Gewalttätige Ausschreitungen Hongkong schließt aus Sicherheitsgründen alle Schulen

Die Proteste in Hongkong werden zunehmend von Ausschreitungen begleitet. Für Schüler ist das Risiko zu groß, findet die Bildungsbehörde und lässt den Unterricht ausfallen. Auch die Universitäten ziehen Konsequenzen.

Konfrontation auf dem Campus: Die China University Hongkong ist direkt von den Ausschreitungen betroffen
Tyrone Siu / REUTERS

Konfrontation auf dem Campus: Die China University Hongkong ist direkt von den Ausschreitungen betroffen


Die jüngste Eskalation der regierungskritischen Proteste in Hongkong hat auch für die Bildungseinrichtungen in der Metropole drastische Konsequenzen. Die zuständige Behörde ordnete wegen der anhaltenden Ausschreitungen eine Schließung aller Schulen in der chinesischen Sonderverwaltungszone am Donnerstag an. Als Grund führte sie Sicherheitsbedenken und Probleme im öffentlichen Personennahverkehr an. Zuvor hatten bereits mehrere Schulen und Universitäten den Unterricht für Mittwoch abgesagt.

Hongkong hatte zu Beginn der Woche die gewaltsamsten Tage seit Beginn der Proteste vor mehr als fünf Monaten erlebt. Insbesondere der Campus der China University Hongkong war am Dienstag zur Konfliktzone geworden. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben 142 Demonstranten fest, zehn Menschen wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Auch am Mittwoch bereiteten sich radikale Demonstranten mit Brandsätzen und Pflastersteine auf neue Zusammenstöße auf dem Gelände der Universität vor.

Die Leitung der Hochschule kündigte an, den Unterricht für den Rest des Semesters, das planmäßig in zwei Wochen enden sollte, auszusetzen. Andere Universitäten wollen zunächst bis zum Ende der Woche nicht mehr unterrichten.

Chinesische Studierende reisen offenbar aus, dänische Uni rät zum Rückflug

Mindestens 80 Studierende vom chinesischen Festland verließen die Stadt, weil sie fürchteten, ins Visier der Demonstranten zu geraten, berichtete die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". In der chinesischen Nachbarstadt Shenzhen stünden demnach kostenlose Unterkünfte bereit. Auch Studenten aus Taiwan hätten die Heimreise angetreten.

Eine dänische Universität reagierte ebenfalls und legte ihren 36 Auslandsstudierenden in Hongkong einen Rückflug nahe. Die Hochschule habe sich zu dem Aufruf entschlossen, nachdem sie Berichte gesehen habe, wonach Studierende ihre Wohnheime verlassen mussten, weil diese in Brand gesetzt worden seien, sagte der Rektor der Technischen Universität Dänemarks, Anders Overgaard Bjarklev, im dänischen Rundfunk. Der Aufruf sei allerdings nur eine Empfehlung, keine Zwangsmaßnahme.

Vielerorts kam am Mittwoch auch der Verkehr zum Erliegen. Demonstranten blockierten an mehreren Orten Straßen und Kreuzungen, der U-Bahn-Verkehr wurde massiv gestört. An zahlreichen Stationen musste der Betrieb mitten im Berufsverkehr eingestellt werden, weil Demonstranten die Züge an der Weiterfahrt hinderten. Auch viele Geschäfte waren geschlossen.

Seit dem 9. Juni demonstrieren die Hongkonger gegen die eigene Regierung. Sie kritisieren einen wachsenden Einfluss der Pekinger Führung auf die ehemalige britische Kronkolonie und fordern unter anderem freie Wahlen. Immer wieder kommt es dabei zu schweren Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten. Mehrfach schoss die Polizei auf Demonstranten. Zuletzt starb ein 22-jähriger Student, nachdem er am Rande von Protesten von einem Parkhaus gestürzt war.

kfr/dpa/Reuters



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