Prozess wegen Veruntreuung Lehrer nimmt 100.000 Euro aus Schulkassen

Ein Lehrer aus Hessen hat zugegeben, mehr als 100.000 Euro aus dem Etat seiner Schule abgezweigt zu haben. Die Sache flog auf, als der Pädagoge sich selbst anzeigte. Begründung für die Tat: Seine Häuser seien so teuer gewesen.

Der angeklagte Lehrer Ralf L. und sein Verteidiger Thomas Stiegler im Amtsgericht Bensheim
DPA

Der angeklagte Lehrer Ralf L. und sein Verteidiger Thomas Stiegler im Amtsgericht Bensheim


Wegen gewerbsmäßiger Untreue in 231 Fällen steht ein Lehrer im hessischen Bensheim seit Mittwoch vor Gericht. Der 51 Jahre alte Mann räumte vor dem Amtsgericht ein, Zehntausende Euro veruntreut zu haben. Er war fast zehn Jahre lang für das Budget des Ganztagsangebotes an seiner Schule verantwortlich.

Zwischen Mai 2011 und Mai 2014 habe der Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer immer wieder Summen zwischen 50 und rund 2000 Euro vom Schulkonto auf sein privates Konto überwiesen, sagte ein Gerichtssprecher. So zweigte er fast 110.000 Euro von dem Geld ab, das das hessische Kultusministerium eigentlich für die Nachmittagsbetreuung an der Schule bereitgestellt hatte - und zwar für die drei Jahre insgesamt rund 420.000 Euro.

Der Angeklagte gestand die Taten am ersten Prozesstag. Er sagte, er habe unter einer hohen finanziellen Belastung gestanden. Er habe mehrere Häuser besessen und mit hohen Sanierungskosten zu kämpfen gehabt. Monatlich habe er dafür rund 4500 Euro aufbringen müssen. Zudem befinde er sich in Behandlung wegen Depressionen - und man habe bei ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung festgestellt.

Der Schulleitung fiel es offenbar nicht auf, dass das Geld fehlte. Der Pädagoge habe sich schließlich selbst angezeigt, sagte der Gerichtssprecher. Daraufhin sei er suspendiert und dann frühpensioniert worden. Ihm droht nun der Verlust seines Beamtenstatus' und der damit verbundenen Pensionsansprüche. Am 30. Januar soll das Urteil fallen.

In einem ähnlichen Fall soll ein Lehrer aus dem bayerischen Unterfranken ebenfalls rund 100.000 Euro von Schulkonten auf sein eigenes Konto überwiesen haben. Der gab das Geld allerdings nicht aus, sondern überwies es schließlich an die Schule zurück.

lov/dpa



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