Innerdeutsche Pisa-Studie Streit über das Bildungssystem

Eine angebliche Spitzenstellung Bayerns und Baden-Württembergs im Pisa-Ländervergleich sorgt für Streit zwischen den Parteien.


Im internationalen Vergleich schnitten die deutschen Schüler miserabel ab
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Im internationalen Vergleich schnitten die deutschen Schüler miserabel ab

Berlin - Die SPD wies am Samstag die Darstellung der Opposition zurück, der Vergleich belege den Qualitätsvorsprung der Bildungseinrichtungen in unionsregierten Ländern. Die Kultusministerkonferenz bezeichnete unterdessen Vorabmeldungen mit der Rangliste als erfunden und unsachlich.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn sagte, wer mit diesem Thema Wahlkampf betreibe, erkenne den Ernst der Lage nicht. Die SPD-Politikerin erklärte, ihr lägen noch keine Ergebnisse der Pisa-Länderstudie vor. Doch schon der internationale Vergleich habe gezeigt, wie dringend gehandelt werden müsse. Ihr Ziel sei, dass Deutschland in den kommenden zehn Jahren im Schulleistungsvergleich unter den fünf besten Nationen sei. Dafür sei eine nationale Kraftanstrengung notwendig.

Bulmahn verwies darauf, dass die Bundesregierung vier Milliarden Euro für mehr Ganztagsangebote und eine Verbesserung des Unterrichts bereitgestellt habe. Offiziell soll der Pisa-Ländervergleich erst Ende Juni veröffentlicht werden.

Unter anderem hatte die Illustrierte "Focus" berichtet, dass beim Qualitätsvergleich der Schulsysteme die unionsregierten Bundesländer besser abgeschnitten hätten als die SPD-geführten. Unter Berufung auf den Pisa-Ländervergleich nannte das Blatt Bayern und Baden-Württemberg als Spitzenreiter der Rangliste. Weit abgeschlagen landeten laut "Focus" Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie am Ende der Liste unter anderem Sachsen-Anhalt.

"In dieser Form lächerlich"

Als Abschlussbilanz einer miserablen sozialdemokratischen Bildungspolitik wertete der saarländische Ministerpräsident Peter Müller in der "Welt am Sonntag" das angeblich schlechte Abschneiden seines Bundeslandes. Die Erhebung sei unmittelbar nach dem Regierungswechsel im Saarland erhoben worden, sagte der CDU-Politiker.

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, erklärte, der Vergleich der Bundesländer sei "in dieser Form lächerlich". Deutschland spiele bildungspolitisch laut Pisa-Studie in allen Bundesländern Zweite Liga.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eva-Maria Stange, nannte den Ländervergleich "wenig überraschend und ein wenig diffus". Es sei kaum verwunderlich, dass Bundesländer mit guten Sozialdaten auch gute Schulleistungen erzielten, erklärte Stange in Frankfurt am Main. "Mit Bayern und Baden-Württemberg liegen offenbar Bundesländer mit weit unterdurchschnittlichen Arbeitslosen- und Sozialhilfequoten an der Spitze", erklärte die GEW-Vorsitzende.



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