Saarland Schülervertreter lehnen Rückkehr zu G9 ab

Saarlands Schüler wünschen sich ein bisschen Frieden - und wehren sich deswegen gegen eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Schließlich würden Thüringen und Sachsen zeigen: Das Turbo-Abitur sei gut und praktikabel.

G8 oder G9 (Archiv): Im Saarland wollen Schülervertreter nicht zum alten System zurück
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G8 oder G9 (Archiv): Im Saarland wollen Schülervertreter nicht zum alten System zurück


Während landesweit Eltern für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium kämpfen, wehren sich Saarlands Schüler dagegen: Es sei nicht erstrebenswert "durch einen Rückgang zu G9 an Gymnasien das ganze System wieder auf den Kopf zu stellen", teilte der Landesschülersprecher Florian Weimann in einer Presseerklärung mit.

In dem Bundesland wirbt die Volksinitiative "G9-jetzt-Saarland" derzeit um Unterstützer. Sie wollen zunächst eine Debatte zum Thema in den Landtag einbringen, dafür benötigen sie nach eigenen Angaben 5000 Unterschriften. Dieser Initiative wolle sich die Schülervertretung nicht anschließen, heißt es in der Pressemitteilung.

Zufrieden ist sie mit ihrem derzeitigen Schulsystem aber nicht: "Klar ist, dass etwas getan werden muss, denn der Status quo ist für alle Seiten nicht befriedigend", sagte Weimann. Die Lehrpläne müssten überarbeitet werden, denn: "Die Verbesserung der Lehrpläne ist ein klügerer Schritt als die komplette Umstrukturierung." Das sei schneller umsetzbar und würde Schüler im Schulalltag eher befriedigen als die Umstellung auf G9. Schließlich würden Sachsen und Thüringen zeigen, dass G8 durchaus gut und praktikabel für Schüler an Gymnasien sein könne.

Saarland hat als erstes westliches Bundesland bereits im Jahr 2001 das achtjährige Gymnasium eingeführt. Wobei Schüler an Gesamt- und Gemeinschaftsschulen auf dem Weg zum Abitur ein Jahr länger Zeit haben.

In etlichen Bundesländern streiten sich Eltern, Lehrer, Bildungspolitiker über die Schulzeit, viele überlegen, zu G9 zurückzukehren, teilweise ist die Rolle rückwärts schon beschlossen, in Niedersachsen beispielsweise. Ab dem Schuljahr 2015 sollen Gymnasien beide Wege zum Abitur anbieten, wobei das Abitur nach acht Jahren die Regel sein soll. Andernorts waren die G8-Gegner zuletzt weniger erfolgreich: So scheiterte im Herbst in Hamburg ein Volksbegehren, das die Gymnasialzeit wieder verlängern wollte.

Dauer der Gymnasialzeit: Acht Jahre? Neun Jahre? Oder beides?

Stand: Juni 2016

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fln

insgesamt 59 Beiträge
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msdelphin 12.12.2014
1. Hochachtung vor dieser Schülervertretung!
Diese Schülervertretung verdient höchsten Respekt. Sie haben geschafft, was die Schulexperten und Eltern nicht geschafft haben: Ein klares Bekenntnis zu einer Zielrichtung und das mit einfachen aber gravierenden Argumenten: 1. Klare Zieldefinition ohne herumgeeiere zwischen Möglichkeiten ("Wir wollen G8 und keine Rückkehr zu G9"). 2. Hinweis darauf, dass das G8 in Thürignen und Sachsen ohne Probleme läuft. Es stimmt, dass die Probleme mit dem G8 nur in Westdeutschland auftreten. Die Gründe haben die Schüler auch genannt: Unfähigkeit der Bildungsministerien den Schulstoff entsprechend zu entrümpeln und so anzupassen, dass das für das spätere Leben wichtigste in 8 Jahren erfolgreich unterrichtet werden kann (inklusive Kunst und Musik). Wie unfähig und stur die Bildungsministerien sind zeigt sich auch darin, dass sie zu arrogant sind mal bei ihren Kollegen in Thüringen und Sachsen nachzufragen, wie sie ihr G8 regeln und mit welchen Mitteln. Ich bin ganz stark dafür, dass Bildung nicht mehr Landessache sondern einheitlich auf die Bundesebene gehört.
neelakshi 12.12.2014
2. Alle Bundesschüler/Eltern gegen G8 sollen an dieser Schülervertetung Beispiel nehmen
Endlich melden sich die Schüler selbst gegen Wiedereinführung der G9. Das finde ich toll. Die Elternverbände in Deutschland leben hinter dem Wald. Die Deutschen haben damals zu meiner Ära (ohne Regelstudienzeit) studiert bis in alle Ewigkeit. Die Hochschulreife war mit 13 Schuljahren um mindestens 1 Jahr zu lang im internationalen Vergleich. Das sollte sich alles ändern, um dieses bildungslahme Land wieder flott zu machen im Konkurrenzkampf mit anderen. Die Eltern heute lamentieren über den enormen Stress ihrer Kinder durch G8. Das ist eine Heuchelei. Sind diese Eltern blind darüber, wie viel Zeit ihre Kids im sozialen Netzwerk, mit I-Phone, WhatsAp etc. etc. vergeuden? Weil das alles für sie als Eltern nicht kontrollierbar bzw. lösbar ist, ziehen sie über G8 her, die Bildungspolitiker sollen es wieder richten. Über diese Debatte in Deutschland lacht die ganze Welt, von Neuseeland über Indien, China und Skandinavien bis hin zu Amerika. Schon nach der Wiedervereinigung sollte man in der BRD G8 einführen à la DDR, das wurde versäumt, natürlich, es wäre peinlich für die Westler, von den Kommunisten sogar Bildungsmodelle abzukupfern. Zum Schluss noch einmal große Anerkennung und Lob für diese pragmatische, zukunftsorientierte Schülervertretung. Weiter so!!!
Mondaugen 12.12.2014
3. Klare Kante
Was viele Bildungspolitiker aus Angst vor populistischem Gedöns nicht schaffen, legen diese Schülervertreter offen: G 8 ist machbar und sinnvoll. Qualität des Unterrichts, nicht die Quantität eines in Teilen sinnentleerten Lehrstoffs sind gefragt. Wer sich in der Schule so wohl fühlt, dass er/sie 13 jahre bleiben möchte, kann ja noch eine "Ehrenrunde" einlegen.
gustavsche 12.12.2014
4. Find ich gut.
Dieses blöde Gejammere der Eltern, die Kinder hätten keine Freizeit mehr wegen G9. Also ich habe es schon auf dem Gymnasium nicht geglaubt. Meine Mutter kam vom Elterntreffen zurück und erzählte, die anderen Eltern sagten, ihre Kinder hätten zu viel Stress und würden bis 18 Uhr lernen und es bliebe keine Zeit für anderes. Habe ich nie verstanden, ganz ehrlich. Das war vor 20 Jahren.
tizian 12.12.2014
5. Lustig
Ich wollt ja nachsehen, ob hier jemand schon eine parteipolitische Karriere vorbereiten will, wurde nicht fündig, konnte mir ein Lächeln aber nicht verkneifen bei: http://www.schuelervertretung-saarland.de/index.php/2-uncategorised/56-florian-weimann-ist-neuer-landesschuelersprecher-des-saarlandes "Am Mittwoch, den 12. September verkündete der bisherige Landesschülersprecher Jannik Weis seinen Rücktritt vom Vorsitz der Gesamtlandesschülervertretung des Saarlandes (GLSV). Auf Grund der großen zeitlichen Belastung durch sein anstehendes Abitur sah er sich nicht mehr in der Lage das Amt auszuüben. Jannik Weis setzte sich seit Januar 2013 mit großem Einsatz für die Belange der Schülerinnen und Schüler ein." Und wenn ich jemanden frage, ob er etwas acht oder neun Jahre machen wolle, soll ich da wirklich raten, was geantwortet wird? Cui bono, Herr Weimann, das ist eine Frage, die man sich immer stellen sollte, denn sie zeigt, wessen Interessen man hier gerade verteidigt. G8 entlastet die Landeskassen, G8 nutzt der Wirtschaft, weil Leute früher anfangen zu arbeiten. An Schüler wie Sie wurde nie gedacht. Ihnen wird ein Jahr genommen, in dem Sie lernen können, reifen können, das geht später nicht mehr in so einem Setting. Und dieses Jahr mehr ermöglichte Mitschülern früher wie Herrn Weis nicht wegen des Abiturstresses zurücktreten zu müssen. Aber wer weiss, wenn Sie durch Bologna gejagt, und fachlich fertig, menschlich unfertig auf die Menschheit losgelassen werden (das hört sich despiktierlich an, ist aber mehr mit Hoffnung auf späte Einsicht verbunden), verstehen Sie vielleicht, was ich meine...
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