Hochschulreife beim Burgerbrater Einen Big Mac und ein Abi, bitte

Mit dem McAbitur zur Uni: In Großbritannien können Mitarbeiter des Fast-Food-Riesen McDonald's künftig ihr Abitur zwischen Pommes und Burgern machen. Seit heute darf der Konzern eine Ausbildung anbieten, die zur Hochschulreife führt.


Oft ist ein Job bei McDonald's nicht mehr als: Pommes frittieren, Hamburger braten, Getränke abfüllen, immer schön freundlich bleiben. Eine Arbeit mit wenig Anspruch, die oft von Menschen gemacht wird, die mehr könnten - deren Können aber nicht nachgefragt wird. Sogar einen eigenen Begriff gibt es für diese Art von Arbeit, der es bis in die Wörterbücher geschafft hat: "McJob". Der Hamburger-Konzern versucht im Moment vor Gericht, das Wort aus den Büchern wieder streichen zu lassen.

McDonald's-Mitarbeiter: Und wo studieren Sie später?
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McDonald's-Mitarbeiter: Und wo studieren Sie später?

In Großbritannien dreht sich der Spieß nun um. McDonald's bekommt das Recht, nicht nur Hamburger und Cheeseburger zu produzieren - sondern bald auch Abiturienten.

McDonald's darf wie der Billigflieger Flybe und das Bahnunternehmen Network Rail seinen Mitarbeitern eine Ausbildung anbieten, die vom britischen Staat als Abiturersatz anerkannt wird und mit der sie sich an einer Hochschule bewerben können. Die ersten Kurse sollen in den kommenden Wochen starten.

Als erstes der drei Unternehmen will McDonald's die Abitur-Ersatz-Ausbildung beginnen. Die Jugendlichen werden auf Schnellimbiss-Filialleiter getrimmt: Sie lernen alles, was erforderlich ist, um ein Hamburger-Restaurant zu führen, so der Konzern: Marketing, Personalführung und Kundenbetreuung. McDonald's hat in Großbritannien rund tausend Filialen.

Bei Network Rail geht es in den "A-Level"-Kursen um Schienen-Instandhaltung, beim Billigflieger Flybe lernen die Auszubildenden Flugzeug-Maschinenbau und Kabinenpersonaltraining. Die Diplome des Billigfliegers sollen laut Programm sogar einmal als Universitärsabschluss anerkannt werden.

Die Unis wollen die MacAbiturienten nicht

Normalerweise berechtigt zum Studium das britische "A-Level", weswegen die britischen Zeitungen sich schnell die Wortschöpfung "MacA-Level" für das neue Angebot ausgedacht haben. Das Bildungsministerium stellte das Programm heute in London der Öffentlichkeit vor.

Von der Gewerkschaft kam prompt Kritik: "Wir glauben nicht, dass sich höhere Bildungseinrichtungen um Leute mit einem 'McAbitur' reißen", sagte Sally Hunt, Generalsekretärin der Gewerkschaft für Universitäten und Hochschulen. "So ein Abitur wäre schmalspurig und zu spezifisch auf das Unternehmen zugeschnitten."

Schon in der vergangenen Woche hatte eine Gruppe von zehn Bewerbungsprüfern von britischen Universitäten angekündigt, Studienbewerber mit einem "MacA-Level" nicht zu akzeptieren - weil diese Abschlüsse ihren Anforderungen nicht genügen würden, meldete die Rundfunkanstalt BBC.

An der Schule Kochen lernen oder Abi bei McDonald's

Bildungsminister John Denham sieht das anders: Mit dem Abitur beim Unternehmen soll jungen Menschen doch noch die Möglichkeit zum Studium gegeben werden, die es an der Schule nicht geschafft haben. Es soll jungen Leuten mehr Chancen bieten. Denham sieht in der Anerkennung der Abschlüsse "einen wichtigen Schritt, um die alten Trennungen zwischen Firmenausbildungen und staatlichen Qualifizierungen aufzuheben".

Das größte Problem auf dem Arbeitsmarkt sei im Moment nicht das Fehlen von Jobs, zitiert die "Times" Premierminister Gordon Brown, sondern "der Mangel an Können bei den Arbeitslosen".

Ob sich Bildungsminister Denham mit seinem Kollegen Ed Balls vom Kulturministerium abgesprochen hat? Der hatte in der vergangenen Woche Pflicht-Kochkurse für alle Schüler im Alter von 11 bis 14 Jahre angekündigt. Den Jugendlichen müsse im Unterricht gezeigt werden, wie sie gesunde Mahlzeiten mit frischen Zutaten zubereiten können, sagte er der Zeitung "Daily Mirror".

Künftig können sich britische Schüler also entscheiden: entweder Kochen in der Schule lernen - oder Abi bei McDonald's.

maf/dpa/AFP

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