Handy-Video Vier Schülerinnen machen Hatz auf Lehrer

Sie beleidigten einen Lehrer, traten, jagten und beschmierten ihn mit Farbe - das alles filmten vier Schülerinnen in Österreich per Handy und zeigten das Video bei YouTube. Nun droht ihnen der Schulausschluss, auch die Polizei ermittelt.


Kunst und Werken stand für die vier Mädchen, alle um die 15 Jahre alt, auf dem Stundenplan. Die Schülerinnen der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Fohnsdorf waren nicht, wie ihre Mitschüler, auf Klassenreise gefahren. Stattdessen mussten sie zum Unterricht in "Bildnerischer Erziehung" in der Parallelklasse.

Tatwaffe Handy: Attacke auf den Lehrer, inklusive Beweisvideo im Web
DDP

Tatwaffe Handy: Attacke auf den Lehrer, inklusive Beweisvideo im Web

Wie die österreichische Blätter "Der Standard", "Kurier" und "Kleine Zeitung" übereinstimmend berichten, hatten sich die Schülerinnen bereits zwei Tage vor dem Angriff einen als "weichherzig charakterisierten Werklehrer" als Opfer ausgesucht. Sie wollten ihn provozieren. Die Mädchen spielten im Unterricht mit ihren Handys, eine schleuderte dem Lehrer eine leere Plastikflasche an den Kopf.

Als er der Schülerin das Handy wegnahm, ging es erst richtig los: Die Schülerinnen beschimpften den Lehrer, bespritzten ihn mit Farbe und traten ihn. Eine Schülerin hielt die Attacken mit der Handykamera fest. Der Plan war offenbar von vornherein, den Film später ins Internet zu stellen.

Nur "bisschen eskalierte Gaudi"?

Der leicht verletzte Lehrer sei schließlich aus dem Klassenzimmer geflüchtet, schildern die Zeitungen die Jagdszenen weiter. Die Schülerinnen liefen demnach hinterher, das Opfer schloss sich aus Angst in einen Raum ein. Mit Fäusten und Füßen hämmerten die Mädchen an die Tür; per Handy versuchte der Lehrer, Hilfe zu rufen.

Andere Lehrkräfte brachten die Situation unter Kontrolle und wollten das Opfer aus dem Zimmer befreien. Der Lehrer war aber so schockiert, dass er die Tür nicht öffnete. Erst der Hausmeister befreite ihn, indem er die Tür aushängte.

Der Lehrer ist seit der Attacke krank geschrieben. Bald lag eine Anzeige bei der Polizei vor, auch die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. Die Mädchen und ihre Eltern versuchten sich zu rechtfertigen, es handele sich um "eine Gaudi, die ein bisschen eskaliert sei". Auf einer kurzfristig einberufenen Schulkonferenz stellten jedoch das Lehrerkollegium und drei Elternvertreter einstimmig einen Antrag auf Suspendierung und Ausschluss der Teenager. Am Montag stimmte der Landesschulrat für Steiermark der Suspendierung zu. Ein Schulausschluss könnte in den nächsten Wochen nach weiteren Anhörungen folgen.

Landesschulratssprecher Michael Samec sagte der Zeitung "Der Standard": "Es ist momentan ein richtiger Hype." Unter Schülern gebe einen Wettlauf, Lehrer und Professoren in möglichst unangenehme Situationen zu bringen, das Ganze mit dem Handy festzuhalten und die Filmchen dann ins Internet zu stellen. Erst gab es "Happy Slapping", das Verprügeln und Filmen von Mitschülern - und jetzt sind die Lehrer an der Reihe.

sha

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.