Hartz IV und Nachhilfe Lehrerverbände halten Pläne für nicht umsetzbar

Kinder aus Hartz-IV-Familien sollen in Zukunft bei Jobcentern Nachhilfe beantragen können. So plant es das Arbeitsministerium. Wer Unterstützung bekommt, sollen allerdings die Lehrer entscheiden. Die halten von den Plänen allerdings wenig - und befürchten eine Klagewelle.

Lehrerverbände halten nichts von den Hartz-IV-Plänen für Nachhilfeunterricht
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Lehrerverbände halten nichts von den Hartz-IV-Plänen für Nachhilfeunterricht


Lehrerverbände kritisieren die geplante Nachhilfe für Kinder aus Hartz-IV-Haushalten. "Der Verwaltungsaufwand ist für die Schulen viel zu groß, so dass die pädagogischen Prüfungen so wie vorgesehen nicht stattfinden können", sagte der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, der "Süddeutschen Zeitung".

Die Nachhilfe ist Teil des geplanten Bildungspakets der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU): Schulkinder aus Hartz-IV-Haushalten können demnach beim Jobcenter Nachhilfe beantragen. Nachhilfestunden soll es aber nur dann geben, wenn die Schüler die nächste Klassenstufe noch erreichen können. Die Unterstützung wird allerdings verwehrt, wenn der Schüler mit Hilfe des Nachhilfeunterrichts auf eine höhere Schule wechseln möchte. Der Lehrer soll dabei dem jeweiligen Kandidaten bescheinigen, dass er Nachhilfe benötigt.

Lehrer warnen vor massiven Konflikten mit den Eltern

Der Chef des Philologenverbands hält das jedoch für nicht praktikabel. Um eine qualifizierte Entscheidung über einen Schüler treffen zu können, "müssten wir jeweils eine Lehrerkonferenz einberufen und uns beraten", sagte Meidinger. Das sei nicht machbar. Die Folge werde sein, dass "wir das Verfahren sehr weit im Sinne der Schüler auslegen". Wenn ein Schüler am Ende eines Halbjahres um eine positive Prognose für die Genehmigung von Nachhilfestunden bitte, könne man ihm immer die Möglichkeit einräumen.

Auch die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, sagte, sie rechne damit, dass die Lehrer wohl zu Großzügigkeit tendieren werden. Die in dem Gesetzentwurf verlangte "prognostische Einschätzung" sei extrem unpädagogisch. "Moderne Lehrer wollen keine Selektierer sein, die ein Scheitern ihrer Schüler bereits zu Beginn des Schuljahres vorhersehen", sagte die stellvertretende GEW-Chefin. Dies werde zu Auseinandersetzungen mit den Jobcentern führen.

Entschieden sich Lehrer doch gegen die Nachhilfe, dürfte es zu Konflikten mit den Eltern kommen, vermutet Demmer. Der Verbandsvorsitzende Meidinger prognostizierte sogar eine Klagewelle ohne Ende. "Da droht ein Bürokratiemonster zu entstehen, das mehr Schaden als Nutzen anrichtet", sagte er.

fln/dapd

insgesamt 43 Beiträge
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loncaros 07.10.2010
1. t
Das stelle ich mir toll vor wenn die Eltern die Ablehnung 3 Monate vor Zeugnistag ins Haus bekommen mit der Begründung "Ihr Kind wird sowieso durchfallen"...
kdshp 07.10.2010
2. aw
Zitat von sysopKinder aus Hartz-IV-Familien sollen in Zukunft bei Jobcentern Nachhilfe beantragen können. So plant es das Arbeitsministerium. Wer Unterstützung bekommt, sollen die Lehrer entscheiden. Die halten von den Plänen allerdings recht wenig - und befürchten eine Klagewelle. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,721755,00.html
Hallo, und was ist mit kinder aus nicht H4 familien also wenn die schlecht sind? Und sollten nicht alle H4 kinder nachhilfe bekommen weil ja angeblich alle H4 eltern sich nicht um ihre kinder kümmern und nur saufen?
frendo54 07.10.2010
3. t
Zitat von sysopKinder aus Hartz-IV-Familien sollen in Zukunft bei Jobcentern Nachhilfe beantragen können. So plant es das Arbeitsministerium. Wer Unterstützung bekommt, sollen die Lehrer entscheiden. Die halten von den Plänen allerdings recht wenig - und befürchten eine Klagewelle. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,721755,00.html
Uns Uschi vdL als Reinkarnation des St. Bürokratius - Herr Dr. Stoiber, übernehmen Sie!!!
serdna 07.10.2010
4. Bin ich im falschen Film ?
Wieso fragt eigentlich irgendjemanden wie Heinz Peter Meidinger nach seiner Meinung??? Der Mann hat Deutsch, Geschichte und Sozialkunde studiert, das sind ja wohl kaum Fächer, wo man irgendwie an "Elite" denkt. Wieso der Mann glaubt, dass er für höhere Bildung zuständig ist, weiß wahrscheinlich niemand. In seinem Fach, Sozialkunde, wird sich wohl die Frage nach Nachhilfe auch nicht stellen. Es sagt wohl einiges über die deutsche Lehrerschaft aus, wenn sie einen derartigen Underperformer zu ihrem Vorsitzenden wählt. Wir lernen daraus, dass die Leerkörper, bestbezahlt weltweit bei mittelmäßigen Ergebnissen in der Pisa Studie, zu bildungspolitisch relevanten Themen nichts zu sagen hat. Schickt man jemand nach vorne, der keinerlei Berufserfahrung hat, dann heißt das, dass im Hinterland wohl auch niemand ist. Aber wieso berichtet der Spiegel über das Gewäsch eines Herrn Meidinger ?
c++ 07.10.2010
5. ..
Im berufsbildenden Bereich funktioniert das schon seit vielen Jahren ausgezeichnet und problemlos. Der Hinweis, dass Lehrer zu dämlich sind, um das gebacken zu bekommen, kann doch nicht wahr sein. Problematisch ist allerdings eine Beschränkung auf H4 Bezieher. Was ist mit den Elternhäusern, die knapp über H4 liegen? Da müsste man sich etwas einfallen lassen.
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