Anwesenheit in Chinas Kindergärten Sechsjährige mussten Tabletten nehmen

In chinesischen Kindergärten mussten Kinder offenbar jahrelang Medikamente nehmen, damit sie gesund bleiben und die Anwesenheitsquote stimmt. Denn die Einrichtungen rechnen pro Tag und Kopf ab. Jetzt hat sich das Bildungsministerium eingeschaltet.
Kinder in Peking (Archiv): Mehrere Kindergärten mussten schließen

Kinder in Peking (Archiv): Mehrere Kindergärten mussten schließen

Foto: AFP

Ja, diese "weißen, bitter schmeckenden Tabletten" hätten sie oft essen müssen. Das erzählten chinesische Kinder auf Nachfrage ihren Eltern, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Mehrere Kindergärten wurden in China deswegen in der vergangenen Woche geschlossen. Jetzt hat das dortige Bildungsministerium eine landesweite Untersuchung angeordnet: Bekommen Kinder an Chinas Schulen ohne Erlaubnis Medikamente verabreicht?

Angefangen hat der Skandal - nach bisherigen Erkenntnissen - offenbar vor mehr als fünf Jahren in Xi'an, Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi. Tausende Kinder hätten dort Tabletten nehmen müssen, berichtet die "South China Morning Post"  unter Berufung auf die örtliche Polizei. In mindestens drei weiteren Kindergärten gab es ähnliche Vorfälle. Die Verdächtigen wurden inzwischen festgenommen.

"Unsere Kinder werden in weiße Mäuse verwandelt"

Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, wie oft die Kinder Pillen einnehmen mussten. Die "South China Morning Post" berichtet, die Kinder bekamen zweimal jährlich Tabletten, immer kurz vor der Grippewelle. So blieben sie gesund, das wiederum lohnt sich für die Betreiber: Denn die Kindergartenbeiträge werden täglich abgerechnet, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Der Leiter eines Kindergartens hat demnach gestanden, den Kindern Medikamente und Vitamintabletten verabreicht zu haben, um die Anwesenheitsrate zu erhöhen.

Vor ein paar Tagen hatte eine Mutter bei ihrer sechsjährigen Tochter eine dieser Pillen gefunden und Alarm geschlagen. Mehr als 500 Eltern meldeten sich darauf hin, sie alle berichteten, ihre Kinder litten unter Kopf- und Gliederschmerzen, Juckreiz, Übelkeit. Für eine Demonstration malten sie Plakate, berichtet die "New York Times" : "Unsere Kinder werden in Versuchskaninchen verwandelt".

fln/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.