Jan Böhmermann als Lehrer "The Magic of Labern"

Jan Böhmermann ist zurück - in der Mobbingecke seiner alten Schule. Als Hilfslehrer gibt der Moderator für das Jugendmagazin "Spiesser" eine Vertretungsstunde am Schulzentrum Bördestraße. Fazit: "Ein bizarrer Albtraum".

spiesser.de

Jan Böhmermann: Hallo! Mein Name ist Jan Böhmermann - Herr Böhmermann für euch. Das ist meine erste Unterrichtsstunde.

Jan beginnt ganz klassisch mit einer Anwesenheitskontrolle.

Jan: Wo ist Kevin?

Ilja: Nicht da. Der war heute aber schon mal da.

Jan: Muss ich mir gleich aufschreiben: Ilja ist ein Denunziant. Petze!

Die Klasse lacht.

Jan: Ihr seid Klasse elf, oder?

Klasse: Nein! Zwölf.

Jan: Ihr seht aber aus wie Klasse elf. Gut. Ich habe euch ein Thema mitgebracht.

Jan holt sein Handy raus, von dem er laut abliest.

Jan: Es ist sehr komplex, es lautet: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Kreativ- und Medienwirtschaft vor dem Hintergrund (seine Stimme wird immer lauter) des historisch und gesellschaftlich bedingten Mangels an Swag. The Magic of Labern.

Klasse lacht.

Jan: Es bedeutet eigentlich nichts anderes als: Warum gucken wir so viele Filme aus Amerika? Wer hat da eine Ahnung?

Die Hände schnellen nach oben.

Jannik: Weil Deutschland schlechte Filmproduzenten hat?

Leffi: Ich glaube, das liegt daran, dass Hollywood früher mehr gepusht wurde und die Schauspieler dort besser sind. Ich denke da an meinen Lieblingsfilm "Titanic".

Klasse lacht.

Jan: Welcher ist dein richtiger Lieblingsfilm?

Leffi: Nein, wirklich. Titanic und 300.

Jan: Was meinst du denn, Anika?

Anika: Ich denke, das liegt daran, dass die meisten wirklich bekannten Leute in Amerika leben.

Jan: Aber die Frage ist doch, warum gucken wir gerne nach Amerika? Warum schauen wir keine Filme aus Polen zum Beispiel?

Leffi: Na, weil die alle geklaut sind.

Die Klasse lacht. Auch Jan.

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Jan Böhmermann als Vertretungslehrer: "Welcher ist dein Lieblingsfilm?"

Jan: Wer von euch weiß, was wir für ein Rundfunksystem in Deutschland haben?

Nico M.: Es gibt private Sender wie Pro7 und es gibt halt so allgemeine Sender: ZDF, ARD und so.

Jan: Die heißen öffentlich-rechtliche Sender. Das könnt ihr euch gleich mal aufschreiben. Wer weiß denn, seit wann es die privaten Rundfunksender in Deutschland gibt?

Sakay: Vorgestern.

Jan: Vorgestern, meint Sakay. Das ist schon mal nicht schlecht, aber falsch.

Nico M.: 1990?

Jan: Fast. 1984 ist die richtige Antwort. Das waren damals Sat.1 und RTL Plus. Wie sind private Sender?

Klasse: Asozial, dumm, unrealistisch.

Jan: Und öffentlich-rechtliche?

Klasse: Informativ (Jan lacht), langweilig, für Ältere.

Jan: Was ist denn der Unterschied zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern?

Nico: Für öffentlich-rechtliche bezahlt man Rundfunkgebühren.

Jan: Private Sender sind Unternehmen, denen ist nichts anderes näher als Geldverdienen. Was habt ihr denn in der ersten Stunde in Wirtschaftskunde gelernt: Was ist das Ziel eines jeden Unternehmens?

Klasse: Gewinnmaximierung.

Jan: Richtig! Öffentlich-rechtliche Sender gehören dagegen der Bundesrepublik. Aber was ist jetzt der Unterschied im Praktischen?

Nico: In den Privaten laufen mehr internationale Filme und auf ARD und ZDF mehr deutsche Produktionen.

Jan: Wer von euch kann sich vorstellen, warum das so ist?

Nico: In Amerika gibt es eine größere Auswahl an Serien und Formaten. In Deutschland lohnt sich das vielleicht einfach nicht.

Jan: Es geht dabei vor allem um die Produktion von Inhalten. Viele Fernsehsender kaufen Inhalte aus Amerika ein: Das ist günstiger und birgt weniger Risiko. Wenn man sich beispielsweise eine Serie ausdenkt, weiß keiner, ob sie auch funktioniert. Auch wenn man ganz viel Gedankenschmalz und Geld reinsteckt. Warum sind wir Importeure im Kreativbereich? Sind wir denn uncooler? Produzieren wir uncoolere Sachen?

Ines: Ja, weil wir schlechtere Schauspieler haben.

Jan: Wer von euch will mal ins Showgeschäft?

Einige Hände schnellen nach oben.

Jan: Was braucht man dafür?

Sakay: Gute Connections.

Jan: Falsch. Einen Versuch hast du noch.

Sakay: Eine große Klappe.

Jan: Falsch. Disziplin! Man muss durchhalten und seitenweise Konzepte schreiben.

Nico: Ich will Sie jetzt nicht angreifen, aber ich habe so einige Videos mit Ihnen gesehen und da haben Sie auch ein ganz schön großes Mundwerk.

Klasse lacht.

Jan: Okay, jetzt ist es raus. Lacht. Aber ich trage bei meiner Show auch die Produktionsverantwortung. Ich bin nicht nur der Moderator.

Alle Augen auf Jan.

Jan: Was ich sagen will: Ich denke, wir brauchen mehr Leute in Deutschland, die gute, kreative Inhalte produzieren. So, liebe Schüler, jetzt ist die Stunde offiziell beendet. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Leffi: Aber wir haben noch zwanzig Minuten.

Jan Dann stellt mir Fragen!

Die restlichen Minuten nutzt Jan, um mit den Schülern über ehemalige Mathelehrer, Zukunftschancen und Disziplin zu sprechen, bevor er sich von seinen Schülern verabschiedet, aus seinem "bizarren Albtraum" - dem alten Schulhaus - hechtet, ins Taxi springt und mit ganz viel Disziplin zur nächsten Show düst.

Von Tabea Grünert (Text) und Daniel Scholz (Fotos) für das Jugendmagazin "Spiesser"

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Criticz 12.05.2014
1. Christian Ulmen
hat das alles schon vor Jahren gemacht...grandios. Schade Böhmermann das nicht meint erwähnen zu müssen. Die Meßlatte ist hoch, Ulmen wird er nicht toppen...
tgu 12.05.2014
2. Präzisieren
Zitat Jan: "Ich denke, wir brauchen mehr Leute in Deutschland, die gute, kreative Inhalte produzieren." Damit sollten nicht gemeint sein, dass alle gleich losrennen um was Kreatives zu machen. Sondern, dass die Bereitschaft größer wird, jenen Kreativen auch die Möglichkeit zu geben, was Kreatives zu machen/produzieren. Und dafür braucht man halt Geld. Und das sitzt in Deutschland für Neues (und Kreatives) nicht sehr locker, im Gegensatz zu den USA.
seigneur 12.05.2014
3. Was macht Herr Böhmermann als Nächstes?
Zitat von sysopspiesser.deJan Böhmermann ist zurück - an seiner alten Schule. Als Hilfslehrer gibt der Moderator eine Vertretungsstunde am Schulzentrum Bördestraße. Lernziel: "The Magic of Labern". http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/jan-boehmermann-der-moderator-gibt-eine-vertretungsstunde-als-lehrer-a-967680.html
Lol. Nach dem Lesen frage ich mich, was den Albtraum ausgelöst hat. Wollte Herr Böhmermann einfach nur witzig sein, oder spielt er den Naiven? Zum Fachlichen: Wer so unterrichtet, also eine geschlagene Stunde lang "labert", geht unter. Das weiß jeder, der etwas von diesem Beruf versteht. Will er mit seinem Selbstversuch darauf anspielen, dass Lehrer sich generell nicht vorbereiten? Will er damit die bekannte Kamelle - Lehrer kann jeder - zum wiederholtesten Male aufwärmen? Was soll das? Vielleicht versucht es Herr Böhmermann das nächste Mal als Hilfspilot, oder als Hilfszahnarzt, oder als Hilfskampfschwimmer? Zum Glück gibt es sehr viele kompetente Lehrerinnen und Lehrer, an allen Schulformen, in jedem Bundesland. Dass es auch Gurken in diesem Beruf gibt, bestreitet niemand. Schließlich gibt es die in jedem Beruf.
pejoachim 12.05.2014
4. So einen Lehrer an die Schulen schicken?
Nein danke! Der schlimmste Fehler, den ein Lehrer begehen kann, ist, einen Schüler zu blamieren. Es musste keine Denunziation gewesen sein, dass ein Schüler darauf hinweist, dass ein abwesender Klassenkamerad da war. Kein professioneller Lehrer, der seinen Beruf liebt, würde sich so verhalten wie Herr Böhmermann. Hoffen wir, dass er sehr schnell wieder diesen schönen Beruf verlässt.
rovership 12.05.2014
5. Spakken!
Was für ein eitler Selbstdarsteller. Jeder Mitspieler soll dem Jan den Ball zuspielen - aber es gilt: Brot kann schimmeln, was kann Böhmermann denn wirklich?
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