Handwerkspräsident pro Jugendliche "Wer sich reinhängt, erreicht sein Ziel"

Desinteressiert seien sie und Nieten in Mathematik wie in Deutsch - Schulabgängern auf Lehrstellensuche wird viel Negatives nachgesagt. Ein Handwerksfunktionär widerspricht: Die Jugendlichen seien besser als ihr Ruf, man dürfe sie nicht für Fehler der Schulen verantwortlich machen.

Azubis beim Schweißkurs: Handwerkspräsident verteidigt Jugendliche gegen Pauschalkritik
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Azubis beim Schweißkurs: Handwerkspräsident verteidigt Jugendliche gegen Pauschalkritik


In der Debatte um eine angebliche mangelnde Ausbildungsreife bei vielen Azubis hat Handwerkspräsident Otto Kentzler die Jugendlichen in Schutz genommen. Er habe viele Generationen heranwachsen sehen: "Die jungen Leute heute sind nicht schlechter als früher, auch wenn sie von der Schule oft schlechter vorbereitet entlassen werden", sagte Kentzler in einem Interview mit der "Passauer Neuen Presse".

"Wem die Ausbildung Spaß macht, wer sich reinhängt, der erreicht auch mit schwachen Zeugnisnoten sein Ziel", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, "wir helfen ihm dabei! Dafür ist die Ausbildung ja da". Besonders bei jungen Migranten sieht Kentzler "große politische und gesellschaftliche Versäumnisse". Für offenkundige Fehler der Schulen dürfe man aber "nicht die Kinder verantwortlich machen". Noch mehr Betriebe müssten offen sein für die Ausbildung junger Migranten - "und dazu zähle ich gerade auch die Unternehmer mit ausländischer Herkunft".

Die Wirtschaft hält laut einer Umfrage jeden fünften Schulabgänger für nicht ausbildungsreif. Neben schlechten Kenntnissen in Deutsch und Mathematik kritisieren mehr Betriebe fehlende Disziplin und Belastbarkeit als bei vorangegangenen Befragungen, fand der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit einer Unternehmensumfrage heraus. Demnach bietet mehr als die Hälfte aller Betriebe Kurse und Schulungen für ihre Auszubildenden an.

Viele Eltern seien offenbar nicht mehr in der Lage, ihren Kindern Kompetenzen wie regelmäßiges Aufstehen, Pünktlichkeit und Leistungsbereitschaft zu vermitteln, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben vergangene Woche bei der Vorstellung der Befragung.

cht/dpa

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fatalismo 12.04.2010
1. Was ich so sehe...
...ist die Sicht des Handwerkspräsidenten weitgehend richtig. Und ich sehe in der Hinsicht eine Menge, weil ich mich viel mit jungen Menschen und deren Zukunftschancen beschäftige. Irgendwie scheint mir der Wurm in der Tat in der Schule zu nagen. Ehe jetzt das Geheul der versammelten Oberlehrerschaft der Nation losbricht: Schule und Gesundheitswesen, das sind zwei so unterschiedliche Felder - aber beide kenne ich seit mehr als fünfzig bewussten Jahren als 'Dauerbaustelle'. Ich glaube nicht, dass ich mal eine Legislaturperiode - interessanterweise in Land und Bund - erlebt habe, in dem nicht eben wieder ein Napoleon angetreten ist, das Schulsystem weltstürzend zu Tode zu reformieren. Gern darfs's auch eine Napoleonesse sein. Schon zu meiner Schulzeit in BW hatte ich mit diesem Hü und Hott zu tun - was allerdings damals auch noch daran lag, dass die französischen Besatzungsbehörden alle halbe Jahre aus Paris ein neues Schulsystem mitbrachten. Daran haben die 'Befreiten' nahtlos angeschlossen. Was allein diese bescheuerte Rechtschreibreform an Ressourcen und auch an gutem Willen bei jungen Menschen gekostet hat, dass ist zu immateriell, um es zu beziffern. Aber: Kinder merken es nun mal verdammt schnell, wenn die Alten nicht wissen, was sie eigentlich wollen. Was eigentlich eher für die Schnellmerker-Eigenschaften unserer Kinder spricht. Und wenn Kinder so was merken, dann vergeht ihnen der Spaß. Dass dieses 'Rin-in-die-Kartoffeln-raus-aus-den-Kartoffeln' auch und gerade Folgen für die Lehrer hat, liegt wohl auf der Hand. Gäbe man jungen Lehrern mehr Freiraum für eine kreative Gestaltung von Lehrplänen, dann würden daraus ältere Lehrer, die immer noch motiviert allmorgendlich zur Schule gingen. Stattdessen haben wir ziemlich viele, die einfach ausgebrannt sind (natürlich auch einige, die es ganz gerne sein wollen, wie es das Beamtenrecht erlaubt). Ich denke mal, würden wir die Zahl der Häuptlinge aus der Kultusriege auf ein vernünftiges Maß stutzen, kämen die dann weniger gegängelten Indianer ganz gut zurecht. Und die überflüssigen Genies aus der Bürokratie mögen ja gerne zeigen, was sie können - zum Beispiel in der Arbeitsverwaltung. Dann bräuchten wir dort zumindest keine abgehalfterten Telekom-Verkäufer mehr als 'Fall-Manager'. Man denke!
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