Großbritannien Mutter nimmt Sohn wegen Fortnite-WM aus der Schule

Damit ihr Sohn sich auf die Fortnite-WM vorbereiten kann, meldet seine Mutter ihn von der Schule ab. Zumindest finanziell dürfte sich die Entscheidung für den jungen Briten lohnen.

Fortnite-Turnier 2018 in Los Angeles
Markus Böhm

Fortnite-Turnier 2018 in Los Angeles

Von Lara Jäkel


Sitzt der Nachwuchs zu lange vor der Spielekonsole, sorgt das bei vielen Eltern für Unmut. Anders bei Anne Howard: Damit sich ihr Sohn Benjy besser auf seine Computerspielkarriere konzentrieren kann, nahm sie ihn sogar aus der Schule. "So eine Chance bekommt er nur einmal im Leben", sagt seine Mutter.

Der 15-jährige Brite hatte sich für die Weltmeisterschaft im Survival-Spiel Fortnite Ende Juli in New York qualifiziert. Das anstrengende Training und die Wettkämpfe, die oft bis spät in die Nacht dauerten, seien mit einem normalen Schulalltag einfach nicht zu vereinbaren, schrieb Howard in einer E-Mail an den SPIEGEL.

Da in Großbritannien bis zum 16. Lebensjahr Schulpflicht herrscht, werde Benjy nun zu Hause unterrichtet und seinen Schulabschluss ein Jahr später machen. "Man muss den Moment nutzen, wenn er da ist. Für seine Ausbildung ist danach immer noch Zeit", erklärte seine Mutter.

In Benjys Heimatland Großbritannien hat das Diskussionen ausgelöst: Den ganzen Tag allein ein Spiel zu spielen, sei nicht gesund für einen Jugendlichen, und erst recht kein richtiger Beruf, heißt es in einem Kommentar unter einem Artikel des "Daily Mirror" über den 15-Jährigen. Seine Mutter stört die Kritik wenig: Die Karriere eines E-Sportlers, also eines Computerspieleprofis, sei durchaus mit der eines Fußballers zu vergleichen.

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Benjy trainiere jeden Tag für mehrere Stunden und werde von einem Personal Trainer betreut. "Die Konkurrenz ist groß. Man muss geistig und körperlich fit sein, um auf Weltklasseniveau zu spielen", sagt Howard. Vor allem strategisches Denken und eine schnelle Reaktionszeit seien als E-Sportler wichtig.

E-Sport ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden: Millionen Zuschauer verfolgen die Wettkämpfe, bei denen Computerspieler öffentlich gegeneinander antreten, in Stadien oder im Stream. Im vergangenen Jahr wurde sogar diskutiert, E-Sport als neue Disziplin bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris einzuführen.

Die Preisgelder sind höher als bei den meisten anderen Sportevents: Insgesamt 30 Millionen Dollar gibt es beim Finale der Fortnite-WM zu holen, der Gewinner des Einzelwettbewerbs erhält davon drei Millionen.

Screenshot aus dem Spiel Fortnite
Medienagentur plassma

Screenshot aus dem Spiel Fortnite

Im April 2018 fing Benjy mit dem Survival-Spiel Fortnite an. Knapp ein Jahr später nahm ihn das E-Sports-Team NRG unter Vertrag. In seiner noch kurzen Karriere hat Benjy laut Medienberichten bereits einen fünfstelligen Betrag durch Turniere erspielt, für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft kommen weitere 50.000 Dollar hinzu.

Unter dem Namen "benjyfishy" teilt er seine Spiele auf YouTube oder der Gaming-Plattform Twitch mit mehr als 150.000 Followern. Er liebe die Herausforderung, sagt seine Mutter: "Benjy hat früher Rugby, Cricket und Football gespielt, musste aber wegen gesundheitlicher Probleme an Füßen und Knien damit aufhören. Durch Fortnite kann er nun wieder sportliche Wettkämpfe bestreiten."

Bei der Weltmeisterschaft ist er einer der wenigen Teilnehmer, die sich sowohl für das Einzel- als auch für das Doppelfinale qualifiziert haben. Sollte er das Turnier gewinnen, wolle er von dem Preisgeld ein Haus für seine Familie kaufen, sagt Benjy im Interview mit dem "Daily Mirror".

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Deutsche Welle
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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 11.06.2019
1. sehr gut
wenn der junge eh schon so gut ist und Geld damit verdient ist es kein problem. Ein problem ist es nur fuer ewig gestrige die noch irgendwo im 20 jahrhundert stecken.
joe_ann 11.06.2019
2. lässt sich drüber diskutieren
aber ich hätte wohl genauso gehandelt. Die vielleicht einmalige Chance...und in der Schule wird man eh nur möglichst gut darauf vorbereitet, wie man die nächsten 40 Jahre zufriedenstellend im Hamsterrad funktioniert. Coole Karriere, Daumen hoch!
Lorien of Valinor 11.06.2019
3. Immerhin mehr Beruf....
.... als mancher "Influencer" für "Mode und Lifestyle".... hier geht es um einen Wettkampf, und dieser ist genauso viel oder wenig "sinnvoll" wie z.B. Fußball oder andere Sportarten, denen Jugendliche ihr Leben zur Zielerreichung unterordnen. Bitte die gleichen Maßstäbe ansetzen, vielen Dank!
stephang81 11.06.2019
4. Richtig so!
Seine Mum verhält sich genau richtig! Der Bub ist gut, richtig gut! Gibt Ihm seine Chance, viel Glück in LA. Die ewig gestrigen werden es eh nicht mehr verstehen, aber das Problem wird sich mit der Zeit von selbst lösen.
hileute 11.06.2019
5. Absolut vernünftig
die Chance muss man nutzen. Viel schlimmer ist doch dass man mit sowas überhaupt geld verdienen kann, unverständlich warum da Leute zuschauen wo man das ja auch selbst spielen kann.
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