"Einige Kinder bleiben auf der Strecke"

Ein Kind mit Down-Syndrom in Rottenburg in Baden-Württemberg (Symbolbild)

Ein Kind mit Down-Syndrom in Rottenburg in Baden-Württemberg (Symbolbild)

Foto: Daniel Naupold/ picture alliance / dpa

"Ich finde Inklusion im schulischen Zusammenleben gut. Eine große Vielfalt in allen Lernsituationen, gerade in der Grundschule, ist richtig und wichtig. Wie Inklusion aber umgesetzt werden soll, damit gemeinsames Lernen funktioniert - dafür stimmen die Rahmenbedingungen nicht.

Den Kindern mit Förderbedarf steht eigentlich eine Begleitung durch Förderschullehrer zu. Aber davon gibt es viel zu wenig. Förderschulen werden geschlossen oder zusammengelegt, und die Sonderschulpädagogen sind meistens für mehrere Regelschulen gleichzeitig zuständig. In meiner vierten Klasse haben die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ganze vier Stunden in der Woche Begleitung durch ihre Sonderpädagogin. Und dann müssen sie dafür in unserem Garderobenvorraum sitzen, weil wir keine geeigneten Räume und deren Ausstattung haben.

Das ist ein riesiges Problem, denn es wird nicht das Beste für diese Kinder getan. Das, was ihnen zusteht, kommt nicht bei ihnen an. Ich hatte einmal eine Integrationshelferin mit in meiner Klasse, die sich um einen autistischen Schüler gekümmert hat. Aber die meisten Anträge auf Integrationshilfe werden vom Jugendamt abgelehnt.

Ein Jugendamtmitarbeiter hat uns in der Lehrerkonferenz einmal gesagt: 'Es geht hier doch ums Kind, das lernen muss, klarzukommen, nicht darum, dass es der Lehrer schön einfach hat.' Ich muss mich mit meinen GL-Schülern (GL=Gemeinsames Lernen) ganz intensiv beschäftigen. Sie brauchen besondere Begleitung und Zuwendung. Dann fehlt in einer Klasse mit 27 Schülern anderen Kindern die nötige Unterstützung, so dass einige auf der Strecke bleiben."

Lehrerin an einer Grundschule, Nordrhein-Westfalen

Aufgezeichnet von Christoph Henrich
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