Hartes Regime Direktor wirft jeden fünften Schüler raus

In der belgischen Hauptstadt Brüssel macht ein Schuldirektor durch besondere Härte von sich reden: Seit seinem Amtsantritt hat der strenge Pädagoge insgesamt 125 Schüler vor die Tür gesetzt - ein Fünftel der gesamten Schülerschaft.


Rangelnde Schüler: Aggressionen weit verbreitet
DPA

Rangelnde Schüler: Aggressionen weit verbreitet

Der neue Direktor einer Brüsseler Schule hat seit seinem Amtsantritt vor einigen Monaten jeden fünften Schüler auf die Straße gesetzt. 125 der ehemals 600 Schüler der als Problemschule geltenden Lehranstalt haben Hausverbot: Sie dürfen das Schulgelände nicht mehr betreten. Und der streitbare Schulleiter kündigte an, weiterhin hart durchzugreifen: "Es werden leider demnächst noch welche rausfliegen", sagte Freddy Lambremont am Montag in der belgischen Zeitung "Het Laatste Nieuws".

Mit dem harten Regime will Lambremont gegen Gewalt unter Schülern und gegen das Schwänzen an seiner Schule vorgehen. Manche Schüler der Madeleine-Jacqmotte-Schule haben sich nach einer Umfrage gezielt angemeldet, weil sie wussten, dass die Schule nicht so stark gegen Schwänzer durchgreift. Sie hätten sich daran gewöhnt, falsche Atteste vorzulegen, so Lambremont.

Das klappe nun nicht mehr: "Ich lasse die Atteste im Zweifel überprüfen." Des öfteren sei er deshalb von Betroffenen bedroht worden. Gewalt gegen Lehrer und Vandalismus seien aber seit Januar nicht mehr vorgekommen.

Fünf Prozent sehr aggressiv

Nach einer im vergangenen Dezember im Auftrag des Bundeskriminalamtes durchgeführten Befragung unter 1100 Schülern gehören auch in Deutschland Beleidigungen, Tritte und Schläge in der Schule zum Alltag.

Fast ein Drittel aller Jungen im Alter von 13 bis 14 Jahren gab an, im letzten halben Jahr vor der Befragung einen Mitschüler geschlagen oder getreten zu haben. Zwar überwiegen leichte und gelegentliche Aggressionen, etwa 5 Prozent der Jugendlichen sind aber extrem aggressiv und quälen regelmäßig Mitschüler. 13 Prozent gaben ein Raub- oder Erpressungsdelikt zu, 8 Prozent haben schon einmal jemandem mit einem Messer oder einer Pistole gedroht.

Laut der Studie zeigen Mädchen weniger aggressives Verhalten und werden auch seltener Opfer von Gewalt. Statistisch fast gleichauf liegen sie aber bei Fehlverhalten wie Beschimpfen, Klauen, Drogenkonsum und Schuleschwänzen.

Der belgische Direktor will seine Null-Toleranz-Politik weiterführen, bis nur noch lernwillige Schüler übrig sind. Einige von ihnen hätten sich schon im Ministerium für die harte Linie bedankt.



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