Integration  Studie zeigt Bedeutung von Lehrern mit Migrationshintergrund

Viele sehen in Lehrern mit Migrationshintergrund einen wichtigen Baustein für eine gelungene Integration. Eine neue Studie zeigt nun: Die Lehrer selbst sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und füllen sie aus, so gut es geht. Für manche hat die Unterstützung einzelner Schüler aber auch Grenzen.
Integrationshelfer: Lehrer mit Migrationshintergrund genießen ein besonderes Vertrauen

Integrationshelfer: Lehrer mit Migrationshintergrund genießen ein besonderes Vertrauen

Foto: Armin Weigel/ dpa

Eine wissenschaftliche Untersuchung hat die Bedeutung von Lehrern mit ausländischen Wurzeln unterstrichen. Es habe sich gezeigt, dass Lehrende mit Migrationshintergrund "ein Schlüssel zur interkulturellen Schulentwicklung" seien, fasste Studienleiterin Viola Georgi von der Freien Universität Berlin am Dienstag die Ergebnisse zusammen.

Die Erziehungswissenschaftlerin hob aber zugleich hervor, dass die Lehrer nicht "zum Allheilmittel gesellschaftlicher Integration" taugten. Neben der gezielten Werbung von Lehrern mit Zuwanderungsgeschichte müssten die interkulturellen Kompetenzen aller Pädagogen in der Aus- und Weiterbildung gestärkt werden.

Für die erste empirische Untersuchung in Deutschland zum Selbstverständnis von Lehrkräften mit Migrationshintergrund wurden 200 Lehrer mit ausländischen Wurzeln umfassend befragt. Die Studie wird im Frühjahr 2011 veröffentlicht. Georgi gab die zentralen Ergebnisse nun schon bekannt, sie sollen am Freitag auf einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung zum Thema "Vom multikulturellen Klassenzimmer zum multikulturellen Lehrerzimmer" diskutiert werden.

Fremdsprachenkenntnisse als "Ressource" für Vertrauen

Die Bundesregierung verspricht sich von Lehrern mit Migrationshintergrund einen positiven Effekt auf die Integration von Jugendlichen und wirbt in ihrem neuen Integrationsprogramm dafür, mehr Menschen mit Zuwanderungsgeschichte für den Lehrerberuf zu gewinnen. Bisher haben kaum mehr als ein Prozent der Lehrer an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland ausländische Wurzeln.

Von den für Georgis Studie befragten Pädagogen gehen rund drei Viertel nach eigenen Angaben bewusst mit den sprachlichen und kulturellen Unterschieden innerhalb der Schülerschaft um. Knapp zwei Drittel stimmten zudem der Aussage zu, dass ihnen von den Schülern mit Migrationshintergrund mehr Vertrauen entgegengebracht werde als Lehrern ohne Migrationshintergrund.

Knapp 70 Prozent sagten, dass sie sich besonders für den Bildungserfolg von Kindern aus Familien von Einwanderern engagierten. Laut Georgi sind sie sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und versuchen auch, sie auszufüllen. Die Lehrer mit Migrationshintergrund haben demnach auch mehrheitlich einen guten Draht zu den Eltern. Ihre Fremdsprachenkenntnisse werten sie dabei mehrheitlich als "Ressource" für Vertrauen.

Viele Lehrer wurden früher selbst diskriminiert

Ihr besonderes Engagement für Migrantenkinder lohnt sich ihrer Einschätzung nach. Acht von zehn Lehrern gaben an, dass sie das Selbstbewusstsein ihrer migrantischen Schüler stärken würden. Dafür setzen sie sich nicht nur im Klassenzimmer ein: Viele Lehrer unterstützen ihre Schüler auch in schwierigen Lebenssituationen und beraten sie etwa bei Familienkonflikten. Allerdings machten einige Lehrer auch deutlich, dass sie dabei an professionelle und persönliche Grenzen stoßen und daraus Konsequenzen ziehen. Sie weisen die Rolle des "Sozialarbeiters" zurück.

Viele Lehrer gaben an, in ihrer eigenen Ausbildung diskriminiert worden zu sein. Bei fast jedem dritten Lehrer war das in der Schule der Fall, 13 Prozent wurden während des Studiums diskriminiert, 23 Prozent im Referendariat und fast ebensoviele in der beruflichen Praxis.

bim/AFP
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