"Herr der Ringe" in der Schule Sprechen Sie Elbisch?

Klingonisch ist ein alter Hut. Junge Filmfans wollen lieber lernen, wie man Arwen angräbt oder Legolas nach dem Weg fragt. Eine Schule im englischen Birmingham hilft ihnen dabei - dort können die Schüler Tolkiens Elbensprache jetzt als Unterrichtsfach wählen.


Arwen: Flirten auf Sindarin
Warner Bros.

Arwen: Flirten auf Sindarin

John Ronald Reuel Tolkien war ein Spachverrückter. Bevor sein Epos "Der Herr der Ringe" überhaupt entstand, hatte er schon die Sprachen der Völker Mittelerdes entwickelt - inklusive Grammatik, Vokabular und Ausspracheregeln. In einem Essay mit dem Titel "Ein geheimes Laster" gestand der besessene Laut-Erfinder einmal, er habe sich die Geschichten über Mittelerde nur ausgedacht, um ein Plätzchen für seine Sprachen zu schaffen.

Es gibt zwei Ausprägungen des Elbischen: Sindarin, sozusagen die Elben-Umgangssprache, und die Hochsprache Quenya, die lautlich auf dem Finnischen basiert. Daneben gibt es noch Orkisch, ein verkommener Elben-Dialekt. Sindarin ist klanglich dem Walisischen verwandt, das J.R.R. Tolkien besonders liebte. Und jetzt kann man Sindarin auch an einer englischen Schule lernen.

Am Turves Green Boys' Technology College in Birmingham lernen Fans im Zusatzunterricht zum Beispiel, dass "Bast" Brot und "Bess" Frau heißt - ganz ohne Notendruck. Das Angebot sei in erster Linie dazu gedacht, dem Selbstwertgefühl von Jungs mit Lernschwierigkeiten aufzuhelfen, erklärte Zainab Thorp, Lehrerin am Turves College. "Den Kindern macht das wirklich Spaß", sagte sie gegenüber BBC Online News, "es geht gegen die Idee an, dass Bildung nur dazu dienen soll, einen Job zu bekommen."

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Ob Tolkien sich hätte träumen lassen, dass seine Kreationen eines Tages als Stütze der Bildung dienen würden? Für manche Schüler dürfte das Elbische ohnehin einen eher praktischen Nutzen haben: "Einige von ihnen spielen sehr gern Rollenspiele", so Zainab Thorp, "Sindarin zu können ist nützlich, um ihre Elben-Armeen zu kommandieren."

Dass Fans versuchen, Tolkiens Sprachen zu lernen, ist übrigens nichts Neues. Für Sindarin gibt es zum Beispiel ein deutsches Internetlexikon. Wer alles über Tolkiens linguistischen Kosmos wissen will, findet bei Ardalambion, der Webseite des norwegischen Sprachwissenschaftlers Helge Fauskanger, jede nur erdenkliche Information - inklusive eines Quenya-Kurses im PDF-Format.

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In einem Diskussionsforum von BBC Online stieß der Elbisch-Kurs am Turves College auf ein geteiltes Echo: Die Schüler sollten doch lieber Französisch und Deutsch lernen, meinten einige, denn mit Elbisch bekomme man ja wohl keinen Job. Andere waren begeistert und posteten gleich auf Sindarin - Elbisch könne doch das neue Esperanto werden, meinte einer.

Einen pragmatischeren Ansatz wählte eine Dame aus dem englischen Accrington: "Ich würde nicht nein dazu sagen, das zu lernen, wenn die Elbisch-Sprecher so sexy sind wie dieser Aragorn. Hätte nichts dagegen, seine Bess zu sein!"

Von Christian Stöcker



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