Iglu-Studie Lernleistungen hängen nicht von Klassengröße ab

Bei Grundschülern hat die Klassengröße keinen Einfluss auf die Leistungen - diesen Schluss ziehen Wissenschaftler aus der Analyse von Daten der Iglu-Studie. Bestätigt sehen sie, dass die soziale Herkunft die Chancen von Kindern bestimmt, zum Gymnasium geschickt zu werden.
Blick ins Klassenzimmer: Klassengröße nicht entscheidend

Blick ins Klassenzimmer: Klassengröße nicht entscheidend

Foto: Z1020 Martin Schutt/ dpa

Schulklassen müssen überschaubar sein - das fordern Eltern immer wieder, und Politiker versprechen es. Indes haben Wissenschaftler nach SPIEGEL-Informationen keinen Beweis dafür gefunden, dass kleine Klassen zu besseren Schülerleistungen führen. Das ergab eine Analyse von Daten, die für die jüngste Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) erhoben worden sind.

Ein Einfluss der Klassengröße sei nicht nachweisbar, haben die Bildungsforscher nach der Auswertung des statistischen Materials festgestellt. Auch spiele die Schülerzahl beim Stressempfinden der Lehrerinnen und Lehrer eine untergeordnete Rolle. Die Wissenschaftler empfehlen vielmehr eine unmittelbare Verbesserung des Unterrichts, etwa durch zusätzliche Förderstunden.

Ihre Analyse basiert auf den Iglu-Daten 2006. Unter Federführung des Dortmunder Schulforschers Wilfried Bos wurden zahlreiche weiterführende Untersuchungen vorgenommen, unter anderem über den Zusammenhang von sozialem Status der Eltern und der Empfehlung für den Besuch eines Gymnasiums - entgegen der Iglu-Studie 2001 war diese Betrachtung von den Kultusministern für den Bundesländervergleich nicht mehr in Auftrag gegeben worden.

Die Wissenschaftler sehen frühere Forschungsprojekte bestätigt, wonach Kinder von Führungskräften deutlich größere Chancen haben als Arbeiterkinder. Die Chance ist rund viermal größer, wenn man die Empfehlungen der Lehrer vergleicht, und noch etwas größer, wenn die Eltern gefragt werden. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind beträchtlich. Im Saarland, in Hamburg und in Hessen bestehe "eine besonders enge Koppelung mit der sozialen Herkunft der Kinder".

In einem zweiten Schritt berechneten die Bildungsforscher, inwieweit sich die Herkunft auswirkt, wenn Kinder gleiche Fähigkeiten und Leseleistungen aufweisen. In diesem Fall sei die Chance für ein Kind aus höheren Schichten im Bundesdurchschnitt immer noch rund dreimal größer, dass es zum Gymnasium geschickt wird - ausführlichere Informationen folgen am Montag auf SPIEGEL ONLINE.

jol
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