Deutscher Schulpreis 2019 Grundschule für "ausgeprägte Lobkultur" ausgezeichnet

Mit einem außergewöhnlichen Konzept hat eine Grundschule in Nordrhein-Westfalen den Deutschen Schulpreis gewonnen: Sie punktete mit einem besonderen Sinn für Motivation.
Gewonnen: Schüler, Lehrkräfte und Eltern der Gebrüder-Grimm-Schule jubeln

Gewonnen: Schüler, Lehrkräfte und Eltern der Gebrüder-Grimm-Schule jubeln

Foto: Guido Kirchner / DPA

Erfolg im ersten Anlauf: Die Gebrüder-Grimm-Schule in Hamm ist mit dem Deutschen Schulpreis 2019 ausgezeichnet worden. Alexander Lorz (CDU), Präsident der Kultusministerkonferenz, überreichte die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung am Mittwoch bei einem Festakt in Berlin.

Die Grundschule in Hamm mit knapp 230 Kindern überzeugte mit ihrer "ausgeprägten Lobkultur", die im gesamten Schulalltag präsent sei, hieß es von der Jury. Bei monatlichen Schulversammlungen werden demnach besondere Leistungen und das Engagement von Schülerinnen und Schülern in sogenannten Lobbriefen gewürdigt. Mit "Komplimente-Karten" können sich die Kinder zudem gegenseitig motivierende Nachrichten schreiben.

Auch der Unterricht an der nordrhein-westfälischen Grundschule zeichnet sich der Jury zufolge durch ein besonderes Konzept aus: Das Schuljahr ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt, sodass die Kinder abwechselnd in jahrgangsübergreifenden Projekten, individuellen Kursen und im Klassenverband lernen. Unterstützt werden sie dabei von fünf Schulassistenten und einem Schulhund: Merlin.

Weitere Pluspunkte: Der "Internationale Garten", in dessen Pflege nicht nur die Schüler und Eltern, sondern auch die Nachbarn eingebunden sind. Ein täglicher Morgentanz ab 7.45 Uhr in der Aula. Eine Grillecke für Feste mit Familien, einen Bereich mit Meerschweinchen, Kaninchen, Hühnern. Jeder Quadratmeter wird multifunktional genutzt.

Die Schule liegt in dem sozial schwachen Stadtteil Bockum-Hövel, der durch Arbeitslosigkeit und geringe Einkommen geprägt ist. Sie hatte sich in diesem Jahr das erste Mal für den Schulpreis beworben. Man sehe es als "großes Glück", eine "arme" Schule zu sein, hatte das Lehrerteam in der Bewerbung geschrieben. "Das, was uns bezüglich aller Qualitätsentwicklung vorangebracht hat, waren echte Herausforderungen und Nöte."

Vorbild für innovative Schulentwicklung

So sieht es auch die Jury: "Die Gebrüder-Grimm-Schule hat die Not zum Motor ihrer Entwicklung gemacht", sagte Jurysprecher Michael Schratz. Als Brennpunktschule mit wenigen Ressourcen habe sie eine hervorragende Umgebung zum Lernen geschaffen. Sie sei ein Vorbild für innovative Schulentwicklung.

Fünf weitere Schulen erhielten bei der Verleihung ein Preisgeld von je 25.000 Euro:

  • die Alemannenschule Wutöschingen (Baden-Württemberg)
  • die GGS Kettelerschule in Bonn (NRW)
  • die Schiller-Schule in Bochum (NRW)
  • die Kurfürst-Moritz-Schule in Moritzburg (Sachsen)
  • die Deutsche Schule Mariscal Braun in La Paz (Bolivien).

Die übrigen neun Finalisten bekommen jeweils 5.000 Euro. Außerdem können die ausgewählten Schulen in den nächsten zwei Jahren an Seminaren eines Entwicklungsprogramms teilnehmen. Finalisten und Gewinner werden von einer Jury aus Wissenschaftlern und Schulvertretern ausgewählt. Sie bewerten die Schulen in den Kategorien Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution.

Der Deutsche Schulpreis wird seit 2006 von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof Stiftung vergeben. Seitdem haben sich rund 2000 Schulen für die renommierte Auszeichnung beworben.

jkl/dpa
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