Chats von Helikoptereltern "Sie haben 27 neue Nachrichten"

Wohin geht der nächste Klassenausflug, wer hat die Läusekur gemacht, was gibt es in der Schule zu essen? Viele Mütter und Väter versuchen, auch digital alles zu kontrollieren. Die besten Auszüge aus nervigen Elternchats.

50 Nachrichten am Tag auf dem Smartphone - für Eltern mit mehreren Kindern ganz normal. Davon enthält oft nur eine Nachricht essenzielle Infos, der Rest beschäftigt sich mit Befindlichkeiten und Banalitäten. Die Höchststrafe sind Gruppenchats.

Jede Kopflauskur, jede fixe Idee zum Klassenausflug, jedes vermisste Unterhemdchen wird schnell einmal rund um den Globus und an alle Eltern der Kita, der Klasse oder der Fußballmannschaft verschickt. "Ich bekomme zum Beispiel über Nacht 17 neue Nachrichten, weil ein Kind sein Freundebuch nicht findet", erzählt eine Mutter.

Vorbei sind die auch Zeiten, in denen Kinder per "Ranzenpost" einen Zettel in der Postmappe nach Hause transportieren und daran denken mussten, ihn den Eltern vorzulegen. Oder in denen Kinder sich Hausaufgaben notieren mussten - findige Helikoptereltern haben längst Workarounds für solch unzuverlässige Systeme entwickelt. "Eltern fotografieren Tafelbilder und Heftzeichnungen ab und stellen sie in die Gruppe", berichten genervte Grundschullehrerinnen.

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Greiner, Lena, Padtberg, Carola

Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen!: Neue unglaubliche Geschichten über Helikopter-Eltern

Verlag: Ullstein Taschenbuchvlg.
Seitenzahl: 224
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Und egal, wie banal - die WhatsApp-Gruppe brummt auch samstagabends, an Weihnachten oder in den Ferien. "Nach einem Jahr mit unserer Klasse hat sich der Klassenlehrer aus allen Chatgruppen abgemeldet", erzählte eine Mutter aus Kiel. "Er war die endlosen Diskussionen einfach leid. Nun gibt es eine neue Gruppe mit One-Way-Kommunikation: Da schreibt der Lehrer an Eltern. Antworten sind verboten."

In dem neuen Buch "Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen" der SPIEGEL-ONLINE-Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg packen Erzieher, Eltern, Lehrer, Ärzte und Anwälte aus, was sie mit übermotivierten Erziehungsberechtigten erlebt haben und berichten von irren Beispiele der digitalen Eltern-Kommunikation.

Lesen Sie hier Buchauszüge aus dem Kapitel "Das ist echt nervig! Die schlimmsten Elternchats" (Namen, Orte und signifikante Details wurden geändert und einige Chatverläufe gekürzt):

Manchmal werden die Nachrichten auch aggressiv: An einem sehr guten Hamburger Gymnasium schaukelten sich die gut situierten Anwälte, Ärzte und Unternehmer im Elternchat einer fünften Klasse so hoch, dass eine der Schulbehörde angeschlossene Vermittlungsstelle eingeschaltet werden musste.

Eigentlich ging es nur um Umgangsformen, doch einige Eltern meldeten daraufhin ihre Kinder sogar von der Schule ab.

Kennen Sie Helikoptereltern?
Foto: Westend61/ Getty Images/Westend61

Vom Dinkelzwang bis zur Notenklage: Sind Sie Hebamme, Lehrer, Erzieher, Kinderarzt, Studienberater, Professor, Anwalt, Sporttrainer - oder Nachbar/Freund/Bekannter? Haben Eltern schon mal absurde Forderungen an Sie gestellt oder versucht, Sie auszuhorchen, zu beeinflussen oder einzuspannen - zum vermeintlichen Wohle der eigenen Kinder?

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