Herzklopfen "Ich habe ihn gehasst, jetzt sind wir zusammen"

Zuerst konnten Sabrina und Daniel einander nicht ausstehen. Sie hielt ihn für einen Skater-Proll, er sie für eine Zicke. Auf Umwegen wurden sie dann doch ein Paar. Herzenssachen im SchulSPIEGEL - das vierte von sechs Gesprächen über Flirten, Verliebtsein, Sex.


Frage: Ihr seid seit acht Monaten ein Paar. Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Daniel: Sie war die Klassenkameradin und Freundin meiner Nachbarin. Und vor knapp vier Jahren bin ich von Dortmund nach Stuttgart gezogen. Da bin ich noch Skateboard gefahren. Sie und meine Nachbarin standen draußen. Und sie hatte so 'nen Block mit ihrer Kette auf den Boden gelegt, und ich bin dann mit dem Skateboard drübergefahren.

Schülerin Sabrina, 17, und Schulabbrecher Daniel, 19: Liebe auf den dritten Blick
Archiv für Jugendkulturen

Schülerin Sabrina, 17, und Schulabbrecher Daniel, 19: Liebe auf den dritten Blick

Sabrina: Ich mal' halt gerne, und da waren meine Bilder drin. Und er fährt komplett drüber! Ich hab' noch gesehen, wie er darauf zugefahren ist, hab' mir aber gedacht: Nee, so blöd ist der nicht, das sieht der schon. Ich hab' ihn gleich voll blöd angemacht. Weil ich mochte ihn von Anfang an nicht. Oh Gott, war ich sauer! Seitdem haben wir uns eigentlich gehasst.

Daniel: Ja, sie kam gleich hysterisch an, und ich hab’ nur gedacht, wie dumm man eigentlich sein kann und, na ja, dann hab’ ich mich entschuldigt und bin weiter.

Sabrina: Der war halt genau das, was ich überhaupt nicht mochte. Ich mag Skater nicht. Und seine Art überhaupt: Partys, Alkohol, alles so witzig, toll. Das mochte ich alles nicht. Dann irgendwann hat meine Freundin gemeint, dass er was von mir will.

Daniel: Es war ungefähr ein halbes Jahr danach. Sie stand etwas entfernt mit ihrer kleinen Schwester. Ich wusste nicht, dass sie es ist, habe mir nur gedacht: Oh! Toll, das Mädchen! Dann wollte ich wissen, wer das ist, bin dran vorbeigefahren und habe gemerkt, dass sie das ist. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich mich wahrscheinlich in sie verliebt habe. Wenn ich schlafen gehen wollte, musste ich öfters an sie denken. Das war irgendwie befreiend und toll. Obwohl ich mir das am Anfang nicht eingestehen wollte mit ihr, überhaupt nicht. Doch dann war es irgendwann schon zu spät, da wusste ich: Ich bin verliebt.

Frage: Und was hast du dann gemacht?

Daniel: Ich habe meine Nachbarin gefragt, ob sie nicht mal mit Sabrina vorbeikommen kann. Das ging aber total daneben.

Sabrina: Also es war so: Für mich sehen die alle komplett gleich aus bei den Skatern. Da waren ganz viele und ich wusste nicht, wer er ist, denn ich hatte ihn lang nicht gesehen. Und es war mir auch zu blöd, ihn zu rufen. Na ja, dann hat ihn irgendwer für mich geholt und das Einzige, was er die ganze Zeit gesagt hat, war: Ja, äh, hmm. Es kam kein einziges vernünftiges Wort ’raus. Ich war so eine Art Alleinunterhalter für uns und kam mir irgendwann voll doof vor.

Daniel: Ich wollte etwas sagen, aber ich hab’s nicht ’rausgebracht. Es war halt wirklich nur Stottern. Sie stand auf einmal vor mir und ich so: Wow, da geht jetzt nichts mehr.

Sabrina: Und ich bin extra hin, weil mir jeder gesagt hat: Der will mit dir reden. Obwohl ich normalerweise nie zum Skatepark gehen würde, bin ich trotzdem hingegangen, und dann hat er wirklich gar nichts gesagt, und das hat mich dann schon geärgert. Da kam ich mir voll blöd vor. Dann bin ich halt irgendwann gegangen.

Frage: Wie ging’s nach dem Gespräch weiter mit euch beiden? Daniel, hast du dir irgendwie Vorwürfe gemacht, weil es nicht so erfolgreich war?

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Projektgruppe Herzenssache:
Schmetterlinge im Bauch. Wenn Jugendliche sich verlieben
Daniel: Einerseits hab’ ich mich gefreut, dass sie da war. Andererseits hab’ ich mich gehasst, dass ich nichts gesagt hab’. Wenn wir uns danach gesehen haben, dann haben wir nur ganz kurz miteinander geredet, also nur so Hi und Tschüss.

Frage: Aber du warst immer noch verliebt?

Daniel: Ja. Es ging halt nicht weg. Es war schwer, weil ich wusste, dass es nie klappen würde.

Frage: Hattest du in der ganzen Zeit nur Gefühle für Sabrina oder gab’s da auch noch andere Mädchen, die du interessant fandest?

Daniel: Nee, das war nur sie. Und immer, wenn’s gerade aufgehört hatte mit diesen Gefühlen, dann hab’ ich sie nur ganz kurz gesehen, auf der anderen Straßenseite oder so und dann war das wirklich direkt nach zwei Sekunden wieder da. Beschissen.

Frage: Gar nicht schön?

Daniel: Es war eigentlich schon ’ne Qual. Einerseits war es toll, so verliebt zu sein. Ist ja eigentlich immer ein schönes Gefühl. Nur es kam halt mehr dieses Scheißgefühl, von wegen, jetzt bin ich verliebt und doch bin ich verloren, jetzt geht nichts mehr. Und ich muss nur noch an diese eine Person denken, obwohl ich ja eigentlich weiß, dass sie mich hasst oder mich nicht mag. Deswegen fand ich das nicht so toll.

Frage: Und du hast nicht noch mal einen Versuch unternommen, mit ihr zu sprechen?

Daniel: Ja, aber wenn ich’s versucht hab’, war sie halt gleich immer so abweisend.

Sabrina: Wir waren mal im Kino. Ich glaub’, das war kurz nach dem ersten Gespräch im Skatepark. Ziemlich kurz danach. Ich hatte mit meiner Freundin telefoniert, mit seiner Nachbarin, und sie wohnt so, dass ihr Fenster im Erdgeschoss ist und da jeder vorbeilaufen und mit ihr reden kann. Und er stand halt am Fenster und hat sich mit ihr unterhalten, und sie hatte das Telefon und hat ihn mir einfach gegeben. Dann hat er gefragt, ob wir mal irgendwas machen wollen, und da sind wir halt auf Kino gekommen. Aber das war dann auch ein bisschen blöd irgendwie, weil …

Daniel: … du hast gleich deine ganzen Freundinnen mitgebracht.

Sabrina: Ja, weil ich keine Lust hatte, mit ihm alleine zu gehen.

Daniel: Trotzdem: Es war cool irgendwo, toll für mich.

Frage: Neben ihr zu sitzen?

Daniel: Ja.

Frage: Konntest du dich überhaupt auf den Film konzentrieren?

Daniel: Nee, überhaupt nicht. Sie schon. Ich saß wirklich die ganze Zeit neben ihr, hab’ sie so von der Seite angeguckt, aber sie nur geradeaus. Dann hab ich irgendwann gedacht: Na ja, jetzt kann ich eh alles vergessen. Dann bin ich ’raus und hab’ für jeden noch Popcorn geholt …

Sabrina: … und ich hab’ nur gemeint: Danke, aber ich hab’ eigentlich gar keine Lust auf Popcorn.

Frage: Habt ihr nach dem Kino noch geredet oder irgendwas ausgemacht für ein weiteres Treffen?

Daniel: Nee, wir haben nichts ausgemacht. Es war so deprimierend für mich, ich hab’ nur noch gedacht: Okay, tschüss!

Sabrina: Ja, stimmt, du warst beleidigt.

Daniel: Nee, ich war nicht beleidigt, es war mir einfach nur zu blöd, weil eigentlich hab' ich gedacht, nur sie und ich. Und nicht: Sie und ich und zwei Tanten noch dazu.

Frage: Und wie war es bei dir, Sabrina? Hast du ihn nach dem Kino plötzlich toll gefunden?



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