"Harte Schule" beim ZDF Lehrer mit Hang zum Drill gesucht

Für Pädagogen auf Stellensuche hält das ZDF Arbeitsplätze bereit: In der Reality-Show "Die harte Schule" sollen strenge Lehrer älteren Baujahrs 24 Gymnasiasten in ein Internat der fünziger Jahre zurückversetzen - ein Experiment mit Zucht und Ordnung. Rivale RTL setzt seine über Sex plappernden "Schulmädchen" dagegen.

Auf die freiwillig Internierten warten ungemütliche Zeiten. Die Gymnasiasten haben die zehnte Klasse bereits abgeschlossen und sollen vier Wochen lang den streng geregelten Internatsalltag der fünziger Jahre durchleben. Eine reine Spaßveranstaltung wird das für sie kaum: Der Schulalltag von damals solle "authentisch in Szene gesetzt werden", teilte das ZDF mit und erwartet von den Lehrern, neben dem Lernstoff auch "Disziplin, Ordnung und Pünktlichkeit" zu vermitteln.

Handys, Make-up und bauchfreie Tops erhalten also Hausverbot. Denn wenn der Sender die Zeitmaschine anwirft, soll bis zur Kleidung und Frisur alles haarklein geregelt sein: Die Mädchen werden Zöpfe tragen, die Jungen Kurzhaarschnitt. Und stets brav grüßen, wenn der Lehrer das Klassenzimmer betritt.

Lernt man mit dem Zweiten besser?

Das dürfte den Wünschen vieler Pädagogen entgegenkommen. Einige Stellen hat das ZDF auch noch zu besetzen. Gesucht werden Lehrer für die Fächer Deutsch, Latein, Mathematik, Erdkunde, Sport, Musik, Kunst und Biologie (Gartenbau). Sie sollen größtenteils selbst in den Fünzigern zur Schule gegangen sein und ein Lehramtstudium abgeschlossen haben.

Ob altmodischer Drill zu eindrucksvollen Lernerfolgen führt, sollen ein Eingangs- und ein Abschlusstest zeigen. Drehen will die Produktionsfirma Tresor Entertainment GmbH vom 10. August bis 4. September auf Burg Hohenfels in Salem am Bodensee, der Sendetermin steht noch nicht fest.

Eine ähnliche Serie, "That'll teach 'em", ist in Großbritannien bereits erfolgreich gelaufen. Selbst Steißgetrommel mit dem Rohrstock hält ZDF-Mann Thomas Bellut offenbar für denkbar: "Ich habe sogar in den Sechzigern in der Grundschule noch auf die Finger gekriegt", heizt der Programmdirektor die Spannung vor, "ausschließen will ich da nichts."

Bei RTL wird zurückgeludert

Schulstoff ist derzeit fürs Fernsehen offenbar guter Stoff. Während das ZDF auf Sekundärtugenden setzt, kontert die private Konkurrenz mit primären Geschlechtsmerkmalen. Ein Rudel Luder soll RTL abermals erfreuliche Einschaltquoten bescheren. Der Kölner Sender holt die "Schulmädchen" - eine der übelsten Heimsuchungen der jüngeren Fernsehgeschichte - aus den großen Ferien zurück; die vier Hauptdarstellerinnen stehen momentan vor der Kamera.

Die erste Staffel führte zu allerlei heiteren diplomatischen Verwicklungen zwischen RTL, dem Freistaat Bayern sowie der Kirche: Bayerns Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) ortete "erhebliche Primitivität und Geschmacklosigkeit". Zudem wollte die Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten den Namen "Franz-Josef-Strauß-Gymnasium" in der Serie verbieten - vergebens.

Das RTL-Geplapper über Penislängen, Silikonbusen und Telefonsex rief auch den Philologenverband auf den Plan: Die Serie vermittle ein "Zerrbild der Schulwirklichkeit auf der nach unten offenen Niveauskala", erklärte der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Und Margot Käßmann, Landesbischöfin Hannover, nannte eine Szene "menschenverachtend", in der eine Schülerin vor dem Sex einen Jungen aufforderte, sich eine Tüte über den Kopf zu stülpen.

Natürlich wir die Kölsche Trash-Maschine trotzdem neue Folgen auswerfen. Immerhin fuhr RTL mit der ersten Staffel einen Marktanteil von satten 21 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen ein.

Jochen Leffers