Interview mit Iglu-Leiter Bos Managersohn aufs Gymnasium, Arbeitertochter zur Hauptschule

3. Teil: Lesen - eine Kurzgeschichte mit dem Hasen, dem Löwen und elf Aufgaben für die Schüler




Der Hase kündigt das Erdbeben an

von Rosalind Kerven

Es war einmal ein Hase, der sich sich ständig Sorgen machte. "Oh je", murmelte er den ganzen Tag, "oh je, oh je, oh jemine."

Seine größte Sorge war, dass es eines Tages ein Erdbeben geben könnte. "Denn wenn es eines gäbe", sagte er sich, "was würde dann nur aus mir werden?"

Eines Morgens war er darüber besonders beunruhigt, und genau da fiel plötzlich eine riesige Frucht von einem nahen Baum - RUMS! - so dass die Erde erzitterte.

Der Hase sprang auf.

"Ein Erdbeben!", schrie er.

Und er raste über das Feld, um seine Cousins zu warnen.

"Ein Erdbeben! Rennt um euer Leben!"

Alle Hasen verließen die Felder und liefen wie verrückt hinter ihm her.

Sie rasten über die Ebenen, durch Wäler und Flüsse und in die Berge, und warnten unterwegs all ihre Cousins.

"Ein Erdbeben! Rennt um euer Leben!"

Alle Hasen verließen die Flüsse und Ebenen, die Hügel und Wälder, und liefen wie verrückt hinterher. Als sie schließlich die Berge erreichten, donnerten zehntausend Hasen die Hänge hinauf. Bald erreichten sie den höchsten Gipfel. Der erste Hase schaute sich um, um festzustellen, ob das Erdbeben schon näher kam, aber alles, was er sehen konnte, war eine riesige Horde von flitzenden Hasen.

Dann schaute er nach vorn, aber er sah nur noch mehr Berge und Täler und dahinter, ganz weit weg, das glänzende blaue Meer.

Während er da stand und keuchte, kam ein Löwe.

"Was ist denn los?", wollte er wissen.

"Ein Erdbeben, ein Erdbeben!", plapperten alle Hasen durcheinander.

"Ein Erdbeben?", fragte der Löwe. "Wer hat es gesehen? Wer hat es gehört?"

"Frag ihn, frag ihn!", riefen all die Hasen und zeigten auf den ersten.

Der Löwe drehte sich zu dem Hasen um.

"Bitte, werter Herr", sagte der Hase schüchtern, "ich saß gerade ganz ruhig zu Hause, da hörte ich plötzlich ein lautes Krachen, und die Erde erzitterte. Da wusste ich, dass es ein Erdbeben sein musste, werter Herr, also bin ich gerannt, so schnell ich nur konnte, um alle anderen zu warnen, damit sie ihr Leben retten."

Der Löwe sah den Hasen mit seinen tiefgründigen, weisen Augen an.

"Mein Bruder, hättest du wohl genug Mut, mir zu zeigen, wo sich dieses schreckliche Unglück zugetragen hat?"

Der Hase fühlte sich eigentlich überhaupt nicht mutig genug dafür, aber er hatte das Gefühl, dass er dem Löwen vertrauen konnte.

Also führte er den Löwen ängstlich die Berge und die Hügel hinunter, über die Flüsse, Ebenen, Wälder und Felder, bis sie schließlich wieder bei ihm zu Hause ankamen.

"Hier habe ich es gehört, werter Herr."

Der Löwe sah sich um - und entdeckte sofort die riesige Frucht, die mit solchem Lärm vom Baum gefallen war.

Er nahm sie in den Mund, kletterte auf einen Felsen und warf sie wieder auf den Boden.

RUMS!

Der Hase sprang in die Luft. "Ein Erdbeben! Schnell - renn weg - gerade ist es wieder passiert!" Aber da merkte er plötzlich, dass der Löwe laut lachte. Und dann sah er die Frucht, die bis zu seinen Füßen gerollt war.

"Oh", flüsterte er, "dann war es überhaupt kein Erdbeben, oder?"

"Nein", sagte der Löwe, "war es nicht, und es gab eigentlich überhaupt keinen Grund, sich zu fürchten."

"Was war ich bloß für ein dummer Hase!"

Der Löwe lächelte freundlich. "Mach Dir nichts daraus, kleiner Bruder. Wir alle - sogar ich - fürchten uns manchmal vor Dingen, die wir nicht verstehen."

Und damit trottete er zurück zu den anderen zehntausend Hasen, die immer noch auf dem Berg saßen, um ihnen zu sagen, dass es jetzt völlig ungefährlich war, wieder nach Hause zu gehen.

Die Aufgaben

1. Was war die größte Sorge des Hasen?

ein Löwe
ein lautes Krachen
ein Erdbeben
eine Frucht, die hinunterfiel


2. Was ließ die Erde erzittern?

ein Erdbeben
eine riesige Frucht
die fliehenden Hasen
ein umstürzender Baum


3. Es ging alles ganz schnell, nachdem der Hase "Ein Erdbeben!" gerufen hatte. Finde zwei Wörter im Text, die dieses zeigen, und schreibe sie heraus.

4. Wohin wollte der Löwe von dem Hasen geführt werden?

5. Warum ließ der Löwe die Frucht auf den Boden fallen?

Er wollte den Hasen in die Flucht schlagen.
Er wollte dem Hasen helfen, an die Frucht zu kommen.
Er wollte dem Hasen zeigen, was eigentlich passiert war.
Er wollte den Hasen zum Lachen bringen.


6. Wie fühlte sich der Hase, nachdem der Löwe die Frucht auf den Boden fallen ließ?

Wütend
Enttäuscht
Dumm
besorgt


7. Schreibe zwei Wege auf, wie der Löwe versuchte, den Hasen am Ende der Geschichte aufzumuntern.

8. Glaubst du, dass der Löwe den Hasen mochte? Welches Ereignis in der Geschichte macht dieses deutlich?

9. Wie veränderten sich die Gefühle des Hasen im Laufe der Geschichte?

Am Anfang der Geschichte fühlte sich der Hase (...), weil (...)
Am Ende der Geschichte fühlte sich der Hase (...), weil (...)

10. Du kannst an dem, was der Löwe und der Hase in der Geschichte tun, erkennen, wie sie sind. Beschreibe, wie sich der Löwe und der Hase unterscheiden und an welchem Verhalten sich dieses jeweils zeigt.

11. Was ist die wichtigste Aussage dieser Geschichte?

Lauf vor Schwierigkeiten lieber weg.
Löwen kann man niemals trauen, selbst wenn sie lieb aussehen.
Überprüfe erst die Lage, bevor du in Panik gerätst.
Hasen sind schnelle Tiere.



Das waren die Aufgaben für Zehnjährige. Beim Pisa-Vergleich hatten sich zuvor die 15-jährigen Schüler aus Deutschland blamiert - hier das Pisa-Paket.




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