Bildungsbarometer Mehrheit der Deutschen gegen gezielte Förderung von benachteiligten Kindern

Die meisten Deutschen sprechen sich laut einer Umfrage zwar für höhere Ausgaben für Kita, Schule und Uni aus. Wie genau das Geld verteilt werden soll, ist aber umstritten.

Florian Gaertner/ photothek/ imago images

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Gießkannenprinzip oder gezielte Förderung? Bei der Frage, wie zusätzliches Geld im deutschen Bildungssystem verteilt werden sollte, gehen die Meinungen der Deutschen laut dem ifo Bildungsbarometer 2019 auseinander. Mehr als zwei Drittel der Befragten sprechen sich gegen spezielle Maßnahmen für benachteiligte Kinder aus - zusätzliche Finanzmittel sollten lieber gleichmäßig verteilt werden, so das Ergebnis der Studie, die an diesem Mittwoch vorgestellt wird.

"Dies kann möglicherweise den Kampf gegen die Bildungsungleichheit erschweren", sagt Philipp Lergetporer vom ifo Zentrum für Bildungsökonomik, Mitautor der Studie. Dabei ist sich eine große Mehrheit der Studie zufolge einig, dass etwas gegen Ungerechtigkeit im Bildungssystem getan werden muss.

Fast alle Befragten (95 Prozent) stimmten der Aussage zu, dass es ein wichtiges Ziel der Bildungspolitik sei, allen Kindern ein möglichst hohes Bildungsniveau zu ermöglichen. Dieses Ziel ist laut ihrer Einschätzung noch nicht erreicht: Ein Großteil der Befragten hält Bildungsungleichheit für ein Problem.

57 Prozent glaubten außerdem, dass Kinder ohne Migrationshintergrund in der Schule besser abschneiden. Auch Kinder aus besseren sozialen Verhältnissen haben es nach Einschätzung der Deutschen leichter. Diese Vermutungen stimmen mit aktuellen Studien zur Bildungsgerechtigkeit überein, die Kindern mit Migrationshintergrund einen deutlichen Leistungsrückstand attestieren.

Unproblematischer erschienen den Befragten dagegen die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen und zwischen Schülern in der Stadt im Gegensatz zum Land.

Frage: Ein Test untersucht regelmäßig die Mathematikleistungen von Schülerinnen und Schülern in der 4. Klasse der Grundschule in Deutschland (TIMSS = Trends in International Mathematics and Science Study). Was schätzen Sie, wie schneiden die folgenden Gruppen von Kindern im Vergleich bei dem Test jeweils ab?

* Niedrigste/höchste 50 Prozent der Bevölkerung.

Die Mehrheit der Deutschen unterstützt laut der Umfrage Maßnahmen, um Bildungsungleichheit zu verringern. Eine besonders hohe Zustimmung findet zum Beispiel der Ausbau von Stipendienprogrammen für einkommensschwache Studierende, 83 Prozent der Befragten unterstützen diese Idee. Dies erscheint als Widerspruch zu dem Prinzip, Finanzmittel gleichmäßig an alle zu verteilen - bei dieser Fragestellung ging es den Wissenschaftlern vor allem darum, unterschiedliche Fördermaßnahmen nach ihrer Effektivität zu bewerten, nicht aber um die konkrete Umsetzung.

Mehr zur Studie
Wer hat die Studie durchgeführt?
Für das sechste ifo Bildungsbarometer befragte die Forschungseinrichtung Kantar Public Deutschland im Auftrag des ifo Instituts zwischen dem 6. und 24. Mai 2019 4009 Personen. Der Fehlerbereich für Fragen, die der Gesamtstichprobe von über 4000 Befragten gestellt wurden, liegt zwischen 1 und 1,5 Prozentpunkten. Das bedeutet, wenn zum Beispiel 50 Prozent der Befragten einer Frage zustimmen, liegt der wahre Wert der Zustimmung in der Gesamtbevölkerung mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 48,5 Prozent und 51,5 Prozent.

Auch eine Kindergartenpflicht und die staatliche Übernahme der Betreuungsgebühren findet ein Großteil der Befragten sinnvoll. Nur ein geringer Anteil der Befragten spricht sich allerdings dafür aus, gezielt benachteiligte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu fördern. Knapp ein Drittel der Befragten will zusätzliche staatliche Mittel für diese Gruppen etwa in Kindergärten, Grundschulen oder für Weiterbildungen verteilen.

Die Mehrheit möchte den Ergebnissen zufolge, dass eingesetzte Gelder allen gleichermaßen zugute kommen.



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