Greta Thunberg beim Klimagipfel "Wir werden euch das nicht durchgehen lassen"

"Ihr habt meine Träume und meine Kindheit gestohlen!" Mit harschen Worten hat sich Klimaaktivistin Greta Thunberg in New York an 60 Staats- und Regierungschefs gewandt. Zuvor hatte sie sich mit Kanzlerin Merkel getroffen.


Die schwedische Schülerin Greta Thunberg hat die Staats- und Regierungschefs der Welt mit einem eindringlichen Appell zu mehr Engagement beim Klimaschutz aufgefordert. "Ihr habt meine Träume und meine Kindheit gestohlen mit euren leeren Worten", sagte Thunberg auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York mit Tränen in den Augen. "Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum."

Die wissenschaftlichen Vorhersagen zum Klimawandel seien seit Jahrzehnten mehr als deutlich, sagte die 16-Jährige weiter. "Wie könnt ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weitermacht wie vorher - und mit ein paar technischen Lösungsansätzen? Ihr seid immer noch nicht reif genug zu sagen, wie es wirklich ist. Ihr lasst uns im Stich. Alle kommenden Generationen haben euch im Blick, und wenn ihr euch dazu entscheidet, uns im Stich zu lassen, dann entscheide ich mich zu sagen: Wir werden euch nie vergeben! Wir werden euch das nicht durchgehen lassen!"

An dem Klimagipfel nehmen rund 60 Staats- und Regierungschefs teil, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte ein Foto, das Thunberg und Merkel zeigt, wie sie sich vor Beginn der Reden trafen.

Thunberg und 15 weitere Jugendliche aus verschiedenen Ländern reichten bei der Uno auch eine Menschenrechtsbeschwerde zum Klimawandel ein. Die Mädchen und Jungen im Alter zwischen 8 und 17 Jahren richteten ihre Beschwerde an den Uno-Kinderrechtsausschuss, wie das Kinderhilfswerk Unicef mitteilte. Sie werfen den Staaten demnach vor, zu wenig gegen den Klimawandel zu tun und damit gegen die weltweit gültigen Kinderrechte zu verstoßen.

Dem Uno-Ausschuss für die Rechte des Kindes gehören 18 Kinderrechtsexperten an. Sie werden nun darüber befinden müssen, ob sie die Beschwerde annehmen - und dann Stellungnahmen der betreffenden Regierungen einholen. Es handle sich um den bisher prominentesten Fall, in dem Kinder diese Beschwerdemöglichkeit an höchster Stelle nutzten, teilte Unicef mit.

Am Freitag hatten weltweit Millionen Menschen bei Streiks, Versammlungen und Protestzügen verstärkte Anstrengungen gegen die Erderwärmung gefordert. Am Samstag hatte Greta Thunberg auf dem Uno-Jugendgipfel eine Rede gehalten. Er fand zum ersten Mal statt und gilt als Zeichen, dass die Vereinten Nationen die Bedeutung der von Thunberg entfachten weltweiten Bewegung für mehr Klimaschutz anerkennen.

lov/AFP/dpa

insgesamt 730 Beiträge
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ohnefilter 23.09.2019
1. So ist's richtig!
Greta zeigt es den etablierten Poltiker*innen. Sie lässt sich nicht vereinnahmen und setzt die Verantwortlichen unter Druck, bis alle ihr folgen. Amerika wird beeindruckt sein von dieser entschlossenen Europäerin.
realist12345 23.09.2019
2. Sie hat Recht
... und ich schäme mich, dass meine Generation es nicht schon vehement eingefordert hat zum Wohle unserer Kinder.
marccuse 23.09.2019
3. Es eskaliert sinnvoll
Für alle, die die Klimakrise leugnen oder verharmlosen, für Zyniker und Trolle: Diese Rede von Greta ist fundiert und die Demos vom 21.9. und davor, wo Millionen Menschen aller Generationen weltweit teilnahmen waren in aller Regel überzeugend, intelligent, kreativ, sozial, voller Liebe und Sinn. Die Teilnehmenden kamen wieder stellvertretend für alle diejenigen zig Millionen, die gern teilgenommen hätten, aber arbeiten mussten, in Urlaub sind, die Strecke nicht schaffen, den Anreiseweg nicht zahlen können, in ihrer eigenen Region auftreten, sich von Zynikern und Demokratiefeinden abhalten lassen, nicht mehr an das System der Herrschenden glauben und sich aus Millionen weiterer triftiger Gründe gern und respektvoll vertreten lassen. Die Sympathien der Mehrheit gelten eindeutig den Aktivisten! Und jedeR der hier rumnörgeln oder oberlehrerhaft Noten verteilen möchte, frage sich selbst, "was trage ich konkret zum Klimaschutz bei?"
M. Michaelis 23.09.2019
4. Hysterisch, Populistisch, Überheblich...
Langsam geht mir Frau Thunbergs Attitüde nur noch auf die Nerven. Wenn die Politik sich ernsthaft davon treiben lässt wird das Ganze in einem Desaster sondergleichen enden. Aber nicht wegen des Klimas sondern wegen Anpassungverweigerung und den Kollateralschäden der Klimaschutzpolitik.
Equalizer 23.09.2019
5. Die Ähnlichkeit zu Trump ist frappierend
Das kommt also raus, wenn man eine Generation von wohlbehüteten Helikopter-Akademiker-Kindern ohne echte Existenzängste großzieht. In den 80igern gab es neben "Sauren-Regen" und "Ozonloch" auch noch eine konkrete Bedrohung durch einen weltweiten thermonuklearen Krieg. Man war permanent 30min vom Ende der Welt entfernt. Ich vermute, mit so einer existenziellen Kriese könnte die gar nicht mehr umgehen. Natürlich ist die Erderwärmung ein Problem. Darum geht es ja gar nicht. Es geht um die Radikalität der Forderungen die genau wie Pegida auf Hysterie basieren. Man muss wohl sagen, FFF wäre ohne Pegida gar nicht denkbar. Noch mal, eine 16 Jährige mit Asperger-Syndrom ist ähnlich vernünftig wie ein 74-jähriger-Egomane.
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