Haschkuchenbäcker Schmerzensgeld für die Lehrerin

Für einen unfreiwilligen Rausch, den er zehn Lehrern verpasste, muss ein Lüneburger Abiturient Schmerzensgeld zahlen. Ole K. hatte vor dem Lehrerzimmer mit Marihuana versetztes Backwerk abgestellt. "Das Zeug ist gefährlich", so der Richter - eine Pädagogin erhält jetzt mindestens 500 Euro.


Dieser Schokokuchen hatte es in sich. Im Februar 2004 fanden Lehrer der Lüneburger Herder-Schule morgens ein Geschenk vor der Tür, garniert mit einem Zettel "Vielen Dank für alles - guten Appetit". Nicht weiter ungewöhnlich, denn an der Schule backen Schüler und Eltern regelmäßig Kuchen, der dann für einen guten Zweck verkauft wird. Also naschten zehn Lehrer sorglos, was ihnen nicht gut bekam: Mehrere litten vorübergehend unter Wahrnehmungsstörungen und Übelkeit. Einer rief vom Bahnhof an und sagte, er finde sich nicht mehr zurecht und brauche Hilfe, wie Schulleiter Peter Homburg nach dem Vorfall über die "dramatische Stimmung" berichtete.

Bald stellte sich heraus, dass Ole K. den Kuchen gebacken und neun Gramm Marihuana hineingemischt hatte. Der heute 20-Jährige muss einer ehemaligen Lehrerin mindestens 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das hat das Lüneburger Amtsgericht am Mittwoch in einem Vergleich entschieden. 200 Euro hatte der Ex-Schüler der Pädagogin bereits gegeben, aber das reichte ihr nicht. Seine Mandantin habe unter Todesangst gelitten, begründete das der Rechtsanwalt Sebastian Jäkel: "Sie dachte, sie wäre vergiftet worden."

Der Vergleich sieht nun vor, dass Ole K. entweder weitere 300 Euro bis Ende dieses Jahres zahlt oder einen Betrag von 550 Euro, der ihm bis 2008 gestundet wird. "Das war kein harmloser Streich. Das Zeug ist gefährlich", so Richter Klaus Rainer Strunk am Mittwoch.

Das hatte auch der Abiturient eingesehen und sich für seine Spezialmischung zunächst in einer Vollversammlung vor seinen rund 700 Mitschülern und den Lehrern entschuldigt ("Ich habe großen Mist gebaut"), dann auch in einer Pressekonferenz. Als Zeichen der Reue schob er zudem freiwillig zehn Tage lang Dienst in einem Krankenhaus. Die Schule verzichtete auf Sanktionen; eine Konferenz entschied, dass Ole sein Abitur absolvieren durfte.

Ein erstes Verfahren vor dem Amtsgericht ging für den Kuchenbäcker im August letzten Jahres glimpflich aus. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt, doch dem Gericht reichte eine Verwarnung mit der Auflage, Gespräche bei der Drogenberatung zu führen. Inzwischen ist Ole K. Wehrdienstleistender.



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