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Bilder von irakischen Flüchtlingskindern: "Sie verkaufen Zigaretten, sammeln Müll oder betteln"

Foto: Kilian Foerster

Bilder von Flüchtlingskindern "Mein Vater wurde vom IS ermordet"

"Verlorene Generation": Der Hamburger Fotograf Kilian Foerster hat in einem Flüchtlingslager Kinder porträtiert, die aus dem Sindschar-Gebirge im Nordirak vor dem IS fliehen mussten. Die Bilder erzählen von Angst, Hunger - aber auch Hoffnung.
Zur Person

Kilian Foerster, Jahrgang 1970, Fotograf aus Hamburg, bereist seit 2014 regelmäßig den Norden des Iraks, um die Entwicklungen vor Ort unabhängig von tagesaktuellen Ereignissen zu dokumentieren. Seine »Kindergeschichten aus dem Irak und aus Syrien« sind auch auf seiner Homepage  zu finden.

SPIEGEL ONLINE: Herr Foerster, Sie haben Kinder in syrischen und irakischen Flüchtlingslagern fotografiert. Was war der bewegendste Moment für Sie?

Kilian Foerster: Bei meiner Arbeit über syrische Flüchtlingskinder  an der türkisch-syrischen Grenze war ich vor allem beeindruckt von dem Engagement der erwachsenen Flüchtlinge, die ehrenamtlich in Eigenregie oder mithilfe von Nichtregierungs­organisationen versucht haben, den Kindern zumindest in den wichtigsten Fächern eine Schulbildung zu ermöglichen. Allerdings reichen die Plätze an diesen "Schulen" bei Weitem nicht. Statt zu lernen, verbringen viele Kinder ihre Tage dann folgendermaßen: Sie verkaufen Taschentücher oder Zigaretten, sammeln Müll oder betteln.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es für diese Kinder weiter?

Foerster: Sie sind eine verlorene Generation. Syrien befindet sich im vierten Kriegsjahr, und ein Ende des Konflikts ist nicht absehbar. Die meisten syrischen Kinder haben keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu Schulbildung - wie sollen sie das jemals wieder aufholen? Gleiches gilt aktuell auch für die irakischen Kinder in den Flüchtlingslagern. Die politische Diskussion in Deutschland dreht sich zumeist um Waffenlieferungen - wäre es nicht wichtiger, für humanitäre Hilfe und Schulausbildung zu sorgen?

SPIEGEL ONLINE: Was ist das Ziel Ihrer Arbeit?

Foerster: Wichtig war mir, dass die Kinder selbst zu Wort kommen und von keiner Person, Gruppe oder Partei für irgendwelche Zwecke instrumentalisiert werden, wie es bei Kriegs- und Krisenberichterstattung leider häufig vorkommt. Generell möchte ich eine andere Form der Kriegsfotografie umsetzen. Ich habe an mir selbst gemerkt, dass die typischen Bilder von der Front allein aufgrund der Masse nur noch selten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Bilder, die in der zweiten Reihe gemacht wurden, berühren mich viel mehr.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie die Kinder gefunden?

Foerster: In dem großen Flüchtlingslager im Nordirak leben zurzeit ungefähr 26.000 Menschen, die meisten sind Jesiden. Die Protagonisten für meine Arbeit habe ich relativ schnell gefunden: Ich habe die Kinder im Camp angesprochen. Das Schwierigste war allerdings, kompetente und sensible Übersetzer zu finden. Die Fragen an die Kinder sollten nämlich so unvoreingenommen und neutral wie möglich sein.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie noch Kontakt zu den Kindern?

Foerster: Nein, leider kann ich das Schicksal dieser Kinder nicht weiterverfolgen, da zum Beispiel im Flüchtlingslager im Irak kaum eine Familie Internetanschluss hatte. Aber ich bleibe an dem Thema dran und würde diese Arbeit gern in anderen Ländern fortsetzen.

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak

Foto: DER SPIEGEL
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