Ärger um Mathe-Abi in Hamburg Schüler können auf bessere Noten hoffen

Zu schwer, zu viel: Nach der Kritik an Hamburger Abiturklausuren in Mathe will die Behörde nun den Bewertungsschlüssel anpassen. Aussicht auf bessere Noten hat allerdings nur ein Teil der Schüler, die sich in Mathe prüfen ließen.

Abiturienten während einer Prüfung (Archiv)
Armin Weigel/ DPA

Abiturienten während einer Prüfung (Archiv)


Die Hamburger Schulbehörde hat bestätigt, dass einige Abiturklausuren im Fach Mathematik in diesem Jahr zu schwer waren. Bestimmte Aufgaben-Konstellationen hätten zu einer Überforderung führen können. Deshalb wolle man für diese besonderen Fälle umgehend den Bewertungsschlüssel anpassen. "Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das, dass ihre Klausuren besser bewertet werden als ursprünglich geplant", schreibt die Behörde.

Alle Stadtteilschulen und Gymnasien seien entsprechend informiert worden und würden jetzt ihrerseits betroffene Schülerinnen und Schüler ansprechen und beraten. Von der Neubewertung profitiert nur ein Teil der diesjährigen Abiturienten. Denn nicht alle Mathe-Klausuren wurden für zu schwer oder umfangreich befunden.

Der Hintergrund: Hamburger Schulleiter und Mathelehrer hatten der Behörde zufolge kritisiert, dass es in den diesjährigen Mathe-Klausuren eine "Unwucht" gegeben hatte. Die Grundkurs-Klausuren waren demnach teilweise "in der zur Verfügung stehenden Zeit kaum zu schaffen". Die Klausuren auf Leistungskursniveau seien hingegen "im Großen und Ganzen angemessen" gewesen.

Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) überprüfte daraufhin den Bewertungsmaßstab - und stellte nun fest: Zwei der vier in Hamburg eingesetzten Mathematik-Abiturklausuren waren zu schwer. Der Bewertungsschlüssel für das Mathematik-Abi auf Grundkursniveau solle deshalb angepasst werden.

Grundkurs-Klausuren drohten schlechter auszufallen

Hamburg setzt den Angaben zufolge seit 2017 in Mathematik ausschließlich Aufgaben aus einem Pool ein, die von einer Kommission auf Bundesebene entwickelt wurden. Bislang gab es der Behörde zufolge dabei keine Auffälligkeiten: Hamburgs Schüler hätten bei den Bundes-Abiturprüfungen Durchschnittsnoten zwischen 3,1 und 3,4 erzielt - nicht schlechter und nicht besser als die anderen Länder.

In diesem Jahr hätten die Bundesaufgaben Grundkurs-Schüler in bestimmten Zusammensetzungen jedoch vor besondere Herausforderungen gestellt. Nach einer Befragung unter Lehrern bei den zwei zu schweren Klausuren war damit zu rechnen, "dass diese Klausuren eine Note schlechter ausfallen".

Ende Mai hatte die Behörde noch angekündigt, "alle Abitur-Klausuren in Mathematik normal werten" zu wollen. Die Prüfungen im Grundkursbereich seien "relativ schwer" gewesen. Schüler, die die Grundkurs-Klausuren geschrieben hatten, bekamen jedoch die Möglichkeit einer mündlichen Nachprüfung, um ihre Note zu verbessern. Diese Möglichkeit bleibt weiter bestehen.

Neben Hamburg entnehmen seit drei Jahren weitere Bundesländer Aufgaben für das Mathe-Abitur aus einem bundesweiten Pool. In diesem Jahr hatten sich Schüler auch in anderen Bundesländern über den Schwierigkeitsgrad und die geringe Zeit zur Bewältigung der Aufgaben beschwert - das Saarland hatte die Bewertung daraufhin ebenfalls angepasst.

fek



insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Phil2302 05.06.2019
1. Vergleichbarkeit nicht gegeben
Gemeinsamer Aufgabenpool deutschlandweit, und wofür? Damit die Noten in den schwächeren Ländern angepasst werden. Genau darum ging es ja eigentlich: Zu zeigen, dass manche Länder ein viel zu leichtes Abitur haben, und ein 2,0 in Bayern mehr bedeutet als ein 2,0 in Hamburg. So wird es nie was mit dem einheitlichen Abitur, denn kein Land will ja zugeben, dass die eigenen Schüler schlechter abschneiden.
HH-Hamburger-HH 05.06.2019
2. Die Erosion des deutschen Bildungssystems geht weiter
Bald kann sich sicherlich jeder Schüler in Deutschland in bester Arbeitnehmermanier sein Abiturzeugnis selbst schreiben und die verantwortlichen Politiker werden sich dennoch selbst auf die Schulter klopfenweil die Abiturientenquote genauso wie die erreichte Durschnittsnote immer weiter steigt
47Pfefferkörner 05.06.2019
3. Aldi-Abi
Es mutet doch seltsam an, wenn Prüfungen erst korrigiert und Punkte vergeben werden. Diese Punkteresultate werden offenbar dem Ministerium übermittelt und dann erst (!) wird durch das Ministerium der Notenschlüssel auf Grund der Punktevergabe festgelegt. Das hat schon eine gewisses "Gschmäckle". Wie schauts aus - machen wir halt ein Discount- Abi! Die Qualitäten des Abis zeigen sich sowieso erst in der Uni innerhalb der ersten zwei Semester.
Schartin Mulz 05.06.2019
4. Naja,
mit der Lesekompetenz halt es noch ein bisschen. Hier geht es konkret um 2 Aufgaben, die im Vergleich zu schwer waren. Schüler haben nach 12 oder 13 Jahren Schulzeit ein Anrecht darauf, das sie auf dem Niveau geprüft werden, das zuvor im Unterricht erarbeitet wurde. Darum geht es, nicht um Vergleichbarkeit des Abi zwischen den Bundesländern oder darum, dass früher alles besser war und die Schüler heute doofer sind als wir damals.
mrwatson 05.06.2019
5. Witz
Ist doch ein Witz ! In anderen Fächern können Prüfung zu schwer sein, weil Themen abgefragt werden, die im Unterricht nicht vorkamen. Bei Mathematik sieht die Sache aber anders aus, da beim höchsten deutschen Schulabschluss alle Themen unterrichtet sein sollten. Damit können Prüfungen eigentlich nicht zu schwer sein! Aber heutzutage scheint ja jeder mittelmässige Schüler ein 1er Abitur abzugreifen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.