Fotostrecke

Schulen in Hongkong: Nein zum Pflicht-Patriotismus

Foto: Kin Cheung/ AP

Nach Protesten Hongkong verzichtet auf Pflichtfach "Patriotismus"

Seit Wochen demonstrierten Tausende in Hongkong gegen ein geplantes neues Schulfach, das die Liebe zu Volksrepublik und Kommunistischer Partei vermitteln sollte. Nun hat sich der Gouverneur dem Widerstand gebeugt: Der Unterricht in "Moral und Nationale Erziehung" wird nicht zur Pflicht.

Hongkong - Die Proteste von Schülern, Lehrern und Eltern in der Sonderverwaltungszone Hongkong gegen ein patriotisches Schulfach hatten Erfolg: Kinder in Hongkong müssen künftig doch nicht nach einem in Peking vorgeschriebenen Lehrplan unterrichtet werden.

Der Streit war an dem geplante Schulfach "Moral und Nationale Erziehung" entbrannt. Die Demonstranten befürchteten, dass der Unterricht zur Gehirnwäsche dienen soll, denn die positive Darstellung des Einparteiensystems und der Kommunistischen Partei Chinas sollte wesentlicher Bestandteil des Faches sein. So würden beispielsweise geschichtliche Ereignisse wie die Niederschlagung der Proteste des Jahres 1989 auf dem Tiananmen-Platz in Peking in dem Unterrichtsfach vertuscht. Spätestens ab 2016 hätte es verpflichtend an Grund- und Sekundarschulen eingeführt werden sollen.

Dass der von der chinesischen Regierung unterstützte Gouverneur der ehemaligen britischen Kronkolonie, Leung Chun-Ying, nun eingelenkt hat, dürfte auch mit den bevorstehenden Wahlen zusammenhängen. Am Sonntag wird in der Sonderverwaltungszone Hongkong eine neue, erweiterte Volksvertretung gewählt. Leung erklärte, er habe die Kritik der Öffentlichkeit verstanden und angenommen. Der Lehrplan werde zwar nicht zurückgezogen, müsse aber nicht umgesetzt werden.

Der am 1. Juli angetretene Leung steht in Hongkong nicht nur wegen der Bildungspolitik in der Kritik. Die Bewohner machen ihn unter anderem auch für die rasant steigenden Immobilienpreise verantwortlich. Großbritannien hatte die ehemalige Kronkolonie 1997 vertragsgemäß an China zurückgegeben, Hongkong verteidigt seither seine relative Unabhängigkeit energisch.

aar/Reuters/AFP/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.