Erst- bis Sechstklässler Wo Kinder gern zur Schule gehen - und warum

Was Schüler leisten, wird oft vermessen - sie selbst kommen aber selten zu Wort. Eine Studie hat nun untersucht, wie zufrieden Kinder mit ihrer Schule sind. Ein Ergebnis: Mit Mängeln gehen sie gelassener um als Eltern.
Grundschüler in der Pause: 90 Prozent der Schüler in Thüringen gehen gern zur Schule

Grundschüler in der Pause: 90 Prozent der Schüler in Thüringen gehen gern zur Schule

Foto: Robert Schlesinger/ DPA

Kinder in Deutschland gehen meistens gern zur Schule. Allerdings nimmt ihre Begeisterung im Laufe der Schulzeit ab, wie eine repräsentative Befragung im Auftrag des Kinderkanals Kika ergeben hat.

Während Erst- und Zweitklässler noch zu rund 90 Prozent sagen, dass sie zufrieden sind, sinken die Zustimmungswerte bei Fünft- und Sechstklässlern auf 73 Prozent. Betrachtet man alle sechs Klassenstufen zusammen, gehen acht von zehn Kindern gern oder sehr gern zur Schule. Tendenziell geben das Mädchen etwas häufiger an als Jungen.

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Die zufriedensten Schüler gibt es demnach in Thüringen. Hier mögen neun von zehn Kindern die Schule und den Unterricht. Im Nachbarland Sachsen-Anhalt sowie in Rheinland-Pfalz gibt es die meisten jungen Kritiker. Hier gehen durchschnittlich nur sieben von zehn Befragten gern oder sehr gern zur Schule.

Am besten gefällt den Kindern, dass sie in der Schule Freunde treffen und in die Pause gehen können. Klassenlehrer stehen bei den Kindern ebenfalls hoch im Kurs. Auch die Aussicht, am Unterricht teilzunehmen, freut die große Mehrheit der Erst- bis Sechstklässler. Hausaufgaben und Leistungskontrollen rufen hingegen nur bei knapp drei von zehn Kindern Vorfreude hervor.

Schulkinder in Deutschland würden allerdings gern später mit der erste Stunde starten. Sie wünschen sich der Umfrage zufolge im Schnitt einen Schulbeginn um 8.40 Uhr. Die Interviewer hatten gefragt: "Wann hättest du den Beginn der ersten Stunde am liebsten?" Fast alle Kinder gaben als Antwort eine konkrete Uhrzeit an, zumeist lagen die Angaben zwischen 8.30 und 8.50 Uhr.

Das Votum der Kinder deckt sich mit Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, die für einen späteren Schulstart plädiert. Bereits eine halbe Stunde weniger Schlaf könne die Leistungsfähigkeit in der Schule um 30 Prozent reduzieren. In Deutschland beginnt die Schule meistens um acht Uhr. Das ist früher als in vielen Nachbarländern, die oft erst ab halb neun starten.

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Bei Vorschlägen, was an ihrer Schule verbesserungswürdig wäre, nennen 30 Prozent der befragten Kinder bei offener Antwortmöglichkeit den Pausenhof. Auf Platz zwei des Rankings steht "Nichts", gefolgt von den Räumen und den Toiletten.

Beim Essen, der Technik oder der Sauberkeit sehen hingegen nur ganz wenige Kinder Verbesserungsbedarf. Dabei sind das die Themen, die die Gemüter und die Politik oftmals umtreiben. Viele Menschen haben gruselige Erinnerungen an die Toiletten ihrer Schulzeit, das Thema war sogar im letzten Bundestagswahlkampf präsent.

Über das Essen an Schulen macht sich regelmäßig die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Kopf - und übt meist Kritik. Und die Digitalisierung und der Digitalpakt trieben die Bildungspolitik zuletzt um wie kaum ein anderes Thema. Die jungen Schüler, so scheint es, sind hier deutlich gelassener.

Die Technik wäre in den meisten Bundesländern allerdings noch ausbaufähig, wie ebenfalls aus der Befragung hervorgeht.

  • Computer oder Laptops werden nach Aussage der Kinder bei 56 Prozent im Unterricht mindestens manchmal genutzt. In den ersten beiden Klassen sind das 27 Prozent, während dies mehr als 90 Prozent der Fünft- und Sechstklässler angeben.
  • 22 Prozent der Kinder stimmen der Aussage zu, dass es eher zu wenige Computer oder Laptops für alle Schüler gibt. Fast ein Drittel meint hingegen, es gäbe "ausreichend viele".
  • Zu Hause nutzt ab der dritten Klasse mehr als jedes zweite Kind das Internet für Hausaufgaben, Referate und Lernen, unabhängig vom Geschlecht.
  • Interaktive Tafeln, sogenannte Whiteboards, sind bei 42 Prozent der befragten Schüler zumindest in einigen Schulräumen vorhanden. Die Ausstattung damit ist in Thüringen, Brandenburg und Berlin am besten.

Über die Qualität des Unterrichts sagen die Kennziffern nichts aus. Didaktiker sagen, ein Gerät pro Schüler muss nicht sein und die Technik könne fehlende pädagogische Konzepte nicht ausgleichen. Manch Lehrer wünscht sich zudem die Kreidetafel zurück.

Ihr Handy darf nur eine Minderheit der Befragten in der Schule nutzen: An über zwei Dritteln der Schulen gibt es laut den Erst- bis Sechstklässlern ein Handyverbot. Dürften die Kinder darüber bestimmen, würde die Mehrheit der Befragten das Handy für die Pause und für Ausflüge erlauben.

Die Mitbestimmung bei den Handyregeln ist den älteren Schülern mit 85 Prozent wichtiger als den Erst- und Zweitklässlern, von denen 60 Prozent bei der Handynutzung mitsprechen wollen. Am wichtigsten ist den Kindern, bei der Klassensprecherwahl mitzuentscheiden. 65 Prozent würden zudem gern auf die Gestaltung des Unterrichts Einfluss haben.

Die Leistung von Grundschülern wird oft statistisch erfasst, etwa im IQB-Bildungstrendoder dem Iglu-Vergleichstest. Die Möglichkeit, ihre Meinung zu sagen und so Einfluss zu nehmen, haben Schulkinder hingegen kaum. Zumindest der OECD-Bildungsbericht aus dem Vorjahr hat in diesem Bereich nachgelegt: Erstmals wurde untersucht, ob sich Kinder und Jugendliche an ihrer Schule integriert fühlen und wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind.

Mit Material von dpa
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