie als "zopfgesichtiges Mondgesicht-Mädchen" bezeichnet.

Oft schießen sich ihre Gegner, die dem Klimaschutz nichts abgewinnen können, auf Greta Thunbergs Diagnose ein, um sie persönlich zu beleidigen. An sie richtete sich die junge Aktivistin nun mit einer Botschaft in den sozialen Netzwerken.

"Ich habe Asperger, und das bedeutet, dass ich manchmal ein wenig anders bin als die Norm", schrieb sie auf Facebook. "Doch unter den richtigen Umständen ist es eine Superkraft, anders zu sein."

"Wenn Hasser dich wegen deines Aussehens und deines Andersseins angreifen, bedeutet das, dass ihnen sonst nichts mehr bleibt. Und dann weißt du, dass du gewinnst!", schrieb Thunberg weiter.

Asperger ist eine Entwicklungsstörung, die unter anderem Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion und die Ausbildung intensiver Spezialinteressen mit sich bringen kann.

Früher habe ihre Diagnose sie eingeschränkt, erinnert sich Thunberg auf Facebook. Vor ihrem Schulstreik habe sie keine Energie und keine Freunde gehabt und mit kaum jemandem gesprochen. "Ich saß allein zu Hause, mit einer Essstörung." Doch diese Zeit sei jetzt vorbei. "Ich habe einen Sinn in einer Welt gefunden, die so vielen Menschen manchmal sinnlos erscheint."

Ein Jahr ist es her, dass die damals komplett unbekannte 15-Jährige sich mit einem Protestschild vor das Parlament in Stockholm setzte und zum "Schulstreik fürs Klima" aufrief. Seither hat sie erlebt, was die Kraft eines einzelnen Mädchens ausrichten kann.

lov/dpa

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Seite 1
antelatis 01.09.2019
1.
"Ein Jahr ist es her, dass die damals komplett unbekannte 15-Jährige sich mit einem Protestschild vor das Parlament in Stockholm setzte und zum "Schulstreik fürs Klima" aufrief. Seither hat sie erlebt, was die Kraft eines einzelnen Mädchens ausrichten kann." Sie hat erlebt, dass man gar nichts ausrichten kann, denn es ist seitdem nichts passiert, im Gegenteil, es ist eher schlimmer geworden.
salomohn 01.09.2019
2. Mitleid mit den Hassern
Wir sollten nicht zu hart über die Menschen urteilen, die Greta anfeinden. Sie sind wohl auch oft allein und ohne Freunde. Einen davon kenne ich. Den hasst sogar seine Familie, er weiss es nicht.
hans-rai 01.09.2019
3. Zuviel professionelle PR, zu wenig Fakten...
...aber "Hass" ihr entgegenzubringen ist nicht akzeptabel. Sie hat niemand etwas getan. Ihr Umweltanliegen hat jedenfalls bewirkt, dass sich auch unsere Jugend mit dem Thema auseinandersetzt. Dass ihre mediale Publizität so voll durchgeschlagen hat, ist mehr als erstaunlich. PR-Auswüchse wie der Segeltörn nach USA - na ja, da kann man geteilter Meinung sein. Ich vermisse Fakten, die sich den jungen Leuten auch wirklich erschließen und Hinweise geben, wie sich ihr Leben zukünftig umweltbewusster gestalten lässt.
Lagombra 01.09.2019
4. Wohlfeiles greenwashing
Deutschland, uneingeschränkter Weltmeister im Angsthaben und Betroffensein, klickt like-Schaltflächen im Internet, bis die Mäuse krachen oder der Zeigefinger schmerzt, demonstriert sich wohlige Kümmergefühle herbei - und ist im ersten Halbjahr 4.8% mehr geflogen, hat 3.7% mehr Fleisch gegessen und hat 7% mehr Dieselfahrzeuge gekauft. Während man sich also seinem Weltschmerz und Besorgnis hingibt, schreitet die Übernahme der Diskurse durch proto-Diktatoren, durch abholzende Bolsonaros und Dutertes, durch ölbohrende quasi-Idioten wie Trump, und osteuropäische Oligarchen- und Kleptokratencliquen fort. Greta Thunberg hat, außer spitzenmäßigem Marketing, dank des familiären Hintergrunds, wie die vielen zum systemischem Denken nicht fähigen jugendlichen und berufsjugendlichen Romantiker, weder die richtigen Fragen, geschweige denn Antworten, im Angebot.
theuwe 01.09.2019
5. Verändert hat sie wenig
Daß Greta "anders" ist und nicht "normal" tickt, darin sind sich ihre Anhänger und Gegner wohl einig. Daß sie wirklich zusätzlich Menschen motiviert hat, ist indessen nur Speklulation. Ich denke eher, dass Leute, die zuvor schon sensibilisiert und bereits Klimaschützer waren hinter sich hat und Klimaskeptiker sie ablehnen. Denn keines ihrer Argumente bringt irgendeine neue Erkenntnis
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