Nach Modellversuch In Hamburg unterrichten bald auch muslimische und jüdische Lehrer Religion

"Wunderbare Idee für unsere vielfältige Stadt": Bisher waren in Hamburg in der Regel evangelische Lehrer für das Fach Religion zuständig - das soll sich nun ändern.

Religionsstunde in Hamburg: ein Unterricht für alle
Markus Scholz/ DPA

Religionsstunde in Hamburg: ein Unterricht für alle


An den Hamburger Schulen sollen künftig auch Vertreter nicht christlicher Religionsgemeinschaften allen Schülern Religionsunterricht geben. Das teilte Schulsenator Ties Rabe (SPD) mit.

Damit gehe Hamburg einen bundesweit einzigartigen Weg, sagte Rabe. Er sprach von einer "wunderbaren Idee für unsere religiös und kulturell vielfältige Stadt". Bei der Pressekonferenz waren auch Vertreter und Vertreterinnen der evangelischen Nordkirche, der katholischen Kirche, der jüdischen Gemeinde, der alevitischen Gemeinde und der muslimischen Verbände anwesend.

In Hamburg ist der Religionsunterricht nicht nach Konfessionen getrennt. An den staatlichen Schulen gibt es einen Unterricht für alle Religionen und Konfessionen, der bislang von der evangelischen Kirche auf Grundlage eines gemeinschaftlichen Lehrplans erteilt wurde.

Ein Modellversuch unter anderem an einer Schule im Stadtteil Altona, bei dem auch jüdische, alevitische und muslimische Lehrer Religion für alle unterrichteten, sei sehr positiv verlaufen und werde jetzt auf alle Schulen übertragen, sagte Rabe.

An der Universität Hamburg seien entsprechende Studiengänge für angehende Religionslehrer geschaffen worden. In den nächsten Jahren könnten so verstärkt Lehrer mit einer anderen als der christlichen Religionszugehörigkeit eingestellt werden.

Ziel sei, dass das anteilige Verhältnis der Lehrer in ihren unterschiedlichen Glaubenszugehörigkeiten einmal dem der Schüler entspreche, sagte der Fachreferent für Religionsunterricht in der Schulbehörde, Jochen Bauer.

Anders als in anderen Bundesländern soll der Unterricht weiterhin ausschließlich von staatlichen Lehrkräften erteilt werden, die ein vollständiges Studium und ein Referendariat absolviert haben, teilte der Bildungssenat mit. Geistliche und Mitarbeiter der Religionsgemeinschaften blieben ausgeschlossen.

2012 hatte die Hansestadt in Verträgen mit drei muslimischen Verbänden und der alevitischen Gemeinde diese als Religionsgemeinschaft anerkannt. Mit ihnen wurde seitdem das Konzept des Religionsunterrichts für alle weiterentwickelt.

lov/dpa



insgesamt 55 Beiträge
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Frida_Gold 29.11.2019
1.
Richtiger Schritt. Religionsunterricht bzw. Weltanschauungsunterricht ist wichtig, darf aber nicht durch eine bestimmte Religion geprägt sein. Vielmehr sollten Schüler verstehen lernen, wie andere sich in der Welt mit ihren Fragen zurechtfinden. Hoffentlich kommen auch Atheisten zu Wort ... Konfessionsgebundener Unterricht hat im Privaten stattzufinden, die Kirchen machen ja eh Kommunions/Konfirmationsunterricht.
kumi-ori 29.11.2019
2. Warum auch nicht?
Man muss ja auch nicht ein alter Römer oder ein Papst sein, um Lateinlehrer zu werden. Vielmehr würde ich in Frage stellen, dass Staatlicher Religionsunterricht überhaupt in unsere Zeit passt.
Zappa_forever 29.11.2019
3. Gute Frage!
Zitat von kumi-oriMan muss ja auch nicht ein alter Römer oder ein Papst sein, um Lateinlehrer zu werden. Vielmehr würde ich in Frage stellen, dass Staatlicher Religionsunterricht überhaupt in unsere Zeit passt.
...wäre es nicht viel angebrachter für alle verbindlichen, humanistisch geprägten Ethikunterricht anzubieten? Religion sollte Privatsache sein. Wenn ich mir anschaue, was Religion hierzuland wieder für einen Einfluss gewonnen hat, wird's mir mit Blick auf die Geschichte im Magen etwas flau - und dabei denke ich weniger an das Christentum...
mitleser_markus 29.11.2019
4.
Anstatt die zeitgemäße Säkularisierung endlich in die Schulen zu bringen, wird die Vermittlung von mittelalterlichen Weltbildern ausgeweitet. Wie dieser neue Vorstoß der Religiösen zu Toleranz führen sollte, ist mir schleierhaft. Schließlich ist die Intoleranz gegenüber anderen Religionen und Atheisten die Essenz aller monotheistischen Lehren. Ganz tolle Idee. So gehen wir einer modernen, aufgeklärten Zeit entgegen.
tomkey 29.11.2019
5. Religion in staatlichen Schulen?
Unterricht im Fach Ethik sollte eigentlich in der Schule reichen. Ich frage mich, warum Religionsunterricht an einer staatlichen Schule stattfinden soll. Religion ist für Privatsache. Wenn dann sollte Religion von staatlich überprüften Geistlichen gelehrt werden und nicht von irgendwelchen Hasspredigern die meinen, den Kindern und Jugendlichen irgendwelche extreme Auslegungen einer Religion beizubringen.
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