Streit ums Zubettgehen und Co. Wenn Eltern wegen Lappalien die Polizei rufen

Die Tochter will nicht ins Bett, die Zwillinge weinen, ein neuer Erzieher spielt mit den Kindern Fußball: Immer häufiger rufen Eltern die Polizei wegen Nichtigkeiten. Die kuriosesten Einsätze.

Kind spielt Polizei (Symbolbild)
Getty Images

Kind spielt Polizei (Symbolbild)


In Hamburg hat kürzlich eine Mutter die Polizei gerufen, weil ihr dreijähriges Kind sich mit einem anderen Kind um ein Dreirad stritt. Die beiden Kinder waren offenbar in einer Kindertagesstätte im Stadtteil Winterhude aneinandergeraten, wie mehrere lokale Medien berichten. Sie hätten geschrien und einander gekratzt.

Tatsächlich wählen Eltern immer häufiger die 110, gern auch bei Banalitäten oder Dingen, die sie - oder ihre Kinder - viel besser selbst regeln könnten. Und ist diese Telefonnummer einmal gewählt, gibt es kein Zurück: Ein Einsatzwagen kommt, mag der Anlass noch so läppisch sein.

Streitigkeiten um einen Parkplatz vor der Schule? Ein unbekannter Erzieher in der Nachmittagsbetreuung? Beschädigte Kleidung? Alles klar, die Polizei wird gerufen. Es gibt sogar Eltern, die aus Überforderung eine Streife anfordern, etwa wenn das Kind nicht ins Bett gehen will.

ANZEIGE
Lena Greiner, Carola Padtberg:
Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen!

Neue unglaubliche Geschichten über Helikopter-Eltern

Ullstein Taschenbuch; 224 Seiten; 10,00 Euro

Die Ordnungshüter, immer bemüht, ihr Freund-und-Helfer-Image zu unterstreichen, bleiben in den meisten Fällen freundlich, schlichten die Auseinandersetzungen auf dem Spielplatz und beim Sportwettkampf und überwachen auch mal Siebenjährige beim Zähneputzen.

In dem neuen Buch "Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen" der SPIEGEL-ONLINE-Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg packen Hebammen, Erzieher, Lehrer, Sporttrainer, Professoren, Anwälte, Ärzte, Studienberater und Kinder aus, was sie mit übermotivierten Eltern erlebt haben.

Lesen Sie hier Buchauszüge aus dem Kapitel "Eltern in Alarmbereitschaft: Polizeiruf 110":

Das sind freilich nicht Eltern des Typs Helikopter, der überfürsorglich und ehrgeizig ist, aber doch Eltern, die meinen, zwei von Steuern finanzierte Polizeibeamte seien die richtige Adresse, an die man sich mit seinen privaten Erziehungsproblemen wenden könnte.

  • Getty Images
    Vom Dinkelzwang bis zur Notenklage: Sind Sie Hebamme, Lehrer, Erzieher, Kinderarzt, Studienberater, Professor, Anwalt, Sporttrainer - oder Nachbar/Freund/Bekannter? Haben Eltern schon mal absurde Forderungen an Sie gestellt oder versucht, Sie auszuhorchen, zu beeinflussen oder einzuspannen - zum vermeintlichen Wohle der eigenen Kinder?

    Schicken Sie uns hier Ihre absurden Anekdoten über Helikoptereltern und/oder anonymisierte (WhatsApp)-Dialoge. (Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.)

cpa/lgr

insgesamt 89 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
basakama 19.12.2018
1. Wenn Eltern wegen Lappalien die Polizei rufen
Meine Schwiegertochter ruft auch wegen jeder Lappalie einen Polizisten, egal ob es sich ums Schlafengehen, Aufessen, Schulaufgabenmachen und vieles mehr handelt, nur dass es sich dabei um den Vater des Kindes handelt, denn der ist Polizeibeamter.
bj68 19.12.2018
2. Zum ersten Fall
der Zahnreinigung unter polizeilicher Aufsicht...mag zwar auf den ersten Blick lächerlich sein, aber immer noch besser als dass die Mutter ausflippt und es dann zur körperlichen Gewalt kommt, plus dass ich mir da ziemlich sicher bin, dass da der Auftritt der Beamten durchaus auch beim Kind Eindruck hinterlassen hat. Außerdem wer droht (mit der Polizei) hat oder besser sollte seine Drohung auch wahr machen, ansonsten ist die Drohung unter k.v. (kannste vergessen) einzuordnen. bj68
dasfred 19.12.2018
3. Die Beispiele klingen erstmal witzig
Allerdings, gerade in den ersten beiden Fällen mit Mutter und Tochter im Streit und dem überforderten Vater war der Einsatz mehr als sinnvoll. Mit der Tochter gibt es nun einen neuen Ansatz über gemeinsame Regeln zu sprechen und welche Folgen eintreten können und der überforderte Vater hat die Reißleine gezogen, bevor er etwas tut, was nicht mehr zu reparieren ist. Hier geht es ja darum, dass eine neutrale Respektsperson den Familien in einer akuten Krise Hilfestellung geben konnte. Früher hatte man dafür ältere und erfahrene Verwandte.
crossflights 19.12.2018
4.
Was hat das denn mit Helikoptereltern zu tun wenn ein völlig entnervter Papa in seiner Verzweiflung die Polizei ruft? Finde ich sehr verantwortungsbewusst! Bevor etwas schlimmes passiert wie Kind schütteln oder so. Und das mit dem Zähneputzen ist echt cool...das Kind hat sicher viel gelernt an diesem Abend und die Polizei findets sicher auch nett sich mal um was "Anderes" zu kümmern. Wird von Steuern finanziert warum nicht auch mal für die Jüngsten da sein. Bitte etwas mehr Verständnis für die Eltern!
Seraphan 19.12.2018
5.
Wenn der Vater seine eigenen Kinder nicht beruhigt bekommt, dann hat es vorher Versäumnisse gegeben. Warum nicht die eigene Mutter, Schwiegermutter, Schwester etc. anrufen? Interessant finde ich, dass es hier im Forum offensichtlich und mit an den Haaren herbeigezogenen Begründungen für genial und richtig gehalten wird, die Polizei für das mangelnde Interesse eines Vaters heranzuziehen. Das Problem mit den wirklich irrsinnigen Polizeieinsätzen ist, dass diese Menschen es auch weiterhin für richtig halten, die Polizei zu rufen. Vielleicht lehne ich mich da zu weit aus dem Fenster, aber ich würde einschätzen, dass viele der Polizeirufer Scheidungskinder sind, die ohne rational denkenden und agierenden Vater nicht gelernt haben, mit solchen Situationen entsprechend umzugehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.