Haschisch an Schulen Breite Abwehr gegen Drogenrazzien

Rauchen, trinken, kiffen - Drogenkonsum gehört bei vielen Schülern zum Alltag. Ein Viertel aller Jugendlichen hat schon einmal Haschisch geraucht. Unionspolitiker wollen dagegen an Schulen die Polizei einsetzen, doch Experten halten Razzien auf dem Schulhof für gar keine gute Idee.


Nach dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler bei der Pisa-Studie hatte manch einer gefordert, an den Schulen müsse ein strengeres Regiment herrschen. An den Aufmarsch von Polizeitrupps hatte dabei aber wohl niemand gedacht. Ginge es nach dem Willen von Unions-Politikern, könnte dieses Szenario bereits im Herbst Realität werden. Dann soll allerdings nicht gegen Wissenslücken angegangen werden, sondern gegen Drogenprobleme der Schüler.

Cannabis-Freund: Der Joint kreist bei Jugendlichen früher
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"Cannabis ist an Schulen ein Riesenproblem", begründete der Unions-Suchtexperte Jens Spahn (CDU) seinen Vorstoß zu Polizeirazzien an Schulen, der eine hitzige Diskussion ins Rollen brachte. Diese Art von Krisenintervention, bei der nur versucht werde, die Symptome zu kurieren, werde dagegen "immer scheitern", lautet dagegen die Überzeugung des Nürnberger Lehrers Jonas Lanig, der sich in der Drogenprävention engagiert.

Der Haschischkonsum von Jugendlichen steigt, sie greifen häufiger und früher zum Joint. Hatten 1993 noch 16 Prozent der 12- bis 25-Jährigen schon mindestens einmal Haschisch geraucht, waren es im Jahr 2001 rund 26 Prozent. Auch das durchschnittliche Einstiegsalter sei in dieser Zeit stark gefallen, und zwar von 17,5 auf 16,5 Jahre, teilte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen mit. Rund zehn Prozent der 16-Jährigen greifen demnach zum am weitesten verbreiteten illegalen Rauschmittel.

Dennoch zeichnet sich eine breite Abwehr gegen Drogenrazzien an Schulen ab. Nach Protestrufen aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern formiert sich auch aus den Reihen der SPD, der FDP, der Grünen sowie von Seiten des Deutschen Lehrerverbandes und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Widerstand.

Zustimmen kann Lanig dem CDU-Politiker darin, dass Drogen - nicht Cannabis allein - an Schulen ein großes Problem sind. "Der Konsum ist je nach Schulart sehr verschieden", erläutert er. Während Hauptschulen oft mit "massiven Alkoholproblemen" ihrer Schüler konfrontiert seien, griffen Berufsschüler eher zu Ecstasy, Gymnasiasten dagegen zu Cannabis.

"Die Schulen sind nicht ehrlich"

Und noch ein Nutzungsmuster kennt der Pädagoge: Auf dem Land und in Gemeinden am Stadtrand sei Alkohol "ein Stück Normalität", dagegen spielten Cannabis und andere "Modedrogen" in der Stadt eine größere Rolle. Dem Lehrerverbandspräsidenten Josef Kraus bereiten generell Alkohol und Nikotin "von der Quantität her" größere Sorgen als Cannabis.

Das Problem liegt nach Ansicht Lanigs aber nicht bei den Schülern allein. "Die Schulen sind nicht ehrlich mit dem Drogenkonsum in den eigenen Reihen", kritisiert der Nürnberger Lehrer. Zudem befalle ihn bei einem Blick in den bayrischen Lehrplan zum Thema Drogenprävention das Gefühl, in Drogendiskussionen der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gelandet zu sein.

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Was also tun gegen kiffende, rauchende und trinkende Schüler? Elisabeth Pott von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sieht einen Schlüssel in der Bekämpfung des Rauchens. Wenn es gelinge, den Nikotinkonsum zurückzudrängen, sinke auch die Zahl derer, die Cannabis rauchen, so Pott.

Auch SPD-Fraktionsvize Gudrun Schaich-Walch tritt dafür ein, den Kampf gegen Drogen nicht auf ein spezielles Suchtmittel auszurichten, sondern auf das Suchtverhalten der Jugendlichen. Und das wird nach Ansicht Lanigs stark "vom Umfeld konditioniert". Schüler, deren Eltern nicht rauchten, griffen meist ebenfalls nicht zum Glimmstängel, hat der Pädagoge festgestellt.

Im Kampf gegen Drogen muss also mehr getan werden, als die Polizei zu Razzien antreten zu lassen - darin sind sich Experten und Politiker einig. Sie treten für eine umfassende Aufklärung ein, die Schulen, Lehrer, Eltern und externe Beratungseinrichtungen einschließt. Und noch ein Argument spricht nach Ansicht der Experten gegen Drogenrazzien an Schulen: Cannabis wird laut Kraus und Lanig auf dem Schulgelände nur in "Einzelfällen" konsumiert. Kiffen sei aber "in den Köpfen vorhanden", weiß Lanig. Dagegen ist mit Polizeigewalt wohl kaum anzugehen.

Von Ursula Quass, ddp

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