Haschkuchenbäcker Mit ehrlicher Reue in die Reifeprüfung

Im "Fall Ole" reagiert die Leitung der Lüneburger Herderschule souverän: Der Haschkuchenbäcker darf an der Schule bleiben und dort sein Abitur machen. In den Osterferien leistet er ein freiwilliges Praktikum ab - im Krankenhaus auf der Entgiftungsstation.


Ole leistet Abbitte: "Großen Mist gebaut"
DDP

Ole leistet Abbitte: "Großen Mist gebaut"

Der 19-jährige Gymnasiast Ole, Bäcker eines bundesweit bekannt gewordenen Haschischkuchens, darf Abitur machen - an der Lüneburger Herderschule, unter deren Lehrern er vor vier Wochen für Verwirrung sorgte. Das habe die Schule nach einer Konferenz entschieden, teilte eine Sprecherin der Bezirksregierung Lüneburg am Dienstag mit.

Ole hatte vor vier Wochen zehn Lehrer seiner Schule durch einen mit neun Gramm Marihuana gespickten Schokoladenkuchen kurzfristig außer Gefecht gesetzt. Das berauschende Backwerk hatte er vor der Tür des Lehrerzimmers platziert, nebst einem Zettel mit der Aufschrift "Vielen Dank für alles - guten Appetit". Zehn ahnungslose Pädagogen hatten von dem Gebäck gegessen und kurze Zeit später über Schwindel und Wahrnehmungsstörungen geklagt.

Wenige Tage nach dem Vorfall leistete Ole öffentlich Abbitte: Er gab vor der Vollversammlung der Schule eine Reue-Erklärung ab, in der er seinen Streich zutiefst bedauerte. "Vor einigen Tagen habe ich großen Mist gebaut", erklärte der Haschkuchenbäcker vor knapp 700 Schülern und 65 Lehrern der Herderschule und anschließend noch einmal vor der Presse. "Ich hielt es anfänglich für einen lustigen Scherz", sagte der Abiturient. "Aber ein Streich ist nur dann lustig, wenn niemand zu Schaden kommt." Er hoffe, dass er keine Nachahmer finde.

Entschuldigung statt Strafe

Zu einem weiteren Haschkuchen-Vorfall kam es am letzten Februarwochenende in der badischen Stadt Lörrach: Ein 18-jähriger Schweizer brachte zu einer Geburtstagsparty bei Freunden einen selbst gebackenen Kuchen mit. Auch er verriet nicht, dass er mehrere Gramm Haschisch beim Backen verarbeitet hatte. Nach dem Essen fielen mehrere Gäste um und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Drogenbäcker wurde zunächst von der Polizei festgenommen und dann gegen eine Kaution von 3000 Euro wieder freigelassen.

Im Fall Ole hatte die Schulleitung von Anfang an darauf hingearbeitet, dass der Gymnasiast an der Schule bleiben konnte. Die Tat werde "ehrlich bereut", so Schulleiter Horst Homburg. Die öffentlichen Entschuldigungen bewirkten mehr als eine Strafe, die niemandem nutze. "Wir wollen verhindern, dass er von der Schule fliegt", betonte der Schulleiter. Dieses Vorhaben hat nun die Schulkonferenz bestätigt.

Auch die Lüneburger Polizei wird wohl von einer Anklage absehen: Der 19-Jährige hatte während der Hausdurchsuchung, bei der die Beamten die Backform und eine Restmenge von zwei Gramm Marihuana sicherstellten, frühzeitig ein Geständnis abgelegt. Zwar werde gegen Ole wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt, sagte Lüneburgs Kripochef Roland Brauer, nachdem die Polizei Ole durch den Tipp eines ehemaligen Schülers auf die Schliche gekommen war. Die Polizei werde der Staatsanwaltschaft aber vorschlagen, auf eine Anklageerhebung zu verzichten.

In den Osterferien will der reuige Schüler zusätzlich zehn Tage im Krankenhaus arbeiten: Er macht ein Praktikum auf der Entgiftungsstation.



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