Ärger um Schulschließungen Hamburger bitten Papst um Hilfe

Die katholische Kirche will in Hamburg acht Schulen schließen. Wie das Erzbistum dabei vorgeht, hat viele Gläubige im Norden erschüttert. Nun wenden sie sich an den Papst.
Eltern und Kinder demonstrieren in Hamburg gegen die Schulschließungen

Eltern und Kinder demonstrieren in Hamburg gegen die Schulschließungen

Foto: Axel Heimken/ picture alliance / Axel Heimken/

Es kommt nicht oft vor, dass Christen den Papst einschalten, weil sie ihre Konflikte nicht alleine lösen können. Doch in Hamburg ist es so weit. Dort sammeln frustrierte Katholiken derzeit Unterschriften für eine Petition , die sie dem Oberhaupt ihrer Kirche in Rom überbringen wollen.

Sie bitten darin den Papst um "Hilfe, Unterstützung und Vermittlung". Denn seit gut drei Wochen liegen die Nerven im Erzbistum Hamburg blank. Mitte Januar hatte die Bistumsleitung verkündet, aus finanziellen Gründen bis zu acht der 21 katholischen Schulen in Hamburg schließen zu müssen.

Die Nachricht überrumpelte Schüler, Eltern und Lehrer, die seither dagegen mobil machen. Eine Initiative  organisiert regelmäßig Andachten und Märsche. Die Leiter der 21 katholischen Schulen haben einen scharfen Protestbrief ans Erzbistum geschickt. Und prominente Hamburger sammeln Geld, um eine Genossenschaft  zu gründen, die alle Schulen übernehmen soll.

Der offene Brief an den Papst, der in den Gemeinden kursiert und seit Sonntagabend auch online steht, fasst den Ärger zusammen. "In den vergangenen Wochen wurde leider viel Vertrauen seitens der Bistumsleitung gegenüber den Gläubigen zerstört", steht darin.

Die Verfasser kritisieren, dass die Schulen aus rein wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden sollen. Das Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, auf dem die Entscheidung basiert, werde aber nicht offengelegt. "Auf diese Weise wird leider nur weiter Misstrauen geschürt", heißt es in dem Brief.

Er wurde bis zum Montagabend mehr als 600 Mal unterschrieben. Außerdem seien in den Gemeinden allein am Samstag mehr als hundert Unterschriften zusammengekommen, sagte Mitinitiator Pascal Landahl dem SPIEGEL.

Pascal Landahl

Pascal Landahl

Foto: Privat

Der 20-jährige Theologiestudent hat sein Abitur an einer katholischen Schule in Hamburg gemacht und den Brief gemeinsam mit einer weiteren ehemaligen Schülerin und einem betroffenen Vater formuliert. "Wir wollen unseren Bischof und Generalvikar damit nicht bloßstellen", sagte Landahl. Doch es sei auch wichtig, den öffentlichen Druck zu erhöhen, um gegen die Schulschließungen vorzugehen.

Das Erzbistum argumentiert, dass sich an allen 21 Schulen ein Investitionsbedarf von 165 Millionen Euro aufgestaut habe - und dass der Haushalt zugleich mit 79 Millionen Euro überschuldet sei. "Es ist eine richtige Katastrophe, in die wir da gerutscht sind", sagte Generalvikar Ansgar Thim vergangene Woche vor dem Sozialausschuss in Hamburg-Harburg.

Unter anderem belasten hohe Rückstellungen für die Altersvorsorge der Kirchenbeamten die Bilanz. Lediglich 13 Schulen sollen deshalb weitergeführt werden. Drei Schulen könnten nur überleben, wenn das Bistum 50 Millionen Euro von Investoren oder Partnern erhalte. Fünf Schulen schließen auf jeden Fall.

Domschule St. Marien: von der Schließung bedroht

Domschule St. Marien: von der Schließung bedroht

Foto: Axel Heimken/ picture alliance / Axel Heimken/

Eine davon ist die Sophienschule im Stadtteil Barmbek, auf die auch Pascal Landahl ging. "Das Bistum sagt, die Schule bräuchte für neun Millionen Euro eine größere Turnhalle und eine bessere Mensa", sagt er. "Doch wo kommen diese Zahlen her? Die Schule ist gut ausgestattet."

Für großen Ärger sorgt auch, dass wahrscheinlich alle drei katholischen Schulen im sozial schwächeren Hamburger Süden dichtmachen sollen, zumal das einzige Gymnasium dort noch vor einigen Jahren einen millionenteuren Neubau bekam.

Die Verfasser des Briefes pochen auch auf mehr Solidarität zwischen den deutschen Bistümern. Die deutsche Kirche sei "die wohl reichste Kirche der Welt", schreiben sie. Umso größer sei ihre Verantwortung, das Vermögen solidarisch und gerecht einzusetzen.

Mit finanzieller Hilfe aus anderen, teilweise sehr reichen Bistümern kann Hamburg jedoch nicht rechnen. Denn die Angst, dass die rekordhohen Kirchensteuern bald sinken könnten, schmälert die Solidarität.

Wann und wie die Unterschriftenliste übergeben wird, ist noch offen. Ebenso bleibt abzuwarten, ob sie der "Kultur des Dialogs", den sich die Autoren wieder wünschen, förderlich ist. Er habe auch Kritik aus den Gemeinden gehört, dass der Brief den Erzbischof in ein schlechtes Licht rücke, sagt Landahl. "Doch seit jeher wenden sich Katholiken mit ihren Problemen auch an den Papst."

Auf freundliche Worte aus Rom können die Hamburger wohl hoffen. Der Papst beantworte Hilfegesuche üblicherweise mit einem Brief, sagte eine Sprecherin der Apostolischen Nuntiatur, der diplomatischen Vertretung des Vatikans in Berlin. Auch der Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, werde Gespräche mit den Beteiligten suchen.