Hausaufgaben-Schummler Dänischer Schüler verwechselt Deutsch mit Dutch

Von wegen Dänen lügen nicht: Ein Neuntklässler aus Ishøj wurde beim dreisten Mogeln erwischt. Einen Übersetzungstext jagte er durch eine Online-Maschine - und hielt "Dutch" für "Deutsch". So lieferte der Schüler, lost in translation, seine Hausaufgabe in fast astreinem Holländisch ab.

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dpa

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Immerhin, wie sein Schulfach heißt, das wusste der Schüler genau. Im Fach "Tysk" - also zweifelsfrei: Deutsch - sollte ein Neuntklässler aus dem dänischen Ishøj bei Kopenhagen eine Hausaufgabe abliefern. Verlangt war die Übersetzung eines dänischen Textes ins Deutsche.

Seinem Lehrer an der Ådalen-Privatschule war allerdings schnell klar, dass der Junge die Arbeit schwerlich selbst erledigen haben konnte. Die vermeintliche Deutschübersetzung, die der Schüler ablieferte, enthielt den Text in Holländisch - was dem Schüler als Note eine glatte 0 , den Gegenwert einer deutschen 6, einbrachte.

Der Schüler hatte den dänischen Text durch eine Online-Übersetzungsmaschine gejagt und bei der gewünschten Zielsprache die falsche Zeile gewählt. Statt die Textausgabe in "German" zu wählen, drückte er wohl auf "Dutch", also Holländisch, wie sein Lehrer Frank Lacay der dänischen Tageszeitung "Politiken" sagte.

Nicht immer können Lehrer einen Betrug auch beweisen

Die Mutter des Schülers versuchte, den Schwindel zu decken: In einem Brief an den Lehrer beteuerte sie, ihr Sohn habe alles selbst übersetzt. Das half aber auch nicht. Im Dänischen sind die beiden Sprachen leicht zu unterscheiden, Deutsch heißt "tysk", Niederländisch "hollandsk" - doch das internationale "Google Translate", das der Schummler benutzt haben soll, kennt nur englische Sprachbezeichnungen.

Wählten die Schüler allerdings die richtige Sprache aus, könne es manchmal schwierig werden, einen Betrug zu beweisen, gibt Lehrer Lacay zu. "Der Schüler kann immer behaupten: 'Ich bin eben richtig schlecht in Deutsch', und dann steht Aussage gegen Aussage", so Lacay.

Plagiate sind an Schulen mittlerweile ein ähnlich großes Problem wie an Universitäten: Bei Referaten oder Hausaufgaben schreiben Studenten und Schüler ziemlich hemmungslos mal bei Wikipedia, mal von Online-Börsen ab, oft ohne die Quelle der Information zu kennzeichnen.

Auch wenn wenige Schul- und Uni-Fälscher es dem Lehrer so leicht machen wie der dänische Neuntklässler mir seiner Übersetzung in die falsche Sprache: Genaues und aufmerksames Lesen kann schon viel helfen. Frank Ostergaard, Vorsitzender der Vereinigung dänischer Französischlehrer, sagte der "Politiken", er werde stets stutzig, "wenn sich ein Schüler plötzlich auf eine Art ausdrückt, die nicht seinem bisherigen Niveau entspricht". Das setzt allerdings voraus, dass Lehrer ihre Schüler und deren normales Niveau auch kennen.

cht

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