Groteske Massen-Ausmusterung Willkür statt Wehrpflicht

Von und

5. Teil: Julian stellt sich taub und kommt durch


"Für mich war immer klar: Zum Bund gehe ich nicht, niemals! Ich wollte mir das nicht einmal vorstellen: Im Schlamm liegen, Befehle von schwachsinnigen, kahl geschorenen Vorgesetzen empfangen, mich mit meinen tumben Kameraden auf der Bude stumpfsinnig besaufen.

Nein, darauf hatte ich beim besten Willen keine Lust. Ich habe den Leuten von der Bundeswehr auch sofort gesagt, dass ich ganz bestimmt Zivildienst leisten werde. Hätte ich auch gar nicht so schlecht gefunden, den kann man ja auch im Ausland absolvieren. Warum eigentlich nicht? Ich wollte nach Südamerika, Brasilien oder Chile. Aber noch saß ich in Frankfurt im Kreiswehrersatzamt.

Anders als viele meiner Mitschüler hatte ich mir zuvor keine Atteste von Ärzten besorgt. Ich hatte keine Migräne und auch keine mysteriösen Knieschmerzen. In der Musterung wollte ich mein Glück dann doch versuchen. Beim Hörtest vernahm ich das Geräusch ganz deutlich, aber als mich der Arzt fragte, ob ich etwas höre, sagte ich einfach nein.

Das war gelogen, aber es reichte. Ich wurde für untauglich befunden und ausgemustert. Nach Brasilien bin ich dann trotzdem geflogen - in den Urlaub."

Julian*, 19, Frankfurt

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delta058 29.08.2007
1.
Zitat von sysopImmer mehr Wehrdienstpflichtige werden derzeit aus teils unverständlichen Gründen ausgemustert. Von Wehrgerechtigkeit kann oft kaum noch gesprochen werden. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Tja, mein Bruder wurde als T1 gemustert und am Tag meiner Vereidigung wurde er arbeitslos und blieb es für die nächsten 9 Monate (mit kleinen Unterbrechungen). Es wundert mich bis heute warum der nie eingezogen wurde, ich meine wie oft hat man schon einen T1?
San Juan, 30.08.2007
2. Politik
Bei allem, wo Politiker ihre Dreckspfoten reinstecken, kann nur noch Dreck rauskommen. Warum sollte es bei der Wehrgerechtigkeit anders sein. Es gibt genügend Juristen in der Politik. Da wird man doch eine Vergewaltigung schon mal eine Wohltat nenen dürfen.
ax0l0tl 30.08.2007
3.
Fuer maennliche Studenten, die ihr Studium vor Einfuehrung der Studiengebuehren begonnen haben und Wehrpflicht oder Ersatzdienst, also einen Dienst zum Wohle der Allgemeinheit, getaetigt haben ist die Tatsache, dass Gleichaltrige nicht zum "Bund" mussten, sprich ein Jahr laenger umsonst studieren konnten, ein Schlag ins gesicht.
teuton1c 30.08.2007
4. Da wundert sich einer?
Es ist doch völlig logisch, dass die Bundeswehr, die ohnehin chronisch unterfinanziert ist, zusieht, dass sie sich keine vorbelasteten Halbinvaliden holt. Kann sich hier überhaupt jemand vorstellen, wie Bundeswehrärzte, Zahnärzte etc. von Wehrpflichtigen belagert werden, die noch schnell einen kostenlosen Zahnersatz brauchen? Oder von Rekruten, die sich am Wochenende beim Fußball die Knochen kaputt treten lassen und dann montags freudestrahlend im Bundeswehrkrankenhaus sitzen? Ich kann dieses ganze gemeckere nicht nachvollziehen. Ich wollte den Grundwehrdienst als unverbindliche Probezeit nutzen, um herauszufinden, ob ich die Offizierlaufbahn einschlagen will. Ich bin während meiner Ausbildung T1 gemustert worden, weil ich gesagt hab 'nein, nein, gegen den Heuschnupfen brauch ich keine Medikamente, so wild ist das nicht' und dann hab ich mich bis zum Ende der Ausbildung zurückstellen lassen. Mit bestandener Prüfung habe ich mich beim KWE gemeldet und konnte mir einen Ort zum Dienst und die damit verbundene Tätigkeit AUSSUCHEN! Ich bin als Informatikkaufmann mit offenen Armen empfangen worden! Da geblieben bin ich zwar doch nicht, aber das hatte nichts mit den Strukturen der Bundeswehr zu tun. Ich wüsste nicht worüber man sich in dieser ganzen Angelegenheit beschweren sollte. Ich kann ganz gut verstehen, dass die BW sich geeignete GWDL rauspickt, von denen sie profitiert und wo sie nicht nur Geld hinterherschmeißt. KNT
SHODAN_NET, 30.08.2007
5.
Vor paar Jahren wurde ich auf T2 gemustert. Gab auch noch T7er. Aber was heute praktiziert wird, ist ja doof. Dann sollte man die Wehrplficht gleich abschaffen und einen sozialen Dienst für Frauen und Männern einführen. Die bestehende Regelung diskriminiert Männer ohnehin!
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