Intelligenter Rucksack Täschchen, pack dich

"Ich könnte schwören, dass ich die Hausaufgaben eingepackt habe..." Solche Ausreden sind künftig passe, da hilft auch minutenlanges Kramen in der Schultasche nichts. Drei Berliner Schüler habe eine Schultasche entwickelt, die mitdenkt: Fehlt etwas, schlägt sie Alarm.

Von Esther Wiemann


Auf den ersten Blick sieht die Erfindung von Felix Niewienda, Patrick Kessler und Martin Pandza aus wie eine ganz normale Schultasche. Unscheinbar liegt der schwarze Rucksack auf dem Pult des Technikraums der Berliner Max-Taut-Schule. Auch der Inhalt ist nicht besonders überraschend: Turnschuhe, Hefte, eine Federmappe und ein Mathebuch.

Martin, Patrick und Felix: Wenn etwas fehlt, piept der Rucksack
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Martin, Patrick und Felix: Wenn etwas fehlt, piept der Rucksack

Doch sollte die für den Landeswettbewerb "Jugend forscht" entwickelte Schultasche in Serie gehen, können Bewegungsmuffel sich künftig nicht mehr vor dem Sportunterricht drücken, weil sie ihre Turnschuhe zuhause vergessen haben.

Auch die schwache Ausrede "Ich habe die Hausaufgaben auf dem Schreibtisch liegen lassen" düfte dann wohl kein Lehrer mehr glauben. Denn wenn Gegenstände fehlen, die für den Schultag gebraucht werden, schlägt die Tasche Alarm. Also ein Rucksack, der mitdenkt.

"Pieeeeep", ein unangenehmes Geräusch schallt durch den Klassenraum. "So hört es sich an, wenn der Rucksack falsch gepackt ist", sagt Felix, 17. Der Gymnasiast hatte die Idee für die schlaue Tasche. "Wir vergessen selber oft Schulsachen oder schleppen Sachen mit, die wir nicht brauchen", sagt er und lacht. Zusammen mit Martin, 18, und Patrick, 19, hat er seinen Einfall umgesetzt und dafür sogar einen Sonderpreis in Höhe von 250 Euro vom Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) bekommen.

Speicherplatz für 100 Schultage

"Der Schlüssel des Ganzen ist der Mikrocontroller", sagt Martin und nimmt aus dem vorderen Fach des Rucksacks ein zigarrenkistengroßes Lesegerät heraus. Über ein Menü, ähnlich wie beim Handy, kann man den Stundenplan eingeben. Alle Schulsachen werden in eine Liste aufgenommen und mit einem Chip beklebt, der Signale an den Mikrocontroller sendet. Das Lesegerät kann jetzt feststellen, was am jeweiligen Tag in den Rucksack hineingehört - und was wieder herausfliegen sollte.

Die Technik ist die Gleiche wie bei der Diebstahlsicherung in Kaufhäusern, auch "RFID-System" genannt. "Rein theoretisch können wir damit 100 verschiedene Schultage einspeichern", sagt Felix. Genug, um auch Variationen im Stundenplan zu berücksichtigen, wenn zum Beispiel Sportunterricht oder Arbeitsgemeinschaften nur alle 14 Tage stattfinden.

Fast ein halbes Jahr haben die Schüler an dem Projekt gearbeitet. Die größte Herausforderung war es, das Lesegerät zu programmieren. Dafür mussten die drei Freunde extra ein passendes Computerprogramm schreiben. Während dieser Zeit gab es viele Schwierigkeiten; so wurden einzelne Bauteile viel zu spät geliefert.

Einwandfrei funktioniert der Rucksack daher noch immer nicht, aber spätestens in den Osterferien sollen alle Probleme beseitigt sein. Und dann wird weiter getüftelt: "Wir wollen das System auf mehrere Sprachen ausweiten und Solarzellen einbauen, die den Akku wieder aufladen", so Felix. Klar, dass alle drei bei soviel Erfindergeist später beruflich "irgendwas mit Technik" machen wollen.

Mitschüler sind nicht begeistert

Unter die ersten Preisträger kamen die Schüler beim Berliner Landeswettbewerb von "Jugend forscht" zwar nicht, Lehrer und Eltern freuen sich dafür aber um so mehr über die schlaue Schultasche. Die Mitschüler dagegen sind eher skeptisch - sie fürchten um ihre Ausreden.

Doch auch hier haben die drei eine Lösung parat: "Klar, wenn der Lehrer weiß, dass man so ein Ding hat, ziehen die Hab-ich-vergessen-Ausreden nicht mehr, aber er muss es ja nicht wissen". Sie würden ihre Lehrer darüber zumindest nicht informieren.

Den Rucksack selbst benutzen würden sie dagegen schon. Leider ist er im Moment noch viel zu teuer: "Der Controller kostet 200 Euro und die Chips jeweils sechs Euro. Das können wir uns nicht leisten", sagt Martin.

Die Kosten für das Projekt hat die Schule übernommen. Günstiger würde es nur, wenn mehrere Geräte auf einmal gekauft werden, sagt Patrick und beweist Unternehmergeist: "Das Prinzip lässt sich auch problemlos auf Handtaschen oder Reisetaschen ausweiten", sagt er. Ideal für notorische Schlüssel- und Geldbörsenvergesser.

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